Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1902)
- Date
- 1902-02-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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314 der Umstand, daß er sich zu demselben bekennt, genügte . - diesen. Elementen, um ihrer Rohheit vollständig die Zügel schießen zu lassen. ' Wer die Interna des Kongreffes nur ein wenig .näher'und. länger kennt, der weiß es längst, daß die zur Schau getragene Einmütigkeit nur eine äußere ist; i.. was, so lange seine Besucher nur Menschen und keine _ Engel sind, auch ganz menschlich erscheint. Aber der , Gegensatz liegt nicht nur in der oben angedeuteten per- . sönlichen. sozialen, sprachlichen, religiösen und ähnlichen Verschiedenheiten, sondern— und das ist das verhäng- . .. nihvolle— er liegt in der zionistischen Idee selbst. _ . Jeder Zionist, mit dem ich bis jetzt noch über den Zio- .. - nismus diskutirt habe, legt ihn sich anders zurecht, je; . . nach seinem persönlichen Geschmacke. Dem Einen ist . Zion die . Hauptsache. Er erhofft von ihm die Reali- . . . . sirung . der. jüdischen Heileshoffnungen, die sich seit .. ...Jahrtausenden an diesen bloßen Namen knüpfen. Daß . . ..es" religionsgesetzlich uns ..untersagt ist, diese Ner- ... .. heißungen durch unser Zuthun verwirklichen zu wollen, . . das wird, ihm durch die Theologen des Kongreffes - . schon plausibel gemacht. Diesen steht eine andere Partei gegenüber, deren . Angehörige jedem religiösen Moment abhold und ... die solche furibunde Fanatiker des Unglaubens, des religiösen, und politischen Nihilismus, ja.des ausgesprochenen Atheismus sind, daß man den Heiden alten; Schlages Unrecht zu thun fürchtet, wenn man die Ver- - . .. treter dieser Richtung moderne Heiden nennt. Diese ...... .möchten alles Religiöse aus der Judenheit mit Stumpf - und Stiel ausrotten und lassen keine Gelegenheit votü- ... der. gehen, ohne diesen ihnen instinktiven Haß so demon- .. stratiy als möglich an den Tag zu legen. Sie essen 5-.....^.ostentativ öffentlich trepha, und möchten, daß der Kon- .greß durch öffentliche Entweihung des Sabbat sich zu ....... demselben anti-religiösen Standpunkte bekennt Diese ' -Elementerekrutiremsich vorzüglich aus Rußland. Sie - sind in ganz bedenklicher'Anzahl vorhanden und haben ,. am meisten zur Diskreditirung des Zionismus und . .. seiner Kongresse beigetragen. Das hat die vernünftige, . . . .. . maßvolle. Leitung auch eingesehen und hat einen Theil derselben dieses Mal von ihren Rockschößen geschüttelt. „Zu. stark darf sie nicht schütteln, weil sonst nicht viel m.brig ^bleibt: Für.ihre Person machen sich im prakti-- z■*^^£r^ßc^t%^te••eng^^fcf^Itben'^eife'■ber"i3än};en'iBio* 'selber nicht'viel aus allem Reli- /^^LWn?/Abe^..si;^/sind' klug genüg/ :sich/gefügig und- ^-^^iÄerant^siegest^ie"PeÜgillsen, zu'-zeigen/'und bringen' ‘ÄestrHen M* rechf/empfmdliche -IntellektoMr."' sttüssen 'sie - ' '"""''nt iM'mAh)M'UD Lassest"aM ' Mziflsch -Jüdifchk fMdM'MMsp'fen;'düs/Wk/denn'Mch-nW .. •*;!. .."' 'Diese-'Radikaleti w'dllen nün'mebkn-i)er Negieriing' alles Jüdischen: Kultur und wieder Kultur. Was sie darunter verstehen, darüber sind sich die meisten selber nicht klar. Es ist eins von den Worten, die sich zur rechten Zeit einstellen, wenn eben die Begriffe fehlen. Bei Ihnen in Deutschland weiß män's ja übrigens seit mehr als 70 Zähren, was unter dieser Etiquette alles an religiösem Abfall und an Entartung verzapft wurde. Dann gibt's wieder Zionisten, die durch den Zionismus keine nationale, keine religiöse und keine kulturelle, sondern lediglich humane, wohlthätige Anliegen fördern wollen. Sie möchten den Armen eine gesicherte Heimstätte im heiligen Lande schaffen. Es würde mich zu weit führen, wollte ich die einzelnen Spielarten, in welche die Zionisten auseinandergehen, nach ihren meistens sich gegenseitig ausschließenden Eigenthümlichkeiten hier alle aufzählen. In einem auch von Ihrem Berichterstatter slizzirten Vortrage deS Herrn Dr. P a s m a n i k aus Genf, ist dies in ausgiebigster, dankenswerther Offenheit geschehen. Der Redner gehört zu denjenigen Zionisten, die von der Nothwendigkeit und Lebensfähigkeit des Zionismus wirklich überzeugt sind; er macht durch diese Ehrlichkeit seiner Gesinnung einen entschieden guten Eindruck als Redner. Aber alle rhetorischen Fähigkeiten sind nicht stark genug, um die tiefgehenden prinzipiellen Gegensätze zu überwinden, die je länger, um so schärfer hervortreten. Sie machen sich so unabweisbar geltend, daß selbst leidenschaftliche, aber redliche Parteigänger des Zionismus vom Schlage des Herrn Dr. Pasmanik, nicht umhin können, sie zur Sprache zu bringen und mit ihnen zu rechnen. Das ist auch der einzige Grund dafür, daß so viele bisherige Besucher, gewissermaßen Stammgäste des Kongresses, ihm diesmal fern geblieben sind und es künftig in noch größerem Maße thun werden. Herr Dr. Herzl hat dies sogar in seiner offiziellen Rede anerkennen müssen; selbstredend hat er dafür möglichst harmlose, äußere Motive geltend gemacht; die wahren mußte er verschweigen. Diesem nicht zu vertuschenden Eckec gegenüber suchen die Schönfärber des Zionismus die Aufmerksamkeit auf allerlei Aeußerlichkeiten zu lenken, welche die Ausbreitung und Verstärkung der ganzen zionistischen Bewegung darthun sollen. Dazu gehört in erster Reihe die Thatsache, daß ein Herr direkt aus Neuseeland nach Basel zum Kongreß gereist ist. und ein anderer die weite Reise von Sibirien nicht gescheut hat. Ich gehöre. nicht , zu den MalstiöseNj welche an einen künstlichen Import dieser 'Herren glauben, weil sie sich in der Staffage .des ganzen Ensembles ganz schön ausnehmen. Vielmehr nehme ich an,' daß alles mit ganz rechten Dingen zugeht,- daß die -Herren' überzeugte Zionisten sind/:.: die.- .lediglich der -zionistische Gedanke nach.Basel geführthat/Uber was ' will das heißen? 'Je glänzender ihnemder Zionismus und sein Kongreß aus der Ferne erschien, desto enttäuschter werden sie, in ihre Heimath zurückkehren, falls