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Der Israelit · 1902-07-07 · Heft 54 (7.7.1902) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 54 (7.7.1902)
Date
1902-07-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1148 öffentlich! ihren Rechenschaftsbericht für das Jahr 1901/2. Derselbe umfaßt die Zeit der vorbereitenden Thätigkeit bis zum Ende des ersten eigentlichen Derwaltungsjahres, d. i. bis zum 3L März 1902. Mit dankbarem, zufriedenem Blick schauen wir auf das, was uns in dieser Zeit zu leisten möglich gewesen. Das Problem einer geordneten Fürsorge für die Emeriten, Witwen und Waisen jüdischer Beamten, es ist mit der Existenz und durch die gewonnene Ausdehnung unserer Kaffe für unsere Provinz bereits heute schon im Wesentlichen als gelöst anzusehen. Etwa zwei Drittel aller im öffentlichen Dienste ostpreußischer jüdischer Gemeinden stehenden Beamten befinden sich jetzt schon in gesicherter Versorgung. Was zur Gewinnung eines allgemeinen Versorgungsstandes in unserer Provinz zur Zeit noch fehlt, dürfte sicher die nächste Zukunft erbringen, zum Theil durch Einkehr einer besseren Erkenntniß bei einzelnen, noch rückständigen Gemeinden und Beamten, zum Theil durch eine besondere, wohlthätige Aktion zu Gunsten der Gemeinden und Beamten. die aus materiellen Gründen der Pensionskasse nicht beizutreten vermochten. Wir werden die Herbeiführung einer obligatorischen, allgemein anerkannten und bethätigten Beamtenfürsorge bei den jüdischen Gemeinden unserer Provinz jederzeit als unser vornehmstes Ziel betrachten. Für einen voll, befriedigenden materiellen Zweck unserer Kaffe haben wir nothwendig einen Theil der dabei zu lösenden Bedingungen der Zukunft überlassen. Was wir uns in dieser Hinsicht schon heute zum Ziele gesetzt, — eine gleichmäßige Pensionsleistung von 600 Mart für den arbeitsunfähig gewordenen Mann und 300' Mk. für die Hinterbliebenen derselben, — darf nur als die feste Grundlage einer zu erwartenden, weiteren Entwickelung aufgefaßt werden, die mit Sicherheit aus dem steigenden Stande der Kassenverhältnisse sich ergeben wird. Aus den Details der Kassenthätigkeit sei noch Folgendes mitgetheilt: Die Kaffe zählte am Ende des Verwaltungsjahres 29 Gemeinden, mit 31 Beamten als Mitglieder. Für das neue Jahr sind bereits vier neue Gemeinden mit fünf Beamten als Mitglieder angemeldet, sodaß wir mit 33 Gemeinden und 36 Beamten in das neue Vcrwaltungsjahr eintreten dürften. Ein unnachsichtiges Geschick hat uns schon im ersten Jahre unserer Verwaltung die Uebernahme einer Reliktenpension auferlegt. So sehr wir solch' frühe Belastung unserer jungen Kasse im Interesse ihrer Finanzen zu bedauern haben, so sehr freuen wir uns andererseits, daß die schwer betroffene Wittwe mit ihren sieben unversorgten Kindern an unserm fürsorglichen Institute eine kleine Stütze für ihre weitere Existenz finden konnte.. Der verstorbene Kantor A. Wittenberg in Soldau war ein angesehener und geschätzter Beamter seiner Gemeinde, in der elf Jahre in Treue und Gewissenhaftigkeit und mit reichem Erfolge gewirkt hat, bis ihn ein plötzlicher Tod in noch jugendlichem Alter von 48 Jahren dahinriß. Mr werden ihm auch in unserem Kreise ein ehrendes Andenken bewahren. . . - Bonn, 3. Juli. (General-Oberst v. üoe. und der alte Husar.) Ueber den vom General- Oberst v. fioe erwähnten ehemaligen Husaren wird Folgendes berichtet: Der tapfere Husar Bier ist im Jahre 1846 in Meckenheim geboren, trat 1868 bei der fünften Schwadron ein. Schon während des Marsches nach Frankreich war er als Ordonnanz zu General Strußberg der 30. Brigade kommandirt und der ersten Schwadron zugetbeilt, er machte die Schlachten bei Gravelotte, St. Privat, die Einschließung und die Kapitulation von Metz mit. Dann focht er bei Bertrancourt, wo ein Granatsplitter ihm den Stiefel vom Fuß riß, bei Amiens, bei Forcelles. bei Buchy, an der Hallue, bei Sapignies, bei Bapaume und bei Tertry-Pouillet, sowie bei St. Quentin, stets als Ordonnanzreiter unter den gefährlichsten Umständen. In der Schlacht bei Bapaume wurde sein Pferd von einer Granate gestreift und niedergeworfen. Bier Pferde des nebenfahrenden Munitionswagens wurden getödtet; trotzdem hat Bier eine wichtige Meldung an General v. Göben und von diesem zurück glücklich befördert. Von General Strubberg und Loü öffentlich belobt, ist er im Herbst 1872 als Gefreiter abgegangen. Seitdem hat er sich als Handelsmann ernährt und erfreut sich unter seinen Mitbürgern allgemeiner Achtung und Beliebtheit. Aus Bayern. Die heurige Generalversammlung des „Israelitischen Lehrervereins" findet am Montag, den 18. August, d. i. am Montag nach Sch. Nachamu, zu Kitzingen a. M. statt. Da viele Kollegen jetzt schon Reisedispositionen treffen, sei das Obige hiermit einstweilen bekannt gegeben. Burgprcppach, 30. Juni. Burgvreppach ist den Lesern des „Israelit" seit vielen Jahren durch Berichte über die Talmud-Thoraschule (Präparandenanstalt) wohlbekannt. Entnehmen wir aus ihnen doch, daß in dem kleinen, abgelegenen, bayerischen Marktflecken px -pn cst nun thäji ernstens gepflegt wird, daß von hier aus schon Hunderte von jungen Leuten grundlegende, religiöse und profane Bildung genossen, die sie dann nach weiterer Pflege in zahlreichen, jüdischen Gemeinden nutzbringend anlegten, welche günstigen Einfluß auch nach jener Richtung zeitigte, die dem Streben nach Werbung begeisterter Anhänger des traditionellen Judenthums gilt. Es wirken aber wackere, ihren Ort kennende Herren an dieser Pflanzstätte für jüdisches und profanes Wissen, mit Pflichteifer, aufrichtiger

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