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Der Israelit · 1902-02-13 · Heft 12-13 (13.2.1902) · page 37

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 12-13 (13.2.1902)
Date
1902-02-13
Page
– (sequence 37)
Language
German
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309 lick nicht die einzigen. Die noch erhaltenen Reste der . Königsburg, der Grabdenkmäler der Könige, Absaloms - etc. würden einem dcm Gegenstände sich mit reinem Interesse widmendem Architekten ebenso genügen, dieselben in begründeter Weise zu restauriren, wie es bei Burgen und Altären anderer Nationen geschieht. Es wäre mehr als wünschenswerth, es wäre zeitgemäß und theilweise höchste Zeit, wenn man jeden Versuch, die noch in Palästina befindlichen Reste altjüdischer Architektur und Ornamentik im Bilde festzuhalten. unterstützte, wenn in den Budgets der größeren Gemeinden sich ein Posten zur Ermunterung ähnlicher Bestrebungen für Stipendien an junge, strebsame, israelitische Kunsthandwerker fände. Die besten, typischjüdischen Lösungen von Gebrauchsgegenständen' für Synagoge und Privathaus sollte man publiciren, es offen zeigen und aussprcchen. wie viel Schönes wir Israeliten zu allen Zeiten geleistet haben und noch leisten. Wie befruchtend würde es wirken, wenn Gemeinden oder reiche Gönner Preisausschreiben für die verschiedensten Zweige und Zwecke sachgemäß stellen würden.' Zu den Festen z. B. würde die sinnige, geschmackvolle Anordnung eines Sedcr-Tischcs ebenso schwierig sein, wie die schöne gärtnerische Ausschmückung einer Synagoge am Wochenfeste. Die beste Dekorirung einer Laubhütte in gegebenen Größenverhältniffen könnte ebenso gut einen Preis verdienen, wie das zierlichste Geflecht, um Myrthen und Weiden am Palmenzweig zu befestigen. Würde eine neue Leuchterform zum Chanuka. eine bübsche Grnvpirung der sieben Früchte des heiligen Landes zum 15. Schewat, ein originelles Kostüm .zum Purim, ein sinniger Einband für die Pessach-Hagadah, das Machsor oder das Ehmnesch ' prännirt, man würde erstaunen, wie viel schlummerndes Interesse nur geweckt zu werden braucht. Im deutschen Reich gibt es fall 2500 jüdische Gemeinden, in denen viel für ideale Zwecke geschieht, an der Spitze dieser Gemeinden stehen mindestens 5000 Vorsteher und.1000 Lehrer. Namentlich letztere haben den größten Einfluß auf die einzelnen Mitglieder. zumal in den kleinen und kleinsten Orten. Sowohl von dea Vorstehern, wie von den Lehrern kann man aber mit Recht sagen, daß/sie den besseren Kreisen angehören, daß sie Verständniß für Kunst in gelvissem Sinne besitzen. Von diesen Kreisen aus müßte die Initiative zur Besserung ansgehen. Unter den 8000 Personen dürften doch wenigstens achtzig sein, die dem jüdischen Kunstgewcrbe eine höhere Stellung geben möchten, wohl acht, die selbstständig in ihren Kreisen wirken könnten. Was Vorsteher und Lehrcr leisten können, zeigt sich ja in schönster Weise in ihren Bestrebungen für wiirdigen Gottesdienst und für Chorgesang. Wo ein nni; sskverständiger Lehrer lveilt. bildet sich auch in kleinen Gemeinden ein so schöner Chor, daß viel größere Gemeinden beschämt darauf blicken müssen; Ehrensache für jeden nur eben Stimmbegabten ist es, dem Synagogenchor anzugehören, und Freude und Andacht kommen im. Gefolge. Ebenso wirksam und mit ebenso kleinen Mitteln könnten dieselben Vorsteher- und Lehrer-Kreise dafür wirken, daß die Ausstattung der Synagoge nicht nur out, sondern auch geschmackvoll sei, daß bei Neuanschaffungen seitens Privater das kompetente Urtheil der Sachverständigen zuerst angehört werde, und daß nicht nur auf den Werth, sondern auch auf die erst Würde gebende Form geachtet lver.de. Fast rathlos steht man aber der Gleichgiltigkeit bei den vielen Anschaffungen für das jüdische Privathaus gegenüber. Die Sabbatlampe mußte mit der besseren Beleuchtung verschwinden, aber, kein nur irgendwie.charakteristischer silberner oder metallener Leuchter ist an ihrer Stelle entstanden, den entzückenden Formen älterer Gewürzdosen sind unglaublich reizlose Gewürz-Thllrme gefolgt. In den gestickten Decken für die Brode. den Taschen für die Gebetmäntel. wird das Seltsamste geleistet. Weintrauben, welcke wie Johannisbeeren oder Pflaumen aussehen, plump gezeichnete. unmögliche Löwen, die höchstens ungemeine Aehnlichleit mit Hunden tragen, Buchstaben, die durck kleine Verlängerungen dem Satze einen ganz anderen Sinn geben, sind an der Tagesordnung. Am schrecklichsten und aber die gestickten Tischläufcr mit Abbildungen des Weisen, Bösen, Frommen iinb Unaufmertsamen, mit Zeichnungen nach Qppenheim'schen Bildern u. s. w., denn wenn unter hundert Berufsstickerinnen noch nicht eine ist, welche ein Gesicht gut aussühren kann, wie selten wird es dann unter Privatdamen der Fall sein. Es ist freilich zu erwarten, daß man auch in jü- . dischen Kreisen darauf aufmerksam wird, zu welch' bedeutend höheren Stufe in der Kunst sich der moderne Dilettantismus emporgeschwungen hat, und hoffentlich erstehen uns bald Liebhaberstickerinnen, die Mustergiltiges leisten. Hoffen wir auch, daß die Vorlagen der Verkäufer zeitgemäßer werden, daß die reiche Aussaat, welche in Museen. Kunsterziehungstagen. Kunstzeitschriften.«. s. w. ausgestreut wird, auch hier ihre Früchte trägt: es ist hier noch gar viel zu thun. Vor Allein wäre es nöthig, und Lehrer und Vorsteher lönnten hierin am besten helfen, dem Publikum — Bescheidenheit zu lehren. Bescheidenheit insofern, als dem Bestreben, sich oder einen zu ehrenden Verwandten an hauptsächlichster Stelle genannt zu sehen, die Zurückhaltung früherer Geschlechter gegenüber gestellt werden müßte. Nicht etwa, als ob eine Widmung ganz fehlen sollte, sondern wir könnten aus den älteren Vorhängen. Decken,. Mäntel aus unserer Großvater

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