Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 12-13 (13.2.1902)
- Date
- 1902-02-13
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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399 Quellen unserer heiligen Lehre der dürstenden Seele unserer Kleinen erschlossen werden sollten. Der Keim dafür liegt in jedem Menschen, die warmen Wellen der Religion sehen wir in jedem Herzen reichlich sprudeln. Es handelt sich nur darum, sie an die Oberfläche zu fördern. Und darauf war unser ganzes Augenmerk gerichtet, die unseren Händen anvertrauten Kinder heranzubilden und vorzubereiten, daß die höchsten geistigen Besitztümer unseres Glaubens in ihnen' fcftc Wurzeln fassen, damit ihr Charakter gestählt, ihre sittlich-religiösen Anschauungen veredelt werden..... Wollen wir also die Zukunft des Judentums sichern, so müssen wir eine Jugend erziehen, die stolz ist auf die Geschichte unserer Ahnen, die sich bewußt ist der Hoheit und Heiligkeit unseres Religionsgesetzes, die da kennt die Geistesheroen, welche der jüdische Stamm hervorgebracht hat. Es waren Persönlichkeiten, welche uns heute mehr als je Roth thun. Die Zukunft gebraucht solche feste, zielbewußte Männer, die. von sittlichem Ernst getragen, die Ideale unseres Glaubens Hochhalten und von den edelsten Beweggründen bei allem Thun sich leiten lassen. Zu solch mannhaften Vorsätzen kann man aber nur dann gelangen, wenn man frühzeitig aus dem reinen und lauteren Born der göttlichen Schriften seine Belehrung schöpft und den goldenen Saft unserer Religionsquellen während einer ununterbrochenen Reihe von Jahren in sich aufnimmt. Den Erfolg sehen wir bei denjenigen Schülern und Schülerinnen, welche vom 6. bis zum 14. Lebensjahre die Religionsschule besuchen. Sie erlangen diejenige Reife, welche sie befähigt, das echte, unverfälschte Judenthum durch Gesinnung. Wort und That zu bekräftigen. ... Diese Erkeuntnitz hat sich auch in weiten Kreisen Vahn^ gebrochen .... Die Schule befindet sich in stetigem Aufschwungs, und das spornt uns an. auf der betretenen Bahn weiterzuschreiten, unsere Kleinen zu erziehen zu echten Thorakennern, zu nützlichen Gliedern der menschlichen Gesellschaft. Dieser hohe Gedankenflug kommt auch im dritten Theil der Festrede zum Ausdruck, in welchem das alte Gemiluß schesed geschildert und wie es in der Gemeinde geübt wird. Und Redner schließt mit den Worten: Treu den altüberlieferten Grundsätzen, entschlossen, unentwegt einzustehen für Verbreitung von wahrer Thora kenntniß in der Religionsschule, für Aufrechterhaltung des Gottesdienstes in unveränderter Form und für echte, werkthätige Menschenliebe, treten wir in das 23. Lebensjahr unserer Gemeinde, und wir lebender innigen Zuversicht, daß der Zusammenhang unserer zahlreichen Mitglieder immer fester geschürzt und geknotet tverde, daß sich aber auch Freunde und Gönner, deren tiefsten Regungen und Empfindungen dem alten Judenthum zugetan sind, finden werden, uns in unserem Vorhaben, das „bisherige Gotteshaus a u f z u - geben und ein großes und dauerndes zu begründen." zu unterstützen, damit Beth Zion wachse, blühe und gedeihe, wie bisher, so bis in ferne Zeiten. Langanhaltender Beifall lohnte die trefflichen Ausführungen. Den Schluß des Festaktes bildete ein Tafellied, von dem wir zwei Strophen mittheilen wollen: Das erste Dankwort, das wir fröhlich weihen. Es gilt dem Manne, dessen Geistesmacht Beth Zion stellte in die ersten Reihen, Es auf die höchste Stufe hat gebracht. — Der Treue für den Glauben uns'rer Jugend Und Gottesfurcht ihr in die Seel' gestreut. Sie lenkte aus den rechten Pfad der Tugend Und stch vor Müh' und Last niemals gescheut. D'rum laßt ein Loblied.heut' erklingen Unserm Rabbiner Höxter hier. Der Großes zu des Vereins Gelingen Und gethan zu seiner Zier. Herr Heymannsohn in altbewährter Weise, Er führt den Vorsitz nun so manches Jahr. Was auch geschah, — in seinem Wirlungskreise Stand fest er und bracht' manches Opfer dar. Er hat gestrebt mit Ueberzeugungstreue, Mit Feuereifer für die heil'ge Saat. Hai er geschafft, auf das sich stets erneue Der Bund, der solche hehren Ziele hat. D'rum sei der Wunsch, der all' beseelet. Hierdurch zum Ausdruck laut gebracht. Daß es an Kraft ihm niemals fehlet Zu mehren Beth Zions Ruhm und Pracht. England. London, im Febr. (I ü d. Geschworen e.> Bei einer hier stattgefundenen Schwurgerichtsverhandlung. bei welcher es sich um einen Mord handelte, wurde u. a. auch ein Herr Cohen als Geschworener ausaeloost. Er ersuchte jedoch um Enthebung, weil nach jüdischem Glauben ein Nachkomme der Hohenpriester an solchen Verhandlungen nicht theilnehmen dürfe. Der Präsident: „Sie glauben also, daß Ihre Religion es Ihnen verwehrt, einen Todten zu besichtigen?" iEs handelte sich um einen Augenscheinsbefund.) Herr Cohen: „Gewiß, die Frage ist bereits früher zu unseren Gunsten entschieden worden." Der Präsident gab dem Ansuchen Folge, obwohl er nicht sicher war, daß die Enthebung, wenn auch üblick. gesetzlich wäre. : Ein anderer jüdischer Geschworener wollte auch enthoben sein, doch wurde sein Gesuch abgewiesen, da er weder dem Stamme der Cohen, noch dem der Leviten angehörle.