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Der Israelit · 1902-02-06 · Heft 11 (6.2.1902) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 11 (6.2.1902)
Date
1902-02-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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halten. In einem einzigen Falle habe Alexander von Humboldt vergebens das ganze Gewicht seiner Fürsprache Aufgeboten; das war. als er von der Regierung die Erlaubniß erwirken wollte, daß Heinrich Heine nach Berlin kommen dürfe, um für sein entsetzliches Rückenmarkleiden bei einer hervorragenden medizinischen Autorität Berlin's Heilung zu suchen. Heine hatte so viele Preßsünden auf dem Kerbholz, daß die Regierung in diesem Falle unerbittlich blieb. Bis in's höchste Greisenalter bewahrte Alexander von Humboldt dem Judenthum in unvermindertem Maße Zuneigung und Wohlwollen; auf diesen nimmer ermüdenden Streiter für die höchsten Ideale der Menschheit, für Gerechtigkeit und Nächstenliebe, auf diesen für unsere Emanzipation bahnbrechend wirkenden Kämpfer seien — so führt Redner aus — mit Fug und Recht die Dichtworte anwendbar: „Es glühte seine Wange roth und röther Von jener Jugend, die uns nie entfliegt. Von jenem Muth.der früher oder später Den Widerstand der stumpfen Welt besiegt, Von jenem Glauben, der sich, stets erhöhter. Bald kühn hervordrängt, bald geduldig schmiegt. Damit das Gute wirke, wachse, fromme. Damit der Tag dem Edlen endlich komme." Ungarn. Budapest, 4. Febr. Auf eine Interpellation des Grafen Johann Esterhazy im Magnatenhaus wegen Einwanderung galizischer Juden nach Oberungarn und deren schädliche Einwirkung auf die dortigen wirthschaftlichen Verhältnisse, erklärte der Ministerpräses Szell, die Regierung stehe auf dem Standpunkte, bei der Prüfung der wirthschaftlichen Zustände nicht darauf zu sehen, weß Glaubens Jemand sei. Die Regierung werde gegen Einwanderer unverläßlicher Elemente gesetzliche Verfügungen treffen, ohne Rücksicht aus konfessionelle Zugehörigkeit Derjenigen, welche die wirthschastlichen Verhältnisse schädigen und sie werde den Nothleidenden in Qberungarn zu Hilfe kommen, ohne zu fragen, in welchem Gotteshaus jemand seinen religiösen Pflichten Nachkomme. Frankreich. Paris, 3. Febr. Als Herr Revoil zum Gouverneur von Algier ernannt wurde, haben einige Blätter mit vollem Recht ihr Bedauern lebhaft darüber ausgedrüät, daß die Regierung diesen verantwortungsvollen Posten nicht Herrn Lutaud anvertraut hat, einem Manne, der die Zustände Algiers vorzüglich kennt und der wiederholt bewiesen hat, daß er energisch gegen die in Algier allmächtigen Antisemiten einzuschreiten versteht. Indessen hat man die Hoffnung ausgesprochen, daß Herr Revoil den republikanisch-freiheitlichen Grundsätzen getreu eine Politik des Friedens und der Versöhnung wählen und die Hetzer, die nur Krieg und Haß predigen, mit aller Kraft bekämpfen wird. Leider hat Revoil die auf ihn gesetzte Hoffnung nicht erfüllt. Gleich nach seiner Berufung zu diesem so hohen und bedeutenden Amte hat er zu seinen unmittelbaren Mitarbeitern Männer gewählt, die als wüthende Antisemiten bekannt sind. Welch' eine grobe Verletzung der Neutralität, die eine taktvolle Regierung unbedingt in solchen Fällen streng wahren muß. Die Antisemiten haben diese Ernennung Revoil's als Ermunterung aufgefaßt und die politische Lage der Juden Algiers hat sich noch verschlimmert. Die Früchte dieses taktlosen Betragens Revoil's sehen wir klar und deutlich in diesem Augenblicke. Drumont, der bekanntlich Algier in der französischen Deputirtenkammer vertritt, befindet sich jetzt in seinem Wahlkreise, um seine Wiederwahl vorzubereiten. Und da sehen wir jeden Tag ganz skandalöse Vorgänge, wo die Juden Algiers in der schmutzigsten Weise beschimpft und verleumdet werden, ohne daß man daran denkt, diesen Ungeheuerlichkeiten ein Ende zu sehen. Wie selten auch die niederen Polizeibeamten gegen die antisemitischen Hetzer und deren pöbelhaftes Betragen einschreiten, wenn sie wissen, daß der Gouverneur, ihr oberster Chef, ausgesprochene Anhänger Drumont's zu Freunden und Berathern hat! Die ganze republikanische Presse ist entrüstet über das unwürdige Verhalten Revoil's. und in unzweideutiger Weise hat man ihn daran erinnert, daß er seine Pflicht ganz falsch verstehe; er gehöre einer liberalrepublikanischen Regierung an. er habe die Aufgabe, diesen Grundsätzen zu dienen und, wenn es ihm nicht gefalle, so — portae patent — die Thüren sind offen! Der „Antijuif," ein Schmutzblatt ersten Ranges, vertheidigt selbstverständlich Herrn Revoil. Der Gouverneur soll aber selbst eingesehen haben, daß seine Stellung unhaltbar ist und er soll die Absicht haben, sein Abschiedsgesuch einzureichen. Tant mieux. Wir werden Herrn Revoil ohne Bedauern scheiden sehen. - . Pi. vermischtes. Frankfurt a. M. Wenn cs für Rervenleidende uou besonders großer Wichtigkeit ist. büß jeder erregende äußere Einfluß fern gehalten wird, so entspricht dieser Forderung in bobem Maße das ..Sanatorium für israel. Nervenleidendein Frankfurt a. M.-Bockenbeim, das der Leitung des bekannten Frankfurter Arztes Dr. E. Rosenbaum unterstellt ist. Am Fuße des Taunus, direkt an dem hübschen schattigen Biegwald gelegen, vereinigt diese Anstalt alle die Vorzüge» die ein Lanoansentbalt bieten kann, mit den Annehmlichkeileit der Großstadt. Die Anstalt selbst ist koufor» tabel eingerichtet. Die Beaufsichtigung und die Pflege liegen in durchaus' bewährten und zuverlässigen Händen. Daß allerstrenastes .Uaschrus obwaltet und alle Fleischsachen nur von unter Aussicht streng orthodoxer Rabbiner stehenden Metzgern bezogen werden dürfen, ist gewiß für viele cm nicht zu unterschätzender Vorzug. Denn wohl gar manchen, der luU in einer solch schweren Lage befindet. ist es eme große Genugthnung. sich auch bezüglich der rellgiösen Pflichten wohl geborgen jn wissen.

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