Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 54 (7.7.1902)
- Date
- 1902-07-07
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1149 Liebe ihrem erzieherischen Berufe sich hingebend, dem Berufe Lehrer nicht allein für die Schule, sondern für das jüdische Leben und Streben in Familie und Gemeinde zu erziehen. Aus solchen sonnigen Verhältnissen ging allerdings schon vor geraumer Zeit ein Mann im besten und edelsten Sinne des Wortes hervor, der heute noch, wie schon seit vielen Jahren, mit zu den eifrigsten Förderern von npnpn min am hiesigen Orte gehört. Herr Maier U l l m a n n ist die eiserne Säule, der Träger für v'-ivn nfr’BS ,mny ,rrrji der in unwandelbarer Treue und standhaft und opferwillig für echte,, jüdische Jugend- und Gemeindeerziehung mitwirkt. Als der Begründer der hiesigen Talmud-Thoraschule. Herr Rabbiner Hirsch s. A., das Ende seiner' irdischen Wirksamkeit herannahen fühlte, legte derselbe Herrn M. Ullmann, der ihm bis jetzt in manch' schwieriger Lage ein verständnißvoller und thätiger Berather gewesen, an's Herz, von nun an fcxi pm mit Festigkeit und Kraft der Fortentwickelung der jungen Lehrstätte in Erwerbung tüchtiger Leiter und Nnterrichtsorgane, in Verschaffung der zum Unterhalte nvtbwendigen Geldmittel mitwirtend sich anzunehmen, damit diese Schule für praktisch lebendige Religion, wo die wissensbeflissene Jugend schon, frühzeitig an religiöse. Uebung gewöhnt, -der Thorageist in Fleisch und Blut übergeht, auch ferner in Wort und That für unser Gesammtvolk eine Wohlthätigkeitsanstalt sei und bleibe. Fünfundzwanzig Jahre sind es nun, dass die hiesigen Kultusmitglieder durch einstimmige Wahl ihr Vertrauen Herrn Ullmann dadurch bekundeten, dass sie ihn zu ihrem sicheren Führer der gemeindlichen Kultusangelegenheiten wählten, ihn auch bis zum heutigen Tage, der wiederholten Neuwahl eines Gemeindeleiters, in jener Ehrenstellung ununterbrochen beließen, ein Beweis. wie der Jubilar zur äußersten Zufriedenheit mit nnvrw Tßic '2">x sich beschäftigte, die Gesammtiniereffen seiner Gemeinde, in religiöser und sozialer Beziehung, mit richtigem Takte vertrat. Allen geräuschvollen Ehrungen abhold, mußte eine öffentliche Feier der 23jährigen Wiederkehr der Einsetzung des Herrn Ullmann zum Kultusvorstand unterbleiben und doch verdient seine selbstlose Hingabe für den engen und weiteren Kreis seiner Wirksamkeit einer öffentlichen Anerkennung, die jeder Einzelne von uns gerne und in Aufrichtigkeit zollt. Wir schätzen auf's aufrichtigste den hohen Werth seines steten Strebens nach vhen j'-i ,rc» diesen Stützen für die Erhaltung des Judenthums; wir haben schon so oft die Ueberzeugung gewonnen, wie der pflichttreue, bescheidene Jubilar auch in manchmal persönlich schwieriger Lage und Stimmung sein Führeramt nicht einen Augenblick vergaß, wie er gerecht, treu und mit Ausdauer allen Gemeindeeinrichtungen innerhalb seiner Gemeinde sein Augenmerk zuwandte, wie er unter Billigung aller Kultusmitglieder so manche Anregung gab zuni Vor-; theile eines jüdisch-religiösen Lebens, einer würdigen Repräsentation innerhalb der politischen Gesammtbürgerschaft, wie er also durch sein äusseres, ruhiges, bekehrendes und verständnissoolles Auftreten die jüdische Religionsgemeinde zu einer achtenden Stellung im Gesammtgemeindeleben verschaffte und noch besteht. So ist er auch der Vertrauensmann nicht nur der jüdischen Kreise, sondern auch der der christlichen Familien; es wird nichts von Wichtigkeit berathen und unternommen, ohne dass unser verehrter Jubliar um seinen immer trefflichen Rath befragt würde, weil man eben.seit vielen Jahren von der Selbstlosigkeit seiner Rathschläge und von der besten Gestaltung derselben durch frühere Erfolge überzeugt ist. Durch dessen freudige Hingabe in Förderung der Gemeindeinteressen, in Opfer an Zeit und Mühewaltung werden fortgesetzt die allseits besriedigensten Vorschläge für Synagoge und Familie in fördernde Thaten umgesetzt. Vollständige Uebereinstimmung herrschte ungctheilt bis auf den heutigen Tag zwischen ihm, der Gemeinde und den Kultusbeamten. Einigkeit in Ausübung von i-n nto das zum wenigsten in die Öffentlichkeit dringt, doch aus den wenigen Fällen seines Wirkens im Wohlthun läßt sich der sichere Schluß ziehen, dass res und “>cn in Verborgenheit bei ihm noch ein größerer Segensquell sein muss, daß diese mxc ein Ausfluß seines ernstreligiösen Lebens ist. Möge der Jubilar noch recht lange seines Ehrenamtes walten, möge er bis in die fernsten Zeiten sich die Liebe, Anhänglichkeit, Achtung und Anerken-; nmig unserer Glaubensgenossen und die. der christlichen Mitbürger erhalten, möge ihm und uns seine Arbeitsfreudigkeit cbp avb ein Segen werden.. Oesterreich. Leitomischl (Böhmen). Am 14. Mai starb hier Herr Moritz Groß m a n n im 84. Jahre seines dem Wohle der Familie gewidmeten Lebens. An dem Verblichenen verliert die hiesige Kultusgemeinde einen ihrer ältesten Begründer und Berather. Er gehörte durch fünfzig Jahre derselben an und war wiederholt Vorstand der Gemeinde sowohl als auch der Ehewra-Kadischa. Der Verstorbene hinterläßt vier Söhne, wovon zwei angesehene Stellungen in Wien einnehmen, und zwar der bekannte Mathematiker und Rationälökonom Herr Dr. Ludwig Großmann und der behördlich autorisirte Bau-Ingenieur und Ingenieur der Donauregulirung-Kommission, Herr Max Großmann. Die einzige Tochter ist an den Rabbiner und Prediger Herrn Dr. . Jakob Kohn in Jnowrazlaw (Preußens der. den Ruf eines hervorragenden Kanzelredners! genießt, verheirathet. Der Verewigte war ein Ehrenmann , in deS Wortes vollster Bedeutung. Strenge Rechtstchkeit, Bescheidenheit. Aufrichtigleit und Friedensliebe/'.das waren seine Grundcharakterzüge; daher erfreute er sich