Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1902)
- Date
- 1902-02-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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238 Wasser, das nicht einmal genügend warm ist. Das mikroskopisch kleine Stückchen Fleisch sieht so verdächtig ans, daß ich zuerst Bedenken trage, es zu essen. Endlich wage ich »s trotzdem, dieses Fleisch zu verzehren, und wahrlich, ich habe diese Tollkühnheit theuer bezahlt, denn in meinem Magen ist jetzt eine ganze Revolution. Als Gemüse bekam ich auf einem großen schmutzigen Teller einige harte Kartoffeln, die zu zerkleinern man Elephantenzähne, und nicht die sterblicher Menschen besitzen muß. Wenn man bedenkt, daß der Arme sein eigenes Brod mitbringen und dazu noch gegen fünfzig Centimes für diese köstliche Speise bezahlen muß, so kann man leicht die Größe der ihm erwiesenen Wohlthat bemessen. Auf dem Rückwege dachte ich an die Volksküche meiner Vaterstadt, wo den Armen für einige Kopeken eine gute und saubere Nahrung geliefert wird. Was in Wilna möglich, soll in Paris unmöglich sein?! Einer meiner Jugendlehrer, ein Mann, der moralisch und wissenschaftlich gleich hoch steht, sagte mir einst: „Gott habe den Juden befohlen, am Versöhnungstage zu fasten, damit auch die Reichen wissen, wie schlecht es denen ist, die fasten m üsse n." Ich würde daher den Herren vom „Komitee israelite de bien saisance" empfehlen, möglichst oft in den von ihnen eingerichteten jüdischen Volksküchen ihre Mahlzeiten zu nehmen, damit sie selbst wissen, wie schlecht es d e n Glaubensgenossen ist, die in diesen Anstalten speisen müssen. Pi. Rußland. Warschau. (Johann Gottlieb Bloch.) Der am 7. Jan. Hierselbst verstorbene große Friedensapostel Johann Gr. Bloch wurde 1836 als Sohn armer jüdischer Eltern zu Radam geboren. Nachdem er hier eine Realschule beendet hatte, fand er eine Anstellung in einer nahe bei Petersburg gelegenen Dampfmühle, wo er sich bald als organisatorisches und kaufmännisches Genie derart auszeichnete, daß ihm, als 21 jährigem Jüngling, der Bau einer Zweigbahn der Warschau-Petersbü'rger Linie übertragen wurde. Einige Jahre später übernahm er zusammen mit Kronberg ^n Vau der Tiraspoler Bahn, um dann schon ganz auf eigene Rechnung die Lodzer Fabriksbahn zu bauen. 1.869 baute er die große Libauer Bahn so billig, daß die Regierung ihm den Bau der Brest-Moskauer Linie und dann den eines 2500 Kilometer langen Eisenbahnnetzes, welches das Schwarze Meer mit der Ostsee verbindet, übertrug. Endlich baute er 1882 gemeinschaftlich mit dem Grafen Wielopolski die Kohlenbahn von Jvangorod nach Dombrowo. Daneben begründete Bloch die Warschauer Kommerzbank sowie die Warschauer Feuerversicherungs-Gesellschaft. Das Vertrauen der Russischen Regierung zu Bloch's finanziellem Genie war so groß, daß alle russischen Finanzminister sich in schwierigen Angelegenheiten bei ihm Rath holten. Dieses große Vertrauen verdankte er neben seinem großen Wissen auf den Gebieten des Eisenbahn- und Finanzwesens. Seine erste große Schrift über die Kosten der russischen Eisenbahnen brachte ihm 1875 die große goldene Medaillen des Pariser geographischen Kongresses ein. Für sein zweites,, im gleichen Jahre erschienenes Buch über den Einfluß des Eisenbahnwesens auf die ökonomischen Zustände in Rußland wurde er zum wissenschaftlichen Beirath im Finanzministerium ernannt. Außerdem hat Bloch weitere sieben Werke über hochwichtige finanzielle und ökonomische Fragen geschrieben, von denen aber keines eine solche Berühmheit, wie sein großes Werk „Die Kriege der Zukunft" erlangt hat. Den Juden, denen er als unreifer Jüngling einmal den Rücken gekehrt hat,^ bewahrte er bis zu seinem Lebensende eine treue Anhänglichkeit und er suchte mit seinem ganzen Einflüsse ihr Loos nach Kräften zu lindern. Bekannt ist sein an statistischem Material so reiches Memorandum über die Judenfrage, in welchem er den großen Werth der Juden für das gesammte russische Reich zahlenmäßig und unwiderleglich nachgewiesen hat. Blättermeldungen zufolge hat I. v. Bloch zu Legaten bestimmt: 300,000 Rubel für ein Kinderasyl in Warschau, 70,000 R. für die Warschauer Wohlthätigkeitsgeseüschafi, 10,000 R. für die Wohlthätigkeits- Abtheilung der K aufmannsgilde, 30.000 R. für ein Stipendium für katholische, protestantische und jüdische Zöglinge des Warschauer Polytechnikum und ein Stück Land im Werthe von 10,000 R. nebst 60,000 R. in baar für die Friedenspropaganda. Bf e u U I e t 0 tt» Nach vierhundert fahren. 34, Bon Friedrich ttott. Da dämmerte ihm plötzlich eine grandiose Idee, tvie er es nannte, wie war ihm das nicht längst eingefallen! Er brauchte doch nur mit dem Namen seiner Kousine einige Wechsel zu unterschreiben, dann war er gerettet. Aber es hatte doch seine Schwierigkeit, ihre Unterschrift nur mit dem Vornamen hatte er zwar auf ihren Briefen, aber zum Wechsel genügte das nicht, da mußte. er ihren vollen Namen unterschreiben. Woher den nehmen? — Er sann und sann und wiederum dämmerte in ihm eine grandiose Idee. Erschloß den Sekretär auf, in dessen Fächern sein VäE MfchWeüU Werthsachen aufzubewahren pflegte. Richtig, dort stand ' schon, was er suchte..