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Der Israelit · 1902-02-13 · Heft 12-13 (13.2.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 12-13 (13.2.1902)
Date
1902-02-13
Page
– (sequence 19)
Language
German
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291 Funken, wenn angeblasen, schütteln die Hülle ab,, und wenn von neueni angehaucht, glimmen wieder auf. sprühen Feuer und brennen wie zuvor. Es handelt sich um ein Aufraffen, um den Versuch eines neuen Anlaufes. Niemand stehe zurück; die Noth ist bis auf's Höchste gestiegen, die Gefahr droht in nächster Nähe, weg mit dem Zaudern! Oder wollen wir warten, bis die letzte Kraft gebrochen, der letzte Funken erloschen ist? Wenn vereinzelte Kräfte nicht ausreichen, das Neubelcben zu verwirklichen, so mutz eben eine Vereinigung der vereinzelten Kräfte versucht werden. Die Vereinigung der Kräfte, welche der gute Wille aller für die Erhaltung des Judenthums begeistertern Männer in Bewcgung gesetzt, wird das Werk vollbringen. (Nachschrift der Redaktion. Wir haben den Aufsatz unseres geschätzten Freundes veröffentlicht, weil er den Rückgang, der Religiosität bei den Juden herzergreifend schildert und die Ursachen des Abfalls geistreich und überzeugend darstellt. Das; ein Kongreß der Vorläufer großer Thaten zur Abhilfe sein würde, glauben wir nicht. Wir meinen im Gegentheil, daß der Heilungsprozeß von den engeren Kreisen, von den Familien und Gemeinden ausgehen muh. Alle Kreise des Judenthums aber müssen aufgerüttelt werden, die engeren und die weiteren. Nicht laut genug und nicht oft genug kann der Ruf erschallen, der klagend und zürnend, mahnend und tadelnd auf den Schaden hinweist. Herr Amrtai hat die Krankheit gut erkannt und das ist der erste Schritt, um das richtige Heilmittel zu finden. Nicht jeder Arzt jedoch, der eine gute Diagnose stellt, findet deßhalb auch die rechte Medizin.) Zeitungsnachrichten und Correspon-enzen. Deutschland. Berlin, 4. Febr. Eine Gemeinde, die mit der Gesammtheit um die vitalsten Interessen des Judenthums um die Palme ringt, verdient es, daß von allen ihren Veranstaltungen öffentlich Kenntniß genommen wird. Heute haben wir Gelegenheit, von der wackeren „Synagogen-Gemeinde Beth Zion" zu berichten, die am Sonntag, den 2. Februar, unter zahlreicher Vetheiligung von Mitgliedern und Gästen ihr 22jähriges Stiftungsfest' feierte. Ein reichhaltiges Programm von ernsten und heiteren Vorträgen und Gesängen, von Reden und Ansprachen, versetzte die Festesschaar in freudig gehobene Stimmung. Aus der Begrüßungsrcde des ersten Vorsitzenden, Herrn Heymanns o h n. entnehmen wir, daß die Begründer-mit grossen Schwierigkeiten zu kämpfen hatten, da ihnen keine fremden Hilfsquellen zur Seite standen. Mit der einfachsten Betstätte mutzten sie sich begnügen, ltnb obwohl sie hierfür ihre ganze Kraft einsetzten, hatten sie doch noch Zeit und Mittel, um auch für die Armen und Kranken zu sorgen. Und so wurde eine Unterstützungskasse in's Leben gerufen, um den unverschuldet in Noth geratenen. Mitgliedern Hilfe zu gewähren. Um jedoch den! religiösen Gebäude das richtige Fundament zu geben, ging man daran, nachdem zehn Jahre vergangen waren, einen Seelsorger anzustellen. Unser gutes Vorhaben, so fährt der Vorsitzende fort, wurde mit Erfolg gekrönt; denn uns ward das Glück zu theil, den hochverehrten Rabbiner Höxter als Geistlichen der Gemeinde und als Direktor der neu zu begründenden Religionsschule zu gewinnen. Mit Stolz können wir es heute an unserem Ehrentage hervorheben, dass seine Leistungen als Rabbiner und Prediger wie als Organisator der Religionsschule den . hohen Erwartungen entsprochen, die nur gehegt. Durch ruhmvolle, langjährige Thätigkeit hat er die Gemeinde gehoben, so dass sie heute 171 Mitglieder zählt, und der Religionsschule ein bedeutendes Nenomme verschafft. Ich halte es daher für eine Ehrenpflicht, dem hochgeschätzten Rabbiner für dessen unermüdliche Thätigkeit zum Wohle unserer Gemeinde hier öffentlich den Dank auszusprechen, mit dem. Wunsche, dass er sich noch viele Jahre einer blühenden Gesundheit erfreuen und uns als leuchtendes Vorbild erhalten bleiben möge. . Zum- Schlüsse der dahingeschiedenen Mitglieder gedenkend und gelobend, im Sinne der Begründer ohne Ruh und Rast weiter.zuarbeiten, schließt der Vorsitzende seine warmherzige Ansprache mit einem Hoch auf den Rabbiner und die Gäste, das lauten Widerhall in den Herzen der Festttheilnehmer fand. Hierauf trug Herr Halevy einen von ihm verfaßten Prolog vor, der die unzertrennliche Verbindung von Menschen- und Judenthum zum Inhalte hatte. Im Mittelpunkte der glanzvollen Veranstaltung stand die meisterliche, von wahrhaft jüdischem Geiste und innerer Ueberzeügungstreue durchwehte F e st - rede des Herrn Rabbiner Höxter. Wie mit einem sortreißendcn Flügelschlag, trug er die gebannt an seinem Wort hängenden Zuhörer in die Höhe. In großen Zügen entrollte er den Ent»vickelungsgang der Gemeinde mit den trefflichen Einrichtungen, die sich alle in streng-religiösen Geleisen bewegen. Wir wollen hier nur den zweiten Theil der Rede zu skizziren suchen. Die Synagoge, so führte Redner aus. hat man von jeher als.ersten-und hervorragenden Platz erkannt, um vereinzelt Sichende zu einem Geist und GeniLMssnn heranzuziehen. War aber erst dieser Einigungs- . Punkt geschaffen, dann betrachtete man es als die vornehmste Ausgabe, dafür zu sorgen, daß Gottes Work nicht verloren gehe, daß die Jugend es nicht verlerne, den Hocherhabenen anzubeten und zu verehren. Und so ging auch unsere Gemeinde vor zwölf Jahren daran, eine Religionsschule in's Leben zu rufen, wo die

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