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Der Israelit · 1902-02-17 · Heft 14 (17.2.1902) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 14 (17.2.1902)
Date
1902-02-17
Page
– (sequence 1)
Language
German
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43, Jahrgang. Jfg 14* Ein Gentrak-Hrgan für das ortßodoXe Audenthum. Begründet von Dr. DehrnKnn in Ulaittf Montag, dev 17. Februar 5962 (1902). bettender Artikel. Hinter -eil Mise« ücr LsiUkWiliUe. (Schluß.) Die jüdischen Blätter, wenigstens die osteuropäischen und besonders die ruffischen, hatten ihre besonderen Berichterstatter beim Kongreß. Von den westeuropäischen, und speziell den deutschen, habe ich nur den Berichterstatter des „Israelit" kennen gelernt, dessen Berichte sich vortheilhaft von den sämmtlichen mir bekannten Kongreßberichten auszeichneten. Die sämmtlichen Berichte haben, bevor sie an die Oeffentlichkeit gelangen, noch eine Zensur zu paffiren, in welcher alles Anstößige, das geeignet ist, den Zionismus in seinem wahren Lichte erscheinen zu lassen, vorsichtig ausmerzt und unterdrückt. Die Berichte des „Israelit" sind, soweit mir bekannt, die einzigen, die mit gewissenhafter Treue den Wortlaut der Reden ohne jede nachträgliche Korrektur wiedergebcn. Man wird dies finden, wenn der offizielle Kongreßbericht erscheinen wird und man die Wiedergabe der dem zionistischen Bedürfniß gemäß zugestuhten Reden, mit den wirklich gehaltenen, vergleichen kann, wie sie das'Stenogramm Ihres Berichterstatters wiedergibt. Eine Massenauflage des Israelit-Berichtes wäre daher, abgesehen von ihrem Werthe, an und für sich auch buchhändlerisch gewiß ein praktisches Unternehmen gewesen. Auch die Resumes, und die allgemeinen, von Ihrem Berichterstatter eingestreuten Bemerkungen, zeichnen sich .vortheilhaft von den anderen Berichten aus, wenn auch des Sängers Höflichkeit hier noch manches verschwiegen hat, das recht charakteristische Streiflichter auf das Ganze, zu werfen geeignet ist. Ein Blick auf die aus Hunderten von Mitgliedern aus allen Theilen der Erde sich rekruiirende Versammlung hat im ersten Moment in der That etwas Jmponirendes. Der tiefgehende Gegensatz unter den Versammelten hinsichtlich ihrer sozialen Stellung, der Verschiedenheit der Sprache, der Sitten, der religiösen Anschauung und vieler anderer Punkte, alles dieses scheint hier nicht vorhanden zu sein. Die jüdische Eigenart leuchtet aus jedem Gesichte; aber nur in ihren Lichtseiten. Ihre Schattenseiten scheinen gar nicht mehr zu existiren. Die bekannte, stark entwickelte kritische Ader der Juden scheint jeder Kongreßbesucher zu Hause gelassen, oder doch fest unterbunden zu haben. Rauschender Beifall, lebhafte Zustimmung, die sich in bloßen Worten und Zeichen gar nicht genügen können, äußern sich in schallendem Händeklatschen und stürmischem Fußgetrampel, sobald ein Redner das Wort ergreift. Das Merkwürdige ist nun. daß wenn dem Redner ein zweiter folgt, der das strikte Gegentheil von dem vertritt, was der Vorredner verfochten hatte, diesen gegentheiligen Ausführungen dieselben Veifallssalven sicher sind, als dem Gegner. Man möchte fast an eine wohlorganisirte Claaue glauben, die mit ihrer ganz beneidenswerthen Schlagsertigkeit nicht den Reden, sondern den Rednern gilt. Was den aufmerksamen Beobachter dieser Claque stutzig machen kann, ist der Umstand, daß sie sofort versagt. wenn ein Redner, wie schüchtern auch immer, den Standpunkt des orthodoxen Judenthums vertritt. Sie schlägt dann in einen Ton rohen Spottes um, wie er z. B. die Ausführungen des greisen Rabbiners Reines begleitete, der den Kongreßbesuchern als in höchstem Grade orthodox gilt, eine Ansicht, die sonst nicht überall getheilt wird. Auch bei anderen Reden von Vertretern des orthodoxen Judenthums machte ich dieselbe Erfahrung. Am widerwärtigsten erschienen mir diese Aeußerungen roher Rücksichtslosigkeit, mit welcher das Gros der Versammlung die Schlußworte begleitete, in welchen Herr Rabbiner Dr. Scheffer dem Präsidenten den Dank für seine verdienstvolle Leitung des Kongresses aussprach. Der Redner hatte dabei gar keinen Anlaß, das orthodoxe Jüdenthum zu vertreten;

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