Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 14 (17.2.1902)
- Date
- 1902-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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315 sie einen Blick hinter die Koulissen thun konnten^ Für Leute dieser Art, die isolirt und vereinsamt ein halbes ' Menschenleben hindurch in einer entlegenen Mellecks fern von Glaubens- und Gesinnungsgenossen, ihr Dasein fristen, erscheint der Kongreß selbst bei seinen entschiedenen Schwächen und Blößen noch als eine große Errungenschaft. Vielleicht müssen auch.sie öfters kommen. um kurirt zu werden; es wäre daher grausam, ihre : schöne Illusion zu zerstören. Es mag deßhalb ge-? nügen, zu konftatiren, daß es sich hier jedenfalls nur um - abnorme, vereinzelte Fälle handelt, und daß der Zio- .j nismus viel bessere Beweise für seine werbende Kraft hat. als diese Ausnahmen von der Regel. Wichtiger ist die Behauptung, die den anwesenden orthodoxen Rabbinen aus Rußland und Polen in den Mund gelegt wird, daß in ihrer Heimath das Gros der Rabbiner auf Seiten des Zionismus steht. Ich habe diese Behauptung von keinem der betr. Herren selber gehört, aber sie ist irrig, wer sie auch aufstellen und verbreiten mag. Unter den Rabbinen der größeren russisch-polnischen Gemeinden hat der Zionismus keinen einzigen Anhänger. Die bedeutendsten unter ihnen sind öffentlich in Schrift und Wort mit aller Entschiedenheit gegen den Zionismus in die Schranken getreten und thun dies fort und fort. Wenn die anderen Rabbiner diese Entschiedenheit oft vermissen lassen, und zum Theil sich sogar den Anschein geben müssen, als sympathisirien sie mit den Zionisten, so folgen sie dabei nicht ihrer Neigung, sondern dem maßlosen Terrorismus, den bezahlte Agenten und Agitatoren in einer Weise ausüben, von der man hierzulande einfach gar keine Vorstellung hat. Was diese Menschen für Mittel anwenden, um unbequeme Gegner zu verdächtigen, zu verfolgen und durch Denunziationen geradezu unmöglich zu machen, das würde man bei uns für unmöglich halten. Dadurch gelingt es..viele mehr oder weniger abhängige Glieder des Rabbinerstandes einzuschüchtern und mundtodt zu machen. Aber daß alle diese Mittel und Mittelchen die Wahrheit auf die Dauer nicht zu vergewaltigen vermögen, und den Niedergang des Zionismus nicht aufhalten können, das lehrt uns ein Blick hinter die Koulissen der großen Komödie. Sie besteht gewöhnlich auch sonst in fünf Akten. Der Vorhang ist jetzt nach Beendigung des fünften Kongresses niedergegangen. Welches Bild er darstellen wird, falls er sich nach, zwei Jahren wieder erhebt, das werde ich als Kongreß- und Theaterbesucher in Basel nicht mehr mitmachen. Ich habe genüge Zettimgsnachrlchtett und Corresporidenzeti. D.'e'.u.t'chch Tä n"d.. / Berlin,. 12. Febr. Der Führer des. Ostmarken-' Vereins. Herr von T i e d e mann ,verössentlichtm einem Posener Blatte folgende Erklärung:'' Von jeher habe ich den Standpunkt öffentlich ver-, treten, daß man einerseits.von unseren jüdischen Mit-' bürgern ein offenes Bekenntniß zur deutschest. Sachch verlangen, ihnen andererseits aber auch ehrlich/eiM. gleichberechtigte Stellung einräumen soll. — In dech Provinz Posen Antisemitismus treiben,, heißt nichts ' anderes, als. mit sehenden Äugen einen Theil des.Bürgerthums von der deutschen. Partei absprengen!"^ . .. . Diese Stellungnahme des Ostmarkenvereins '' will' der „Dtsch. Tagesztg." durchaus. nichtgefallen..Wie. alle Agrarblätter pflegt auch sieden Äntiselnitisrnus,^ wenn auch nur als Nebenprodukt und unwillig. siöjltttt." sie deßwegen: •/ .. r «In diesen Darlegungen steckt ein gewaliiger^r-' thum, der schon oft für das Deutschthurn.verha'ngstiß-' voll geworden ist. Das Judenthum steht unseres Arachtens dem deutschen Volksthume noch viel ferner und auch fremder gegenüber, als das Polenthunst Wenn der Ostmarkenverein diese niemals aus der Welt' zu schaffende Thatsache unbeachtet läßt, wird er nichts, mindestens nichts dem wahren Deutschthum., dauernd Förderliches.erreichen können." . Die Juden im ganzen Ostenauch in. Nußlanv, — rechnen sich zur deutschen Nation und demgemäß U.. ihre Haussprache deutsch. Aber das. hilft ihnen nichts' und käme es allein, auf die Agrarier,ari^ 'sstthürhest/M^ deutschen Juden insgesammt auf dem Wege des Sch'ubS^ über die Grenze .gebracht werden. Das ist die'bunhle.-^ rische Anschauung von dem gleichen Rechte'der' Verschiß denen Bekenntnisse in einem modernen Staate. Frankfurt a. pU, . .ich. Febr, (JüdjschE Damen st i ft.) Wir,meldetest vor einiger Zeit^Mß' das Rothschild'sche Vesitzt'hu'm auf der Zeil für dich. Zwecke eines jüdischen Damenstifts hergerichtet werden', soll. Diese Absicht scheint bald verwirklicht zu tverben.. Wie wir der „Jmmobilienzeitung" entnehmen,, ist Freifrau Mathilde von Rothschild, Schloß Grüneburg,, als/ der Grundeigenthümerin des Besitzthums Zeil ,84, '.hie' Genehmigung zumUmbgu-desselben ertheilt^ Hamburg, - feierlichst .eingeweihst . Her Vernch der Hir-.Mo^st breitung Änte.y der Schule.-xentwachsendest.j'ü'nM'Urnern. segensreich,wiM. wgr-Mow.sAt^iniLe^HMell' bemüht, ein' gryMes. Sjgdtlokal WgsHmv - jetzt durch liberales Entgegenkommen' der -'Klaus'