Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 12-13 (13.2.1902)
- Date
- 1902-02-13
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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307 Die Lampe durchfuhr es schon jetzt wie ein elektrischer Schlag. Ach. sie besaß Erfahrung genug, sie wußte, daß man sie quälen und bearbeiten wird, daß man Drähte durch sie ziehen wird, und sie empfand es schon im voraus, wie einen körperlichen Schmerz. Ach. zu erhoffen hatte sie nichts davon, sie wußte, wo sie nickt einfach und bescheiden mit Oel leuchten durfte, daß sie dort nicht dem aemüthvollen, echt jüdischen Leben ihre Dienste weihen durfte, daß nur kalter, fremder Glanz von ihr ausgehen würde, bei dem ihr Herz selbst kalt bleiben wird. Mit Schmerz sah sie, daß man handelseins wurde Etttlsvkbttw tnitl Die Freude, mit welcher der fromme Israelit die Gesetze der Thora ausübt, die Liebe, welche er für jedes einzelne Gebot empfindet, sie bringen es unwillkürlich dahin, daß er sich bemüht, die Gesetzesvorschriften auch in möglichst schöner Weise auszuführen. Selbst der wenig bemittelte Jude, dem sein Beruf während der ganzen Woche keine Zeit läßt, seinem Sinne ästhetische Empfindungen darzubieten, findet beim Beginne des Sabbats auf seinem Tisch eine gestillte Delle für die Brode, silberne oder verzierte Leuchter für die Sabbatlichter und einen silbernen Becher, um den Segensspruch über den Wein zu sprechen. In der Synagoge aber wird das Schönheitsgefühl durch die säulengeschmückte heilige Lade, die werthvnllen Vorhänge u. Dellen, die silbernen Thora-Belrönungen. Schilder etc. gewellt und angeregt. Finden sich also in der Synagoge wie in» Privat- Hause die verschiedensten Anregungen zur Verwendung und Werthschätzung kunstgewerblicher Arbeiten, so ist doch die Ausführung derselben leider nicht immer die lobenswertheste. Zum großen Theile sind nämlich die Gegenstände des Kultus, welche doch nach einer künstlerischen Ausstattung geradezu verlangen, handwerksmäßig hergestelli, prunkend aussehende, aber innerlich völlig gefühllose Fabrikwaare, sie sind im Laden nach dem Katalog gelaust und Käufer wie Verkäufer hatten cs gleichmäßig bequem. Es ist aber durchaus nicht gleichgültig, was in der Synagoge gezeigt wird. Unwillkürlich hebt sich das Gemüth, wenn man an den beiden Samstagen, an denen die die Zehn Gebote enthaltenden Thora-Abschnitte vorgeiragen werden, Vorhänge mit Abbildungen der über sie. Doch im Grunde genommen konnte es ihr gleich sein. Ob sie hier im Trödlerlade»» - hing oder vielleicht in einem eleganten Zimmer elektrisches Licht verbreiten mußte — für sie gab es nur noch eins, was Niemand ihr rauben konnte, was ihr köstlichster Besitz bleiben würde bis an ihr Ende: Die Erinnerung an echtes Schabbesglüll und wahren Schabbesfrieden. Der Glühstrumpf aber kam in das Comptoir eines modernen Glaubensgenossen und »nutzte Sabbat und Feiertage und Werktage glühen, bis er zur Asche zurückkehrte, von der er genommen war. T.K. Mstgewerbe. Motto: vton» '?k nt. „Dieser ist mein Gott, und ihn mit» ich verherrlichen." Gesetzestafeln sieht. So »vürden auch die Gegenstände des einstigen Tempels oder die Wappen der Stämme, die Symbole der Festtage, sicherlich viel mehr zur Fröinmigkeit und zum Stolz auf unsere Bergangenheit anregen, als die längsten Inschriften, die schönsten aber beziehungslosen Alleriveltsarabesken. die mit unserer Art »lud unserer Religion garnichts zu thün haben. Wer es seit den letzten 60 Jahren zuerst aufgebracht hat, die goldgestickte Widmungsinschrift auf den Vorhängen vor der heiligen Lade als Haüptdekoration hinzustellen, ist natürlich schwer zu sagen; neu ist dieses Bestreben übrigens auch nicht. Ein vor ca. dreihundert Jahren aus Leine»» gestickter, in Einden befindlicher Vorhang ist auch schon so reichlich mit Schrift besäet,' daß er gut von einem der neuesten Meister herrühren könnte, bei denen die die Herrlichkeit des Gesetzes symbolisirende Krone auf den überfallenden oberen Theil steigen mutz; »veil auf dein Vorhang kein Platz mehr für sic vorhanden ist. Man vergleiche aber beispielsweise in dem Katalog einer Silberwaarenfabrik die Zeichnungen für jüdische und für katholische Knltusgegenstände. Bei letzteren die gefchinackvollsten Entwürfe, - bei jenen dagegen die Schilder mit in der Luft schwebenden Säulen, auf denen Lörven zum Hochspru»»g ansetzen, umgeben von Ornamenten, »vie sie vor 40 Jahren gezeichnet worden u. s. w. Nach solchen Katalogen tvird aber verlauft, ja, die Fabrikwaare »vird als eigenes Kunstrverk ausgegeben. In den Händen der Goldfchrniede liegt der größte Theil des Verlaufs der privaten und synagogalcn Paramente, aber welcher Goldschmied hat sich in den letzten Jahrzehnten für einen Esrog-Kasten zu einer anderen Form, als zu einem vergrößerten Esrog aufgeschwungen? Sollte man es glauben, daß eine der