Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 12-13 (13.2.1902)
- Date
- 1902-02-13
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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284 auswendig weiß, während so viele Stellen aus dem Schriftthum meines eigenen Volkes mir unbekannt sind, so bin ich weit davon entfernt, mich über meine Homerkenntnisse zu freuen, ich empfinde vielmehr, eine tiefe Scham über die großen Lücken in meinem jüdischen Wissen, die es aber jetzt auszufüllen gilt. Es kann nicht oft genug wiederholt werden, daß für die harmonische Bildung eines Juden die Kenntniß der jüdischen Geschichte und Litteratur, zu deren wesentlichen Bestandtbeilen selbstverständlich auch der Talmud gehört, eine conditio sine qua non ist. Ich kenne sehr viele Juden, die mit Leichtigkeit eine lateinische und griechische Dissertation verfertigen werden, die aber nicht fähig sind. auch nur zwei Zeilen in hebräischer Sprache niederzuschreiben und von der rabbinischen Litteratur selbstverständlich nicht die geringste Ahnung haben. Ich scheue mich nicht, zu erklären, daß ich weit davon entfernt bin, diese Herren trotz ihrer großen Gelehrsamkeit als vollkommen gebildete Männer zu bezeichnen, denn der ist ungebildet, der seines Volkes Sprache, Geschichte und Litteratur nicht beherrscht. - - Pi. Vermischtes. Berlin, H, Febr. (Der Antise in it Böckler ist geflüchtet.) Der Redacceur der Staatsbürger-Zeitung. H. O. Böckler, hat sich mehrfach gegen ihn erhobenen Beleidigungsklagen durch Ausbleiben von den V rhandlungsternrinen entzogen: in der letzten Klagesacke war auch schon seitens de3 Gerichts der Erlaß eines Steckbriefes in Erwägung gezogen worden. Wie die Antiscm Corresp. jetzt mitthcilt, hat Böckler seine Nedaetionsstellung bei der Staarsb.-Ztg. aufgegebcn und seinen W o h u si tz u a di Wien verlegt. S:ine genaue Adresse nt für Die. welche es interessüt: Wien VIII, Laudongasse 10. Strahl»urg. Den rorhen Adlerorden IV Klasse erhielt Herr Oberrabbiner Ury aus Stratzburg ^ydtkuhnen, 0. Febr. Die diesige alte, jüdische Speditions-Finna D. Segall expedirte am Donnerstag drei Packete Zobel-Felle ob Rußlano, im Gewichte von 60 Psd. und. dem hohen Werwe von 135.000 Mk. (also 15.000 Mk. pro Packet) nach Leipzig. Bon Lcipfig gehen diese so werthvollen Felle nach London zu den Krönungs-Feierlichkeit n. Dieselbe Firma expedirte vor Kurzem auch fünf große Kisten NettungS-Genenstände ab Rußland, bestimmt für den rust. Kreuzer „Askold* in Kiel. Algier, im Februar. Der. frühere Antlsemitcnhäupt. ling Max Negis hat in einem Briefe dem Präfekten mitethcilt, daß er seine Demission a s Gencralrath gebe. Negis ürste jetzt politisch ganz abgewirthschaitet haben. Juristischer Beiralh des „Israelit/ Untere Abonnenten «rtzalt«» nnentseltliche Auskunft in alle« Recht»« n gelegen hei len. Abonnementvquittung ist gcfl. beijutegen. Auch wolle man angeben, ob man die Anfragen brieflich ober im Blattt« beantwortet ju haben wünscht. Die Anfragen werde» oon einem bedeutenden Juristen eingehend beantwortet. F. in 51.: Nach den gesetzlichen Vorschriften konnte der dem Rabbiner.im Jahre 1894. von der Behörde ertheilte DiSpenS nur ein vorläufiger sein, was ln dem Bescheid doch wohl auch zum Ausdruck gekommen sein wirb. Der DkspenS ist aber nach Ihren Mittheilungen wegen der Mangelhastigkeit der Vorbildung des Rabbiners enheilt. es ist deshalb «ich: ersichtlich, wie ir mit der Wahl eines endgiltige» Kultus zusammenhängt. Brieskasten Ser rrredaction. L. R. in I.: Am 16. Adar T, also Sonntag, 23. Februar, höre man auf Kaddisch zu saaen. S. in B.: Das ital. Wort .Ghetto* ist nur für Iudeuoicrtel gebräuchlich, wenn Czerny dieses Wort sür das Ehinesenviertel in San Franzisco anwcndet, so ist das doch nur ia übertragenem Sinne. W. in N.r Die Anccdote von „Zwischen Klippen und Kol Nidre* stammt von dem Begründer dieser Blätter: vcrgl. dessen Broschüre: .Die Abschaffung dcs Kol Nidre*, Mainz. 1862, Le Noux'sche Hosbuchhandlung. A. St. i» A.: Besten Dank, aber das Räthscl stand bereits zu Beginn der achtziger Jahre in unsrem Blatte. Dr. C. (0. in New-Bork: lieber die jüdischen Grab steine in Ulm finden Sie Ausführliches in folgenden Werken: l. Die Verhandlungen des „Vereins sür Kunst und Alter thum in Ulm und Oberschwabeu". 16. Veröffentlichung, Ulm 1865, enthalten einen sehr ausführlichen Aussatz darüber, von Oberstudienrath Dr. Häßler. Weiteres darüber ist zu finden in 2. Löwen« ein. ..Geschichte der Juden am Bodeusee* S. 110; 3. in Geiger. ..Jüd Zsschr."; 4. Nübling. „Die Jud.ngemeinden des MA. insbes. d:e Judengem. der Reichs stadt Ulm"; 5. Preßel, „Geschichte der Juden in Ulm," Anhang I. Die Haßler'sche Arbeit ist ohne Nachprüfung und gründliche Correkmr wissenschaftlich nicht zu verwerthen. Dr. W.r Fragliche Anstalt genießt in Bezug auf Kasch rus kein Vertrauen. Für den folgenden Theil ist die Redaction nicht verantwortlich: Wiesbaden. 10. Febr. Das seit fast 30 Jahren in Bingen a. Nh. bestehende Tochter-Pensionat von G e s ch w i st e r S o b e r n h e i m ist vor einigen Monaten hierher nach Wiesbaden verlegt worden. Wir batten kürzlich Gelegenheit, die neu erbauten, schönen Räume des Pensionats in Augenschein zu nehmen, die vor * allem jedweden hygienischen Ansprüchen entsprachen, sowohl was Wohn- und Schlasräume, wie auch Speise- und Schulzimmer anlangt. Das Haus ist in einem neuen, komfortabeln Stadtviertel gelegen, von allen Seiten frei, mit großen Gärten, Veranda und Lauben, die auch den Aufenthalt in freier Lust bei schlechtem Wetter ermöglichen. Erziehung und Unterricht sollen nach den alten Prinzipien, die das Pensionat auch früher weithin bekannt machte, rveiter geleitet werden. Die Leitung ist eine streng rituelle. Nach allem glauben wir. daß das Töchter-Pensionat hier eine große Zukunft hat. umsomehr, als hier in Wiesbaden doch mehr Anregung in Kunst und Wissenschaft geboten wird und die Verlegung nach Wiesbaden einein Bedürfnisse entsprach.