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Der Israelit · 1902-07-07 · Heft 54 (7.7.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 54 (7.7.1902)
Date
1902-07-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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jederzeit in allen Kreisen der größten Verehrung und Hochachtung. Die überaus zahlreiche Betheiligung der Bevölkerung von Nah und Fern an seinem Leichenbegängniß gab Kunde davon. Dasselbe gewann besonders an Feierlichkeit durchdie ergreifende, tiefempfundene Rede, welche sein Schwiegersohn. Se. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Kohn, am offenen Grabe hielt. Alles war mächtig ergriffen und die zahlreichen trauernden Versammelten lauschten in wehmuthsvoller Andacht dieser ausgezeichneten Rede. Kein Auge blieb thränenleer. Ehre seinem Andenken! Nikoksburg, 24. Juni. Am Sonntag, 22. dss. Mts. verließ unser bisheriger Oberkantor Adolph N e u f e l d unsere Gemeinde, um feinen neuen Posten in der konservativen Gemeinde zu Nürnberg anzutreten. Den vorhergehenden Sabbat hielt, der hiesige Rabbiner Dr. David Feuchtwang eine Rede, in welcher er am Schluffe das verdienstvolle Wirken des aus der Gemeinde scheidenden Kantors gedachte, diesem den Dank aussprach und ihm Glück zu seiner ferneren Lebenslaufbahn wünschend. An demselben Tage wurde Nachmittags ein Jugendgottesdienst abgehalten, bei welcher Gelegenheit Oberkantor Neufeld einen von ihm selbst verfaßten "pnp D auf die im Tempel anwesenden Herren Dr. Feuchtwang, Lehrer Krakauer und Lehrer Zwicker vortrug. Eine besondere Ehrung wurde Herrn Neufeld dadurch zu theil, daß ihm der Kultusvorstand — der sich vollzählig in seiner Wohnung einfand — als Anerkennung seine: lobenswerthen Tüchtigkeit als Kantor und Lehrer einen silbernen Pokal überreichte. Eine Deputation der hiesigen Handelsangestellten überreichte dem Herrn Ncufeld ein Gedenkblatt als Zeichen inniger Verehrung. Die Bevölkerung unserer altehrwürdigen Gemeinde, so sehr sie auch den Abgang dieses sympathischen, streng-religiösen Mannes bedauert, gönnt ihm dieses Avancement. Die erst junge konservative Gemeinde Nürnberg jedoch beglückwünschen wir zu dieser Wahl des neuen Oberkantors. Von den vielen Gesuchen, welche anläßlich der Besetzung des hiesigen Oberkantorpostens einliefen, wurden von der Kultusgemeinde fünf in Berücksichtigung gezogen und wurden die betreffenden Bewerber eingeladen, Probevorträge abzuhalten, was denn auch schon geschehen ist. Es erschienen hier zu diesem Zwecke die Herren Quittner-Janus-chasar, Weißmann-Diacowa, Fräulel-Klausenburg, Greip-Freistadt. In einer demnächst einzuberufenden Sitzung des Kultusvorstandes, wird dieser schlüssig werden, welchem Kandidaten die erledigte Kantorstelle verliehen werden, soll. Nikolsburg, 3. Juli. Lebenssatt und hochbetagt verschied hier im Alter von 94 Jahren Frau Rofalie Kohn, Mutter des Kultusvorstehers Herrn Philipp Kohn und des Tempelvorstehers Herrn Bernhard Kohn. Die Verblichene war außerordentlich wohlthätig und ihre Spenden kamen nicht nur in reichlichem Maße den Ortsarmen, sondern auch jenen des heiligen Landes zu. An dem am 29. v. Mts. stattgehabten Leichenbegangniffe nahmen außer den näheren Verwandten und Bekannten, eine ungewöhnlich zahlreiche Menschenmenge theil. In der Leichenhalle des hiesigen Friedhofes sprachen der fast 90jährige Rabbmatsasseffor Herr Josph Knöpflmacher und Herr Rabbiner Dr. David Feuchtwang. Beide Redner betonten die ungeheuchelte. lautere Frömmigkeit der Verblichenen, rühmten den Wohlthätigkeitssinn und sprachen den greisen, tiefergriffenen Söhnen Trost zu wegen des Ablebens ihrer greisen Mutter. Bride Ansprache üblen auf das Publikum tiefe Wirkung aus. — In der jüngst stattgehabten Sitzung des Kultusvorstandes und verstärkten Ausschuffes wurde nach einem eingehenden Referate des Herrn Rabb. Dr.. Dav. Feuchtwang mit Stimmeneinhelligkeit der Beschluß gefaßt. die durch Abgang des Herrn Neufeld erledigte Kantorstelle dem Herrn Fränkel aus Klausenburg (Siebenbürgen) zu verleihen. Z. Ungar n. Pest, im Juni. (Liberalismus.) Der Profefforenkörper des Nagyvarader (Großwardein) Staats-Obergymuasiums hielt jüngst unter Vorsitz des Ober-Studiendirektors M.tafallussy vor Schluß dieses Schuljahres eine, den Gang der Schlußprüsuugen bestimmende Konferenz ab. Bei dieser Berathung wurden - die schriftlichen Prüfungen auf einen Samstag festgesetzt. Jakob Gabel, Direktor der Nagivarader israelit. Bürgerschule, der im genannten Staats-Gymnasium ebenfalls eine Profeffur einuimmt, verwahrte sich gegen diesen Beschluß der Professoren, indem er angab, daß dies ein direkter Verstoß gegen die religiöse Ueberzeuguug jener jüdischen Mittelschüler wäre, die die ' Heiligkeit des Sabbat beobachten. Herr Studiendirektor Natasalussy jedoch hielt die Einwendung für zu kleinlich, als daß er dies berücksichtigen mochte und so blieb der Beschluß vorläufig — Beschluß. Schuldirektor Gabel wendete sich somit telegraphisch um eine Remedur an den Kultusminister von Wlassics. Der edelsinuige Staatsmann bewies auch jetzt, daß er der starke Träger des Liberalismus ist, indem er zum Entsetzen der etwas schwarzgefarbten Herren Professoren sofort ebenfalls telegraphisch - verfügte,, daß für seine jüdischen Gymnasial-Schüler. die am Sabbat nicht schreiben, die schriftlichen Prüfungen auf einen anderen Tag verlegt werden. Die Herren Professoren murren, die Nagyvarader Juden freuen sich und jedem ungarischen Juden ist hiermit der Beweis erbracht, daß die jüdische Gewissensfreiheit in der erhabenen Person Sr. Excelenz v. Wlassics einen Beschützer und Hüter hat.

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