Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 12-13 (13.2.1902)
- Date
- 1902-02-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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378 uiiter diesem litterarischen Nachlasse Lipkins ist wohl die Abhandlung über gemeinsames Talmudstudium durch Stoffvertheilung <D'B>n npibn). Diese Abhandlung stellt gleichsam eine „Methodik" des Talmuds dar und trägt die Ueberfchrift: -rcrr rnm ickd. Auch dieser litterarische Nachlaß letzter Hand scheint gleichfalls noch ungedruckt geblieben zu sein. EmilBenjamin. .Halberstadt, 9. Febr. Heute wurde Herr Rabbiner Dr. Isaak Auerbach. Leipzig, der Sohn unseres unvergeßlichen Rabbi Selig Auerbach s. A. einstimmig zum Rabbiner der hiesigen Gemeinde gewählt. Wir sind beglückt, daß das Rabbinat unserer altehrwürdigen Gemeinde, das seit Jahrhunderten die hervorragendsten Männer der Geisteswelt Israels schmückten, in solch würdige Hände gelegt ist. Möge der dritte Auerbach lange glückliche Jahre als Halberstädter Rabbiner im Sinne seiner großen Vorfahren segensreich wirken.. München, 9. Febr. Sofort, nachdem Dr. Heim seinen Antrag in der Abgeordnetenkammer eingebracht hatte, daß jüdische Richter nur im Verhältniß der Konfesiion zur Bevölkerung verwendet werden sollen, wurde in der „Franks. Ztg." die Regierung darauf aufmerksam gemacht, daß das Centrum noch weitere lonfesiionelle Konsequenzen ziehen werde, wenn man hier nachgebe. Heute ist das bei dem Kapitel „Bezirksämter" in der Abgeordnetenkammer schon bestätigt worden. Abg. Göller vom Centrum verlangte, daß bei Ernennung von Beamten auf die Konfession der betreffenden Gegend Rücksicht genommen werde. Sieht die Kammer der Reichsräthe jetzt vielleicht ein, welche Ungeschicklichkeit sie mit ihrem Wohlwollen für den Antrag Dr. Heim begangen hat? München, 31. Jan. Der „Verein jüdischer Studenten" hat in diesem Semester mit dem schon lange geplanten jüdischen Geschichtskurs begonnen. Die Leitung dieses Kurses, der Sonntag Früh 11—12 Uhr, im Vereinslokal, „Kaffee Bavaria." Weinstr. 5 I, stattfindet, hat Herr Dr. jur. Kahn in liebenswürdiger Weise übernommen. Zu demselben haben auch Gäste Zutritt. Aus dem Ober-Elsaß. Gelegentlich der im letzten Sommer stattgefundenen Synagogeneinweihung in Sierenz beschlossen, einer Anregung des Herrn Rabb. Dr. Schüler, Hegenheim, folgend, die dort versammelten Cantoren der Rabbinate Hegenheim und Sierenz' zu einem Vereine zusammenzutreten. Zwei ebenfalls anwesende Kollegen aus dem Rabbinate Rixheim erklärten sich mit unserem Vorhaben einverstanden und versprachen, sofort nach Gründung desselben beizutreten. Der Verein trat im August des letzten Jahres in's Leben. Alle 14 Tage, an den freien Sonntag - Nachmittagen, fanden regelmäßige Zusammenkünfte statt. Auf Vertiefung und Erweiterung der im Beruf erforderlichen Kenntnisse wird darin das Hauptgewicht verlegt. Darum widmen wir der Wiederholung der nttTp ’jn und der Durchnahme des “pp fnte den größten Theil der uns zur Verfügung stehenden Zeit. Daneben wird auch der gesanglichen Weiterbildung einige Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn dann noch weiterhin, was wir beabsichtigen, die Ausarbeitung und Abhaltung von Lehrproben auf dem Gebiete des Religionsunterrichts hinzutreten wird, so werden die segensreichen Erfolge unseres Vereins nicht nur an seinen Mitgliedern sichtbar sein, die in den Sitzungen ausgestreute Saat wird auch im Gemeindeleben Vlüthen und Früchte tragen. Nicht versäumen wollen wir aber, den Herren Rabbinern Dr. Schüler. Hegenheim und Levy, Sierenz, unter deren Leitung unsere Sitzungen stattfanden, an dieser Stelle unseren wärmsten Dank auszusprechen. Leider ist Herr Rabb. Levy durch seinen Gesundheitszustand gezwungen, den Winter im Süden zu verbringen. Möge er dort die ersehnte Heilung finden. E. S. Ungarn. Budapest, im Febr. Der „Juristenball." der unter antisemitischen Auspizien arrangirt wurde, hat am 2. dss. Mts. staitgefunden. Das in früheren Jahren so glanzvoll abgehaltene Karnevalsfest ist entschieden mißlungen. Die Minister. Aristokraten und die Ladies- Patronesses waren wohl erschienen, aber das eigentliche Publikum, das sonst den hauptstädtischen Redoutensaal 311 füllen pflegte, fehlte. Die „Herren Juden" sammt ihren Damen, die sonst auf diesem Balle die Ässimilaiion kultivirten, haben sich bis auf einige verschämte Ausnahmen — in den Schmollwinkel zurückgezogen und sind nicht erschienen. Aber auch die 1200 Arran geure, die gewiß nur aus Versehen keinen jüdischen Rechtsanwalt in's Komitee hineinließen, haben sich nur sehr spärlich eingefunden. Zum Faschingsfest des israelitischen Frauenvereins wollen sie aber vollzählich erscheinen und die empfindlichen Juden und Jüdinnen v e r s o h n e n. Freue Dich. Israel, das Assimilationswerk wird weiter ganz flott fortgesetzt werden! Uerfonatte«. Windecken, 11. Febr. Am 2. Februar feierte Fräulein Jeanette Rose in Guxhagen ihren 90jährigen Geburtstag. Dieselbe ist am 2. Februar 1812 in Niedenstein. Kreis Fritzlar, geboren, kam im Jahre 1860 in das Haus ihres vor wenigen Jahren verstorbenen Vetters Daniel Katz 11.. Guxhagen, wo sie auch heute bei dessen Sohne Israel Katz weiter in voller Rüstigkeit wirkt. Im Kreise der Familie beging sie in der animirten Stimmung einer 18jährigen ihren Geburtstag und wurde von den Kindern des verstorbenen Daniel Katz reichlich beschenkt.