Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1902)
- Date
- 1902-02-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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253 sohn war Musiktheoretiker ersten Ranges, ein berühmter Klavierpädagogc und auchan der neuen Leipziger Synagoge thätig. — Ein entsetzliches Verbrechen ist an der ruffischen Grenze verübt worden. Der auch in Ostrowo sehr bekannte Bankier Wolf Cohn aus Kalisch hatte sich vor etwa 14 Tagen aus seiner Wohnung entfernt, ohne in dieselbe zurückzukehren. Alle Nachforschungen nach seinem Verbleib blieben erfolglos. Eine Absuchung der Prosna innerhalb des Schleusenaebieies förderte ebenfalls nichts zu Tage. Nunmehr hat ein Schisser in Prosnawasser bei Kirchdorf einen zugenähten Sack gefunden, in welchem sich die Leiche des Vermißten befand. Dieselbe war stark zerschlagen. Vermuthlich liegt ein R a u b mo r d schwerster Art vor... Auf die Auffindung des Ermordeten hatten seine Angehörigen eine hohe Belohnung ausgesetzt. Der Ermordete war 64 Jahre alt. — Zum Stadtverordneten - Vorsteher der Polenstadt W r e s ch e n wurde Rechtsanwalt P e y s e r gewählt. — In Kätscher, Oberschlesien, starb Frau N e i s s e r im Alter von 93 Jahren. — InBeuthen kam es anläßlich eines Vortrages eines freireligiösen christlichen Predigers aus Breslau bei den Beifalls- und Mißfallenskundgebungen zu Reibungen zwischen den israelitischen und katholischen Zuhörern. Es wäre dringend zu wünschen, daß von derartigen religionsfeindlichen Vorträgen sich Juden streng fernhaltcn, und keinesfalls in Dingen, die sie nichts angehen, Partei ergreifen. — In Breslau sind unlängst eine Reihe jüdischer Studirender zur christlichen Religion übergetreten. Man erkennt den Segen, den die „Vereine jüdischer Studenten" durch Verbreiten jüdischer Wissenschaft und jüdischen Ehrgefühls stiften können. Bcuthcn O.-T., 3. Febr. Während der Ausübung seiner Militärpflicht bei der 3. Escadron des 2. Schles. Dragoner-Regiments (König Friedrich III.) Nr. 8 hatte der Geschäftsführer Salo Vrinitzer aus Beuthen in Ober-Schles., von der Firma Conrad Tack u. Cie. in seiner Eigenschaft als Escadronsschreiber im Jahre 1883 die Ehre, dem damaligen Premier-Leutnant und Escadronsführer in Bernstadt in Schlesien, Freiherrn Schalscha von Ehrenfeld, die Allerhöchste Kabinet.ordre zu überreichen, welche die Beförderung des Premier-Leutnants zum Rittmeister und Escadrons-Chef enthielt. Seitdem sind 19 Jahre verflossen, ein Zeitraum, in welchem der Rittmeister, ein sehr befähigter Offizier, auf der militärischen Stufenleiter allmälig zum Obersten aufgerückt und Kommandeur desselben Regiments in Oels in Schlesien geworden ist. Auf dem Manöverfeld bei Gleiwitz im August v. I. hat der Oberst seinen ehemaligen Escadrons-Schreiber, nachdem er denselben unter den Zuschauern wiedercrkannt und seinem Adjutanten vorgestellt hatte, durch eine längere Ansprache ausgezeichnet und jetzt seine Photographie mit entsprechendem Begleitschreiben, sowie kurz vorher ein Exemplar der Geschichte des 8. Dragonerregiments dem Geschäftsführer Brinitzer als. erneuten Beweis seiner Werthschätzung zugehen lassen. Ruhrort, 3. Febr. Der Vorstand der Synagogengemeinde Hierselbst hatte den Prokuristen Ludolf Adler mit 176 Mk. für die Jahre 1898—99 und 1899—1900 nach der Hälfte seines Einkommens zu den Synagogenbeiträgen herangezogen. Adler selbst ist Dissident, seine Ehefrau gehört der jüdischen Religion an, während seine Kinder in der christlichen Religion erzogen werden. Nach fruchtlosem Einspruch erhob Adler Klage und behauptete, der Vorstand der Synagogengemeinde habe kein Recht, ihn zu den Synagogenbeiträgen zu veranlagen, da er der jüdischen Religion nicht angehöre, seine Ehefrau und Kinder benutzten ebenfalls die- Einrichtungen der Synagogengemeinde nicht. Der Synagogenvorstand erklärte, es habe sich eine Observanz gebildet, wonach die nichtjüdischen Ehemänner von Jüdinnen mit dem halben Einkommen zu den Synagogenbeiträgen herangezogen würden; in Köln, Krefeld, Düsseldorf u. s. w. würde ebenso verfahren. Der Bezirksausschuß entschied jedoch, wie berichtet wird, auf Freistellung, da die behauptete Observanz sich nicht gebildet habe. Das Oberverwaltungsgericht entschied ebenfalls zu Gunsten von Adler und bestätigte die Vorentscheidung. München, 3. Febr. Herr Schriftsteller Dr. A. K o h ü t - Berlin, der als verdienstvoller Historiker, wie als gewandter Redner einen wohlklingenden Namen besitzt, rechtfertigte denselben auch wieder gelegentlich eines von ihm am 30. Jan. im hiesigen „Verein für Jüdische Geschichte und Litteratur" gehaltenen Vortrags über „Alexander von Humboldt und das Judenthum." In anschaulicher, lebendiger Schilderung entrollte der Redner ein fesselndes Bild des großen Mannes, der nicht allein als Gelehrter, Forscher und Staatsmann, sondern auch als Streiter für Wahrheit und Gerechtigkeit sich unvergängliche Verdienste erworben. Durch seine Beziehungen zu hervorragenden jüdischen Zeitgenossen, wie zur Familie Mendelssohn u. A. lernte er das Judenthum, seine Lehre, seine geistigen und sittlichen Schätze gründlich kennen und lieben; als wahrhaft erleuchteter, auf den Höhen lauterster Bildung stehender Geist kämpfte er unter zwei Königen zu Gunsten der Juden für Wahrheit und Gerechtigkeit, bald mit den wuchtigen Waffen des unerschrockenen Besiegens veralteter Vorurtheile, bald mit dem graziösen Floret des. hochbegabten, weltgewandten Diplomaten. Durch Vorführung zahlreicher Fälle, in denen dieser Edelmann im besten Sinne des Wortes bald einzelnen Gliedern des Judenthums, bald dem Gesammt-Judenthum unschätzbare Dienste erwiesen, legte der Vortragende klar, in welch hohem Grade das Letztere Ursache hat, den Namen Alexander von Humboldt zu allen Zeiten als einen gesegneten und segenwirkenden hochzu-