Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 12-13 (13.2.1902)
- Date
- 1902-02-13
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
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308 Hauptsynagogen Hamburgs vor nicht langer Zeit eine silberne Kanne und ein silbernes Becken geschenkt bekamen und auch annahmen, die bar jeder Verzierung, nichts anderes als die allereinfachsten und zwar langweiligen, nicht die edel-anmuthigen Formen der Steingut-Waschgefchirre aufwiesen? Der Grad der Ächtung des Verkäufers für seine Kunden prägt sich in der Art des Angebots aus; diese geschmacklosen Kataloge zeigen uns, wie niedrig die Fabrikanten unser Kunstverständniß einschätzen. Die Gesetze des Judenthums und die Lehren unserer Weifen sind dem Kunstgewerbe nur freundlich gesinnt. Wird das Handwerk an sich schon hochgeachtet, so wird neben der guten Arbeit, der richtigen und schnellen Vollführung auch die schönste Ausführung, der Hiddur, bei jedem Gebote anempfohlen. Einen Kunsthandwerker, wie Bezalel. den Verfertiger der goldgetriebenen Geräthe und der kunstvoll gewebten Teppiche für die heilige Siifthütte. nennt die Thora: vom göttlichen Geiste beseelt, von feinen Gehilfen betont sie, daß sie ihr Herz gewidmet, d. b. mit Liebe zur Sache gearbeitet hatten. Unter diejenigen, welche die Stütze Judas ausmachten, zählt Jesaias den .Kunstverständigen, unsere Weisen rathen im Talmud sKap. 3. 3): „Spare dir's an Speise und. Trank ab und wende um so mehr auf deine Wohnung." Bei einzelnen Geboten wird ja auch jetzt noch viel Werth auf die möglichst schöne Ausstattung gelegt, welche verhältnißmäßig hohe Summen werden, z. B. für eine schöne Garnitur der vier Arten im Feststrauße am Laubhütenfest ausgegeben! Wenn das Gesetz aber die hübsche Ausstattung wünscht, kann die jetzt so oft unschöne Gestaltung nur an der Unkenntniß der Gesetzestreuen liegen oder an ihrer Gleichgiltigkeit. Und wahrlich, wenn man nur einen Theil der Sorgfalt, mit welcher der Hausherr die Tapeten passend zum Mobiliar aussucht, welche die Dame des Hauses für die Auswahl ihres Winterbutes nöthig hat, auch bei dem garnicht so selten vorkommenden Kauf für rituelle Zwecke verwenden würde, wie vrächtig könnte sich das Kunsthandwerk entfalten. Wie die Verhältnisse liegen, ruht die Anfertigung der Kultusgegenstände grötztentheils in nichtjüdischen Händen, und die jüdischen Arbeiter, welche mit mehr oder iveniger Recht über mangelnde Unterstützung klagen, haben oft mehr Interesse für Halsgeschmeide, als für Thora-Silberschmuck, mehr für Fahnen oder Tischläufer, als für Thora-Mäntelstickerei. Da gilt es also, bei jeder Bestellung selbst heranzutreten und anzufeuern. dem Arbeiter die Gedanken mitzutheilen. welche die Verwendung veranlaßten und bei der Anwendung in Betracht kommen, die Bedeutung, die Sprüche und Symbole zu erklären, und wir können sicher sein, daß wenn in dem Arbeiter etwas von einem Künstler liegt, ihm bei der trockensten Aufzählung ein Bild vor die Seele getreten ist, das festzuhalten ihm spater nicht zu schwer fallen wird. In den meisten Fällen wird es an mustergiktigen Vorbildern fehlen, aber ge^ rade der Mangel muß zu originellen Schöpfungen führen, welche anregend auf den späteren Beschauer wirken. Grötztentheils liegt die Sache freilich sö, daß die Herren Arbeiter und Fräulein Stickerinnen mit Gewalt in neue Bahnen gedrängt werden müssen, ehe sie die ausgetretenen Wege der Gewohnheitsarbeit verlassen, aber wer sich ein wenig von ihrem Beharrungsvermögen selbst aneignet, dringt doch durch. Der Fehler fangt ja auch nicht bei den Paramenten an. sondern schon viel früher; wie bei jenem Architekten, der eine Synagoge so streng im maurischen Stil baute, daß er das sechseckige Schild David's nicht angewendet hätte, wenn er diese Verzierung nicht noch glücklicherweise in einer maurischen Zeichnung gefunden hätte, oder bei den vielen Architekten, die vor 30 Jahren nur im griechischen Stil Synagogen erstehen ließen. Wenn aber schon der maurische Stil nichts mit dem jüdischen Gottesbaus zu tbun hat, so gibt es keine größeren Gegensätze, als Judenthum und griechisch-byzantinischer Stil. Mit der Ausschmückung der Synagoge haben die Vorsteher gar oft und zwar mit den verschiedensten Arbeiten zu thun, und nicht nur bei der Erbauung derselben. Bald ist es eine festliche Dekoration für einen Feiertag oder für ein Jubiläum, bald eine Trauerdekoration. Der moderne Stil ist der Wiederaufnahme einfacher, alter Formen sehr geneigt, man könnte vielfach aus die bekannten althebräischen Kunstwerke zurückgreifen, und wenn's auch nur Ornamente sind, wie Säulenkavitäler u. dergl... mit ihrem naturalistischen Decor passen sic prachtvoll in unsere Zeit. Die jetzt oft nothige Umwandlung der Beleuchtungskörper in solche für elektrisches Licht müßte den Vorstehern Gelegenheit geben, auf ganz neue Formen zu dringen, welche charakteristisch für die Svnagoge sein könnten. Mit welch' entsetzlichem Ungeschick sind in vielen Gotteshäusern die Gasbrenner für Auerlicht nmgewandekt worden! Wie freundlich, würdig und doch nicht viel thenrer kann die Synagoge gemalt sein, wenn das Auge des Vorstehers von der ersten Skizze bis zur Fertigstellung über die Arbeit wacht, welch' gefällige Formen können die einfachsten Ständer und jedes Pult' bei nur einiger Sorgfalt in den Schnitzereien annehmen. Die neuerdings wieder zum hohen Flor gelangte Glasmalerei könnte auch mehr, als es bisher der Fall war, zur Ausschmückung herangezogen werden. Wie feine Wirkungen würden z. B. in Glasmalerei ansgeführte Gesetzestafeln erzielen, wenn ein Strahlenkranz hinter denselben in den modernen Glasflüßen, Ovalescent-Gläfern etc. erglänzte. Abbildungen des Temvels oder des Heiligthums in der Wüste wurden Nächstliegende Motive für Glasmalereien bilden, aber sicher-