Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1902)
- Date
- 1902-02-03
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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243 anzuschließen. Er werde wieder im politischen Kamps eine schneidige Waffe führen. Da ein Friede jedoch nicht möglich sei. verkünde er „Krieg auf Erden, bis der Sieg errungen sei." : Berlin, 27. Jan. Der ..Ausschluß der Juden vom Offizierkorps" erstreckt sich sogar auf den Sanitätsdienst, obwohl ein Zusammenhang zwischen Konfession und medizinischer Tüchtiakeit erst noch bewiesen werden soll. Nach einer im preußischen .Kriegsministerium aufgenommenen Statistik gibt es im Heere gegenwärtig im Ganzen nur drei aktive jüdische Militärärzte: einen Generakoberarzt, einen Oberstabsarzt und einen Stabsarzt. Das sind 0,23 pEt. aller aktiven Militärärzte. Unter den Militärärzten des Beurlaubtenstandes sind 610 oder 30,12 pCt. jüdische Sanitätsärzte und von den Unterärzten sind 384 oder 24,84 pEt. Israeliten. Angesichts dieser Zahlen muß man sich daran erinnern, daß seit Jahren Klage geführt wird über allzu große Lücken im Bestand des Sanität soffizierkorps.— Anst Norddeutschland. Gestatten Sie mir, verehrliche Redaktion, noch einige Worte über die Kölner Vorgänge. Obgleich bereits ein Artikel in diesen Blättern gestanden hat. möchte ich nur noch auf Einiges aufmerksam machen. Zuerst nämlich auf die Einleitung in der „Zeitg. d. Judenth.". Da kommt der wenig anständige Ausdruck vor von „dieser sauberen Koalition" u. s. w. Ich glaube kaum, daß dieser Ausdruck salonfähig ist. Fast denkt man sich darunter eine Gesellschaft des Auswurfs der MenschlM. Die Neologen, die ja das alleinige Anrecht auf Bildung haben möchten, kennen nicht einmal die ersten Regeln der Höflichkeit. Aber der nächste Satz gibt uns schon Aufklärung darüber, denn die Fortsetzung lautet: „die ja auch bei den letzten Berliner Gemeindewahlen den Sieg davongetragen hat." Hine illae lacriaiae Der Berliner Wahlsieg ist es. der der „Ztg. d. Judenth." und ihren Kumpanen schwer im Magen liegt. Nun, wenn einer im Aerger ist, dann pflegt er seine Worte nicht auf die Goldwage zu legen. Wir werden also der Redaktion großmllthig Verzeihung gewähren. Und nun zu den Vorgängen selbst. Herr Dr. C. erklärt, daß die Orgel in manchen Gemeinden eingeführt sei mit Zustimmung der konservativen Elemente. Ich halte dies einfach für unmöglich, oder Herr Dr. E. müßte sich nicht klar sein , über den Begriff konservativ. Denn er wird doch nicht diejenigen^ die am Sabbat die Synagogen besuchen, und nachher nicht schnell genug in ihr Geschäft kommen können, konservativ nennen wollen?! Gehen wir aber zur Rede des Herrn El. über. Wir hegen einen bescheidenen Zweifel an der Fähigkeit'dieses Herrn, um auch als Theologe zu glänzen. Und das wäre ja die erste Forderung, wenn man über religiöse Dinge urtheilen will. Er meint nun, das Verlangen nach Reformen habe zu allen Zeiten bestanden u. s. w. Merlwürdiger Weise stimmt er darin ganz, vermuthlich in aller Unschuld, mit den Propheten überein. Nur ziehen diese einen andern Schluß daraus. Der Prophet Jesaias klagt: ip'w' an:» nb,s\ihit den Kindern der Fremden schmücken sie sich," und ist der Sinn des Satzes, daß sie die Sitten oder vielmehr Unsitten der anderen Völker annehmen und daher nothwendiger Weise dem Verfall entgegen gehen. Was Herr E. für erlaubt, für nachahmungswerth hält, dem ertheilt der Prophet seinen bitteren Tadel. Und daß die Orgel beim jüdischen Gottesdienst nicht verboten sein solle, das glaube ich selbst — verzeihen Sie meine Kühnheit — Herrn Dr. Frank, der nichts gefunden hat. nicht. Derselbe kennt ganz gewiß nicht den Sah der. Weisen: ''rri rrb. Im Vertrauen theile ich . dem Herrn Rabbiner mit, daß dies die vierte rutpe im Traktat erst ist, 2" pic. Und Herrn E. — er möge mir das verzeihen — traue ich noch lveit weniger Kenntniß des Talmud zu. Wie kann er nun über das Erlaubte in religiöer Beziehung urtheilen. Und da derselbe nicht im statistischen Amte angestellt ist, glaube ich auch an seine 320 Orgel-Gemeinden nicht, bis er sie mir aufzählt. — Und auf die Frage, ob wir die Männer, die durch den Antisemitismus aus der christlichen Gesellschaft ausgestoßen, aufnehmen sollen, antworte ich mit einem unbedingten Ja.. Ob wir aber alles aufbieten sollen, sie uns zu erhalten, mit Nein. Männer, die sich ihres jüdischen Glaubens geschämt haben, die alles vermeiden, was daran hätte erinnern können, um nur christlichen Umgang zu pflegen, um die sollen wir uns anstrengen und ihnen entgegenkommen, wenn sie uns jetzt ihrer Bekanntschaft für werth halten?! Wollen sie sich uns anschließen, nun gut, bekanntlich war ja auch ruabn unter dem rnvp. Und nun gar A l l e s aufbieten, was nach der Ansicht des Herrn E. ja in den weitgehendsten Konzesiionen besteht, diesen Fahnenflüchtigen gegenüber! Dazu muß doch auch die Partei des Herrn E. zu stolz sein. Wir können ja ganz sicher sein, baß sie uns schnell wieder verlassen würden, wenn nur die Christen ihre Arme öffnen möchten, um sie brüderlich an's Herz zu drücken. Uebrigens hat ja die Reform keine Grenze und Ziel. Da gibt cs Gebetbücher von ik./A.» Z. u. s. w.. die alle von unseren Gebeten gestrichen haben, der eine mehr, der andere weniger 'im ana nLi.. Deßhalb führe ich Ihnen zum Schluß, lieber an. was der größte Gesetzeslehrer zur Zeit der zweiten Zerstörung ran einem mit ihm streitenden Sadducäer sagte (Herrn Dr. F. diene hiermit zur Nachricht, damit er sich nicht vergebens bemühe, die Stelle ist erc ronje) v'v'.e a:!?e .”!?ä2 nncB»2 miTi xnn »Vi. England. London. Ein antisemitischer Richter, der seine amtliche Stellung zu judenfcindlicher Propaganda mißbraucht, hat die jüdische Bevölkerung von Dublin in