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Der Israelit · 1902-02-13 · Heft 12-13 (13.2.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 12-13 (13.2.1902)
Date
1902-02-13
Page
– (sequence 11)
Language
German
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883 jorität ein aus Sachsen eingebrachter schächtgegnerischcr Antrag abgelehnt wurde. Bei der Berathung wurde hervorgehoben, daß allerdings das Schächten bei unsachgemäßer Behandlung schmerzhaft für die Thiere sei, daß aber genau dasselbe bei allen anderen Tödtungsarten der Fall sei, wenn dieselben eben unsachgemäß ausgeführi würden. Sache der Schlachthofdirektoren sei es, zu wachen, daß die bestehenden Vorschriften hier genau erfüllt würden. Oe st erreich, Wien, im Adar. In der Wiener Orthodoxie herrscht seit einiger Zeit regeres Leben, das, als Zeichen wachsenden Interesses für religiöse Dinge, mit Freuden zu begrüßen ist. Der ..Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums" trifft Vorbereitungen zu weitausgreifender Thätigkeit, der Erfolg zu wünschen ist. Zwei Vereine zur Unterstützung von Bachurim, deren Eltern in Wien wohnen und die auf den ungarischen Jeschiwaus studiren, wirken segensreich und in den jüngsten Wochen haben junge Leute einen „Verein für jüdische Geschichte und Litteratur vom Standpunkte des traditionellen Judenthums" gebildet, dessen Leitung aus den Herren Dr. F. Rosenthal. Max Eisler, M. A. Fürst. Th. Pappenheim und Leop. Rosenbaum besteht. Dieser Verein hat am 9. Febr. seinen ersten Vortragsabend gehalten, dessen Erfolg zu den schönsten Hoffnungen berechtigt. In den gastlichen Räumen des jüdischen Volksvereines. dessen Prachtsaal von einer mehrhundertköpfigen Menge gefüllt war, herrschte ein lebhaftes Treiben. Stud. phil. Eisler begrüßte in einer wohldurchdachten vackenden Ansprache die Zuhörer, die sich aus allen Schichten der jüdischen Bevölkerung rekrutirten, und legte die Ziele des Vereins dar, der nicht der Forschung gewidmet sein soll, sondern nur die Kenntnitz unserer großen Vergangenheit und unseres erhabenen Schriftthums verbreiten und hierdurch den religiösen Sinn wecken soll. Herr M. A. Fürst. Sohn des allgemein verehrten Rabbiners der Adaß Jisroel (Schiffschul) behandelte in fesselnder geistreicher Weise die Geschichte und Thätigkeit des französischen Synhedrions. Das zahlreiche Publikum lauschte mit gespannter Aufmerksamkeit dem einstündigen Vorträge und rauschender Applaus lohnte den Vortragenden sowohl als den Vorredner. Hochbefriedigt verließen wir die Versammlung in dem Bewußtsein, an der Gründung eines wirklich nützlichen Werkes mitgethan zu haben. Das Veih-Hamidrasch „Thora-Ez-Chajim" hielt dieser Tage seine 42. Generalversammlung, bei welcher mit Genugthuung festgestellt werden konnte, daß diese Schöpfung des v“: picn Rabbi Salomon Spitzer aus kleinen Anfängen zu einem mächtigen Ez Chajim erstarkt ist. S ch w e i z. Zürich, 3. Febr. (Der neue Rektor der hiesigen Universität.) Wie bekannt wird, ist zum Rektor der Universität Zürich der Professor der Jurisprudenz Dr. Georg Cohn gewählt worden. Herr Professor Cohn, der von Heidelberg nach Zürich berufen worden, entstammt einer sehr bekannten Breslauer Gelehrtenfamilie. Er ist ein Bruder des berühmten Breslauer Augenarztes Professor Hermann Cohn. Frankreich. Paris, 9. Febr. „Der Zug des Herzens ist deS Schicksal Stimme." Vorgestern habe ich plötzlich den Entschluß gefaßt, einen befreundeten Herrn zu besuchen,- der eine große Firma leitet und in Folge dessen den ganzen Tag vielbeschäftigt ist. Ich finde diesen Herrn im Kreise seiner Familie vor einem offenen Talmudbande. Es ist Peßachim. Rach einer herzlichen Begrüßung sagte er mir: „Ich glaube Ihnen den besten Empfang dadurch zu bereiten, daß ich Ihnen Vorschläge, mit mir ein wenig zusammenzuarbeiten." Ich willige selbstverständlich freudig ein, und.wir beginnen eifrig unser Studium. Eine wunderthätige Kraft wohnt diesen alten, ehrwürdigen Worten inne, und ein unbekannter heiliger Zauber weht aus diesen Sätzen. Man vergißt -gar bald der Menschheit Bosheit und die „steigende und fallende Welle des Glücks." Geläuterten Sinnes und reines Herzens wird man auf den Flügeln der Begeisterung in jene Welt hineingetragen, wo nur das Schöne und Gute herrscht. Mein Freund und ich setzen unsere Arbeit fleißig fort. Und ich denke an meines Lebens goldenen Morgen, der von der Mutterliebe zarten Sorgen bewacht und den ich unter des Vaters Leitung diesen ehrwürdigen Talmudstudien gewidmet habe. Später habe ich im jugendlichen Uebermuth mir oft gesagt, nun habe ich durch meinen Vater so viel Zeit verloren! Jetzt sehe ich meinen großen Jrrthum und auch das große Unrecht ein, das ich einem Manne gethan, der nur Anspruch auf meine grenzenlose Dankbarkeit hat. „l/eri-eur cku eommeneemeut ienä plus weiitoiie la v6rit6 de la fin“, sagte ein großer französischer Dichter, dessen hundertjährigen Geburtstag ganz Frankreich und auch die ganze gebildete Menschheit bald feiern werden. Und unter dem Eindruck dieser Gefühle gebe ich meinem Freunde das Versprechen, von diesem Tage ab täglich mindestens für eine Stunde zu diesen alten, ehrwürdigen Bänden zuruckzukehren, die man wegen der Fülle und des Reichth'mns ihres Inhaltes so schön mit dem Meere verglichen hatte. Wenn ich daran denke, daß ich ganz Homer im Urtext

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