Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 11 (6.2.1902)
- Date
- 1902-02-06
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449807--55298-2517917- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
351 einziger getaufter und nichtgetaufter Jude. Im Verhandlungssaale, an der Urne und in gewissen Körperschaften muß man sie noch dulden, diese semitischen Aufdringlinge, aber im Ballsaale der Kavaliere ist für sie kein Raum. Run werden unsere Rechtsanwälte wenigstens nicht sagen können, daß diese etwas unsanfte Zurü ck - setzung die „gesetzestreuen Juden angeht." Die Adresse ist deutlich genug geschrieben. Wenn sie aber vom jüdischen Schriftthum eine Idee hätten, könnten sie mit Wehmuth ausrufen btti nbvo vb i2'N'2 j*k a’pnsn nie?: „Run haben wir weder die Wollust der Frevler, noch die veredelnden Leiden der Gereckten!" Dr. Th. L.. Advokat. Zeitungsnachrichten unv Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 4. Febr. Die „Königsb. Hart. Ztg." schreibt: Behufs Gründung einer Organisation des „Hilfsvereins der deutschen Juden" für die Provinz Ostpreußen fand unter dem Vorsitz des Herrn Stadtrath Magnus gestern Vormittag 12 Uhr im Artushofe eine von ihm, den Herren Konsul Litten und Bankdirettor George Marx einberufene Versammlung statt. Nachdeni der Vorsitzende für das zahlreiche Erscheinen gedankt, gab derselbe einen kurzen lleberblick über die Geschichte der Gründung der Organisation und ertheilte darauf dem Referenten. Herrn Dr. Paul R a t h a n - Berlin, das Wort. Dieser führte in seinem mit großem Beifall aüfgenommenen Vortrag aus, daß die Schaffung einer Organisation der deutschen Juden eine unumgängliche Rothwendigkeit sei, um den bedrängten Glaubensgenossen jenseits der Grenzen in rationeller Weise helfen zu können, hier durch die Eröffnung von Arbeitsmöglichkeiten, und dort, wo es zweckmäßig erscheine, durch Gründung deutscher Schulen die Geistesbildung derselben zu heben. Aehnliches werde im umfassenden Rahmen von der „Alliance Jsraelite Universelle" in Paris, der „Anglo Jewish Association" in England und von der „Israelitischen Allianz" in Wien erstrebt. Daß die deutschen Juden bei diesen Bestrebungen nicht fehlen dürften, sei Ehrenpflicht. Diese würden, wo es nothwendig erscheine, mit jenen großen Vereinen zusammen, sonst aber selbstständig Vorgehen. Während der wenigen Monate des Bestehens des Vereins wurden bereits 10 000 Mark der „Alliance Israelüe Universelle" als Beihilfe für die Errichtung von Vorschußkassen in Rumänien zur Verfügung gestellt und weitere 10 000 Mark zur Entwickelung von Hausindustrie in Galizien bewilligt. Der Vortrag endete mit dem Wunsche, daß auch in Ostpreußen und insbesondere in Königsberg, wo sich der Sinn für humanitäre Bestrebungen stets bethätigt habe, die Organisation Boden gewinnen möge. Rach einer kurzen Diskussion schloß der Vorsitzende die glänzend verlaufene Versammlung. In die ausgelegten Listen zeichneten sich sogleich eine große Anzahl der Anivesenden mit namhaften Beiträgen ein. . Am Mittwoch, den 29. Januar, fand in Danzig eine Versammlung statt, zu welcher die Herren Sims o n und D a v i d s o h n die Einladung hatten ergehen lassen und zu der aus der Stadt Danzig und der Provinz zahlreiche Theilnehmer erschienen waren. Herr Simon eröffnete die Versammlung und ertheilte Herrn Dr. P. Nathan aus Berlin das Wort zu einem Referate über die Ziele des „Hilfsvereins der deutschen Juden." An dieses ausführliche Referat schloß sich eine lebhafte Diskussion an, in welcher die verschiedenen Zweige der Thätigkeit des Hilfsvereins unter allen Gesichtspunkten kritisch beleuchtet wurden. Das Resultat der ausgedehnten Diskussion war die Annahme folgender Resolution: „Die Versammlung nimmt von der Gründung des Hilfsvereins deutscher Juden zustimmend Kenntniß, hegt die Hoffnung, daß er mit der „Alliance Jsraelite Universelle" im Verein mit der „Anglo Jewish Association" und der „Israelitischen Allianz" in Wien in engster Fühlung und Sympathie Zusammenarbeiten wird zum Segen unserer Glaubensgenossen. Die Versammlung spricht den Wunsch aus, daß die Thätigkeit des Hilfsvereins sich auch insbesondere auf Galizien und Rumänien erstrecke. In diesem Sinne wird der Hilfsverein voll Sympathie begrüßt." Kattowih, im Jan. Die Versammlung, welche der „Oberschlesische Rabbinerverband" in.Zabrze abhielt. war reich an anregenden Momenten. Der Vorsitzende, Rabbiner Dr. C o h n - Kattowitz, eröffnete die Sitzung und begrüßte die Anlvesenden. Rach Eintritt in die Tagesordnung wird zunächst der bisherige Vorstand, und zwar Rabb. Dr. Cohn-Kattawitz, als Vorsitzender und Rabbiner Dr. Münz-Gleiwitz als stellvertretender Vorsitzender auf die Dauer von weiteren drei Jahren gewählt. Hierauf theilte Dr. Cohn mit, daß in dem Hamburger „Jsr. Familienblatt" (1901. Nr. 25) der „Oberschles. Rabbinerverband" wegen seiner angeblich unfreundlichen Stellung zu den Lehrern in völlig unbegründeter Meise angegriffen worden sei. Einer dagegen vom Vorstande des Rabbinerverbandes an das „Familienblatt" eingesandten Erklärung sei die Aufnahme in der fixirten Fassung verweigert worden. Diese Erklärung habe aber in unveränderter Form in der „Jüd. Presse" (1901 Nr. 19) Aufnahme gefunden. Die Versammlung ist überein-