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Der Israelit · 1902-07-07 · Heft 54 (7.7.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 54 (7.7.1902)
Date
1902-07-07
Page
– (sequence 3)
Language
German
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. bleibt." Da stand Rabbi Josua auf und rief: «Das Gesetz ist nicht im Himmel, sondern auf Erden. Es heißt (im 5. B. M., Kap. 30) „Sie ist nicht im Himmel." In der Thora, die uns am Berge Sinai gegeben, heißt es (2. B. M., Kap. 23, 2): „Nach der Mehrheit soll entschieden werden. Wir handeln nach dem Gesetze, aber nicht nach einem Himmels-Echo!" So weit die Erzählung. Sie läßt uns einen tiefen Einblick in den Geist des jüdischen Volkes thun. Heil dem Volke, das sein Gesetz so zu vergöttern versteht! Da werden auch nicht Orden oder Ehrensäulen für die Erfüllung der Pflicht gespendet und gewidmet. Der Lohn hierfür ist die Wohlfahrt der Gesammtheit. Die Belohnung, wenn Israel nach dem Gesetze des Ewigen wandelt, seine Gebote beobachtet, ist nach den Worten der Thora ein gesegnetes, fruchtbares Land, dauernde Gesundheit und ein glückliches, zufriedenes Erdenleben. Das Paradies im Jenseits ist nach den Lehren der Thora dem Verdienste des Individuums aufbewahrt, dem Staate blühet sein Eden schon hienieden, wenn er ist, wie er sein soll, einig in seinen Gliedern, und diese , gleich durch das Gesetz und vor demselben. Freiheit ohne Gleichheit ist ein Unding, die Spitze der Pyramide ohne Basis, ein Kopf ohne Rumpf. Wo das Recht der Freiheit sich nicht auf alle Einwohner des Landes ausdehnt, da ist der Staat kein freiheitlicher, konstitutioneller. Dieses sollte im jüdischen Staate nach den Lehren der Thora vermieden werden. Freiheit aller jüdischen Bürger vor dem Gesetze, sie entspricht nur dem Geiste der Thora. Zeitungsnachrichten und CorrespsnSenzen. Deutschland. Berlin, im Juli. Eine Umfrage über die Verbreitung des Handwerks unter den Berliner Inden, veranstaltet vom „Verein selbständiger Handtoerker jüdischen Glaubens," ergab folgendes: Die Berliner jüdische Gemeinde hat unter ihren steuerpflichtigen Mitgliedern 1068 Handwerker aufzuweisen, zu denen noch etwa 500 keine Steuer zahlende Gemeindemitglieder kommen. Nahezu der vierte Theil der jüdischen Handwerker Berlins, nämlich 252, sind Schneider; ihnen folgen 108 Werkmeister und Merkführer, 89 Kürschner, 82 Buchdrucker und Schriftsetzer, 43 Schlächter, 40 Baumeister, 39 Schuhmacher. 36 Zigarrenmacher, 35 Elektrotechniker, 24 Tapezierer, 22 Goldarbeiter, 21 Maler, Glaser und Uhrmacher. 19 Schlosser, 16 Schmiede, 15 Tischler, 8 Maurermeister, je 6 Bäcker und Gärtner und 1 Gürtler. Von 150 jüdischen Handwerkern hatten 55 bei Juden, 87 bei Christen gelernt, 51 waren nur bei Christen als Gesellen und Arbeiter thätig gewesen. Sie beschäftigen zur Zeit 22 jüdische und 89 christliche Lehrlinge und neben 625 christlichen Gesellen bezw. Gehilfen 29 jüdische.. Abgesehen von den jüdischen Schlächtern haben die jüdischen Handwerker meistens einen gemischten, 33 einen ausschließlich christlichen Kundenkreis. Zur besseren Ausgestaltung der Arbeitvermittelung soll eine Zentralstelle der jüdischen Handwerkervereine Deutschlands ins Leben gerufen werden. v Berlin, 6. Juli. Der bekannte Graf Pückler sprach gestern Abend vor etwa 2000 Menschen, darunter auch viele Sozialdemokraten und Neugierige, über, seinen letzten Prozeß. Nebenbei schimpfte er auch über die Juden. Das ihn verurtheilende Erkenntniß i des Glogauer Gerichts erklärte er für unhaltbar. Er sei Herr seines Grund und Bodens und könne auf diesem alles nach Belieben kurz und klein schlagen. Falls er. wirklich die ihm in erster Instanz zuerkannte Strafe verbüßen müsse, werde er nach seiner Freilassung weiter demoliren. Eine Schande sei es, wie in Preußen Edelleute behandelt würden. Unbedingt müsse ein Sohn aus adeligem Geschlecht von der Behörde anständiger behandelt werden, als ein Proletarier. (Lärm.) Es sei nothwendig, daß sich alle Söhne des Lichts zu einer festen Phalanx zusanimenschaarten, um alles niederzutreten, was sich ihnen in den Weg stelle. Hier löste der Polizeileutnant die Versammlung auf. Es entstand großer Lärm. Die Antisemiten sangen: Deuischland, Deutschland, über Alles. Als Graf Pückler eine Viertelstunde später in einer Droschke fortfuhr, wurde er lange Zeit von einer großen Menge verfolgt, mit dem Rufe:' Haut den Dreschgrafen, er hat die Arbeiter beschimpft. Frankfurt a. M., 4. Juli. (Ausstellung hebräischer Druckwerke in der Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M.) Wie uns der Direktor der Stadtbibliothek zu Frankfurt a. M., Professor.Dr. Ebrard mittheilt, findet in diesen Tagen ein Wechsel in der permanenten Ausstellung derselben statt, indem an die Stelle der seitherigen „Ausstellung deutscher Buchillustrationen bis Albrecht Dürer", eine „Ausstellung hebräischer Druckwerke" tritt. Dieselbe wird eine große Anzahl werthvoller, nach Ländern und Städten geordneter hebräischer Drucke, sowie eine Auswahl von Handschriften und anderen Cimelien aus der Hebraica- und Judaica-Abthrilung der Stadtbibliothek zur Anschauung bringen und aus Anlaß der Anfang nächster Woche hier tagenden Generalversammlung des „Rabbinerverbandes in Deutschland" eröffnet werden. Von Dienstag 8. Juli an kann die Ausstellung, zu welcher ein mit Autotypien und Zinkätzungen der chemigraphischen Anstalt F. Guhl & Comp, ausgestatteter Katalog in der Druckerei von Gebrüder Knauer hergestellt wurde, wöchentlich von 10 bis 1 Uhr, Sonntags von 11 bis 1 Uhr besichtigt iverdem Königsberg i. P. Die „Pensionskaffe für jüdische Religionslehrer und Kultusbeamte in Ostpreußen" ver-

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