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Der Israelit · 1902-02-03 · Heft 10 (3.2.1902) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 10 (3.2.1902)
Date
1902-02-03
Page
– (sequence 12)
Language
German
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244 hohe Aufregung versetzt. Ein Jude, Namens Henry Kahn, hat einer jüdischen Geschäftsinhaberin daS Schaufenster eingeworsen. Der Richter verurtheilte ihn dafür zu einer in seinem Vergehen in keinem Verhältniß stehenden hohen Strafe von einem Jahre Gefängniß. Vorher aber wandte er sich an den Gerichtshof mit den Worten: „Würde der Kerl da auf frischer That solche Dresche bekommen haben, daß er knapp mit dem Leben davon gekommen wäre, es wäre ihm nur recht geschehen!" Ohne dann dem Angeklagten das Wort zu einer Erwiederung zu gestatten, fügte er darauf, an den Angeklagten sich wendend, noch hinzu: „Sie sind der Vertreter jener Eigenschaften Ihrer Nation und Raffe, wegen welcher Sie aus jedem Lande fortgejagt werden." Diese Aeußerung des Antisemiten auf dem Richterstuhl' hat natürlich nicht verfehlt, in ganz England großes Aufsehen zu erregen. Dr. Harris, Vorsteher der jüdischen Gemeinde von Dublin, sandte dem Richter einen sehr geharnischten Protest, dem sich in einer am 21. Jan. stattgefundenen Versammlung die ganze jüdische Gemeinde angeschlossen hat. Der Protest wurde gleichzeitig an den Londoner Board of Deputies zur weiteren Veranlassung übersandt. Im Unterhause richtete Mr. Stuart M. Samuel an den Staatssekretär von Irland unter großem Beifall der gesammten Opposiition die Anfrage, ob ihm das Benehmen des Dubliner Richters zu Ohren gekommen wäre und was er dagegen zu thun gedenke? Mr. Wyndham erwiederte jedoch, daß er nicht wissen könne, inwiefern die vorliegenden Zeitungsberichte den Vorgang richtig wiedergegeben haben. In keinem Falle vermöge jedoch die Regierung gegen den betreffenden Richter einzuschreiten.— Nebrigens ist dieser famose Richter — Sir Fred. Falkiner heißt der Edle — ein rückfälliger Antisemit. Schon im Jahre 1892 hat er sich vom Richterstuhl herab abfällige Aeußerungen gegen die Juden erlaubt. Gleich darauf beeilte er sich jedoch, diese Aeußerungen zurückzunehmen und den durch sie hervorgerufenen ungünstigen Eindruck dadurch. wieder gutzumachen, daß er in Dublin, einwandernde russische Juden nach Kräften zu fördern suchte. Jetzt ist er zu seiner alten, antisemitischen Liebe — oder richtiger, seinem antisemitischen Haß — zurückgekehrt. Sir Falkiner ist leider nicht der einzige Antisemit in Dublin. In der Hauptstadt Irlands soll es vielmehr bis auf den heutigen Tag zahlreiche- Hausbesitzer geben, die an Juden keine Wohnungen;-vermiethen.^. Rußland. .^mB*** . Petersburg. Die Hierselbst in russischer Sprache zweimal wöchentlich erscheinende jüdische Zeitung „Woschod" hat wegen vier namhaft gemachter Artikel vom Minister des Innern die erste Verwarnung erhalten. Dieselbe wird damit motivirt, daß das Blair eine „schädliche Richtung" einzuschlagen scheine. Der „Woschod" hat aber in den inkrimirten Artikeln nicht etwa die russische Regierung, sondern nur die russischen Antisemiten angegriffen, welche in Rußland allerdings eine Art Nebenregierung etablirt haben. Durch die dem Blatte dafür ertheilte Verwarnung ist aber dokumentirt worden, daß die s^mutzige Person des Geschäftsantisemiten Suworin in Rußland ebenso unantastbar ist, wie die geheiligte des Zaren. Herr Suworin hat es wirklich weit gebracht! Noch vor dreißig Jahren ein subalterner Abschreiber, der unter Diktat des jüdischen Journalisten Landau judenfreundliche Artikel niederschrieb, hat es nur durch den bloßen Antisemitismus zum vielfachen Millionär gebracht, der von seinen jüdischen Gegnern bei Gefahr einer Verwarnung nur noch mit Sammthandschuhen angefaßt werden darf! vermischtes Whstiten. Die hiesige Gemeinde sandle zum Geburtstage des Kaisers ein Dank- und Glückwunschtelegramm an ihren kaiserlichen Wohllhater. Wiesenfeld. Der langjährige hiesige Vorstand der iSrarl. Kullusgemeinde Herr Abr. Bamberger. feierte am vergangenen Sabbat das Fest seiner silbernen Hochzeit, wobei er besonders der Armen gedachte. Von einem größeren Feste sah' Bamberger seinem Charakter en'sprechend ab. A. Aus Ostiriesland, 3a. Januar. Ein jüdischer Bürgermeister dürste gewiß zu den Seltenheiten gehören. In dem Orte Harsweg Kreis Emden, ist ein Herr Cohn durch das Vertrauen seiner Mitbürger in diesem Amte »hätig Wien im Januar. Der städtische Buchhalter Eugen W ast in dem benachb rten Baden, einer der würhensten Führer der dortigen Antisemi'en. ist wegen Unterschlagung von 17 .000 Krönen aus der städtischen Kaffe vorgestern Abend verhallet worden. Auch dieser dunkle Ehrenmann, der übrigens geständig ist. hat früher laut genug gegen das ..jüdische Vrrbrecherthum" gezetert, um nunme r vor der eigenen Thür den Schmutz wegkehren zu muffen. . _ London. Der vor kurzem verstorbene Millionär Samuel Lewis, ein Israelit, war den Armenschwestern des Nazaralhcollegiums sehr wohlwollend und gab viel für ihre Armen. Dieser Mann spielte so ein wenig die Vorsehung, indem er den Reichen hohe Zinsen abnahm und dafür ven Armen gab. Jenes trug ihm den Namen Wucherer ein. so daß jetzt bei den Israeliten Bedenken enstanden sind, ob sie die letztwilligen Bermächtniffe eines Wucherers sür ihre Wohlthätigkeitsanstalten annehmen dürsen. Auch die Nazarethschwestern hat Lewis in seinem Testament bedacht. Berichtigung. Im Artikel Posen in Nummer 8. Seite 188. Spalte 2 soll es im Absatz: „Noch mehr in die Augen fallend" ns».. anstatt von 1885 gegen 1900: 1855 gegen 1900 heißen. Briefkasten der Redaetion< - L. in (Sollt: Danken J^nen für gesanäten' weitere Beiträge sind uns willkommen.

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