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Der Israelit · 1902-02-13 · Heft 12-13 (13.2.1902) · page 29

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 12-13 (13.2.1902)
Date
1902-02-13
Page
– (sequence 29)
Language
German
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301 zeichnen sich durch Intelligenz aus. Sie huldigen jedoch dem Zeitgeiste und stehen dem religiösen Leben indifferent gegenüber. Speisegesetze und Sabbatruhe werden vielfach verletzt, die Synagoge nicht allzuhäufig aufgesucht, der Wohlthätigkeitssinn aber ist ein reger, der Friede blüht in der Gemeinde und ihr Verhältnis zum Lehrer ist ein freundliches, von Wohlwollen getragen. Insofern ist der Boden für eine religiös-erbauliche Unterweisung geebnet. Wird aber diese sich nicht in ganz anderen Formen und Bahnen bewegen müssen, als im vorertvähnten Falle? Ein drittes Bild. Es ist ein Städtchen oder auch ein Dorf. Die kleine Gemeinde zeichnet sich weder durch Intelligenz und Bildung, noch durch Religiosität und besondere Friedensliebe aus. Der Boden ist steinig und unfruchtbar. Und doch, ist auch hier seit alter Zeit allsabbatlich das Schiurlernen Gebrauch. .Der Lehrer hat konservativen Sinn genug, um altgeheiligte, in Israel weitverbreitete Minhagim nicht abzuschaffen, bezw. nicht fallen zu lassen. Er ist trotz der wenig zusagenden lokalen Verhältnisse unverbesserlicher Optimist, der jede Gelegenheit wahrnehmen möchte, um etwas an den Mann zu bringen. .Die Sache ist freilich für ihn äußerst schwierig, ja problematisch in vieler Hinsicht, und es bedarf schon eines kleinen Kunststückes, will er aus dem harten Felsgestein lebendiges Wasser fördern. Ein rechter Schatz von Kenntnissen aller Art führt hier nun einmal an und für sich nicht zum Ziele. Er muß gepaart sein mit Weltkenntniß, scharfer Veobachtungshabe, pädagogischem Blick und Geschick, kurz mit der Fähigkeit, gegebene Verhältnisse zu verstehen und sie weise auszunützen. Der Lehrer soll ein Politiker sein rviB^a nfyznrc, mit List führe er den Kampf. Unter den achtundvierzig Dingen, durch welche nach dem Ausspruche der Weisen Thorakenntnisse zu erlangen sind, zählen sie auch die Mahnung auf, vacn •c'po rat,. das Augenmerk auf die Stelle zu richten, die man auszufüllen, hat oder die man ausfüllen möchte. Der ersterwähnte russische Rabbi würde doch wahrlich in einer Gemeinde, wie der letztgenannten, die seiner Lebensanschauung und Gedankenwelt so ferne steht, nichts leisten können mit einer „Derascha," nach altem Stil und Inhalt! Er würde nicht nur unverstanden bleiben, sondern sich geradezu lächerlich machen. Unser Rabbi ist aber in her That dafür zu klug; denn er findet sicher die jedem vernünftig Denkenden sofort einleuchtende Rothwendigkeit heraus, den gegebentnVerhältnissen Rechnung zu tragen, d. h. sich kindlich herabzulassen zum Publikum, seiner Denkweise ■ und Fassungskraft sich anzupassen und anzuschmiegen. Dem Pädagogen von Fach braucht das gewiß nicht erst gesagt zu werden. Er kennt den Begriff der Apperzeption aus der Methodik vom Seminare her und ist . das ganze Jahr hindurch bemüht, bei seinen Schulkindern ihn in die Praxis umzusetzen oder zu verwerihen. Die Apperzeption ist die Anknüpfung „an die vorhandenen Gedankenmassen, mit denen sich neue, ähnliche verbinden sollen." (Ziller.) Denn nur auf diesem Wege ist ein wahres Interesse vorauszusetzen und ein dauerndes Interesse zu begründen. Und gerade das Letztere gilt der neueren Pädagogik als die eigentliche Frucht des Unterrichts, wenn er erziehend wirken, wenn er den Willen bilden soll. Darum ist beim Schiur zunächst Rücksicht auf den Zuhörerkreis zu nehmen. Doch ' damit kommen wir zu unserem dritten Punkt, zu dem Vo r t r a g e s e l b st. (Fortsetzung folgt.) Iit Auvemtiviis-MthBe, iil ihm " v auf M Studium (Vorbemerkung der Redaktion. Die Konversations-Methode beherrscht in unserer Zeit das praktische Studium der Sprachen. Man beginnt nicht mehr mit Grammatiksondern mit lebendiger Unter-' Haltung. Darauf beruhen die Erfolge der Berliz- School-Methode. Wir glauben dem Studium der Heiligen Sprache förderlich zu sein, wenn wir unfern Lesern eine Einführung nach der Konversations-Methode bieten. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß wir ganz besonders den Herren Lehrern damit einen Dienst erweisen: sie können vielleicht manchen begabten Schüler für das Hebräische dadurch interessiren, daß die Heilige Sprache in der Anwendung auf das frische Leben der Gegenwart erscheint. Auch der der hebräischen Sprache weniger kundige Vater kann mit diesem Blatte in der Hand, sich mit seinem Sohne hebräisch unterhalten. Auch wird der Verlauf zeigen, daß der Verfasser dieser Stücke es versteht, alle Gebiete des Lebens und. auch des Glaubens und Wissens in könversatiöneller Unterhaltung zu behandeln.) D822^

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