Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1902)
- Date
- 1902-02-03
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2449795-2449806--55283-2517901- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
renz des Bezirkes Emden-Oldenburg-Bremen wird aus der Mitte der Kollegen dem Herrn Steinhardt die ihm gebührende Antwort ertheilt werden, aus welcher ersichtlich sein wird, daß die Lehrer dieser Konferenz eine Bevormundung seitens des Herrn Steinhardt mit.. Entrüstung zurückweisen. Zum Schlüsse möchte ich dem Koll. Herrn Steinhardt doch den Rath geben, bei der Abfassung ähnlicher Streitartikel den Anstand zu bewahren, der von einem Journalisten und von einem Kollegen zu bean- . spruchen ist. Kein Flachsmann. Aus Bayern, im Schcwat. In einer der jüngsten N ummern des „Israelit" las ich eine Trauernachrichi aus Amsterdam, die mir tief zu Herzen ging: Die Nachricht von dem Hinscheiden des Herrn N. H. van Biema'. mit seinem BHipn cv genannt irr "fort Hrwz spjp "i Die jüdischen Blätter hätten sicherlich nicht unterlassen, anläßlich seines Heimganges,- die üblichen Nachrufe zu bringen; an Freunden und Verehrern, die sich dieser Liebespflicht gerne unterzogen hätten, wäre ebenfalls lein Mangel, gewesen, wenn der Verschiedene sich nicht, wie dort zu lesen stand, letztwillig verbeten hätte, irgendwelche Ehrentitel und Lobeserhebungen auf ihn anzuwenden. Die Freunde haben diesen Wunsch des bescheidenen Mannes respettirt, und so kann ich es mir erklären, daß bis heute kein weiterer Bericht über ihn und sein Wirken in jüdischen Blättern erschienen ist. Der Schreiber dieser Zeilen hat nicht die Absicht, dem Willen des bi vw entgegen zu handeln, denn wer ihn gekannt hat, weiß, wie ernst es ihm mit diesem Wunsche war. Nur Eines sei hier erwähnt, weil es mit diesen Blättern in Beziehung steht. Abgesehen von einer flüchtigen Bekanntschaft vor vielen Jahren, habe ich Herrn van Biema s. A. nur aus Briefen an mich kennen gelernt. Sie bezogen sich sämmtlich auf wissenschaftliche Arbeiten, die ich im Laufe der Jahre im „Israelit" veröffentlichte, auf welche er mir seine gelehrten Bemerkungen, bald zustimmender, bald ablehnender Art, direkt einzusenden pflegte, woran sich dann ein weiterer Briefwechsel knüpfte. Obgleich ich statt der Namensunterschrist stets eine Chiffre wählte und keine Ortsangabe hinzufügte, so erkannte er doch stets den Autor und setzte sich mit demselben in Verbindung. Als ich iw. vergangenen Sommer einen Artikel mit dem Titel: „Eine Bemerkung zur ersten -rp" im „Israelit" .veröffentlichte, erhielt ichebenfalls von ihin ein Schreiben, in welchem er mir eine Randbe merkung, die er sich vor vielen Jahren zu seinem JTtt'pn ’b gemacht hatte, mittheilte, die inhaltlich vollkommen mit meiner in dem Artikel veröffentlichten Anschauung Lbereinstimmte. Es knüpfte sich auch daran ein weiterer Briefwechsel, der sein reiches, umfassendes Wissen auf dem Gebiete der Bibliographie und Liturgie offenbarte. Er schöpfte stets aus dem Vollen, hatte ein treffendes, gesundes Urtheil und doch trugen alle seine Aeußerungen das Gepräge unendlicher Bescheidenheit. Nur diese seine übergroße Bescheidenheit veranlagte ihn. die ganze Zeit seines Lebens ein «ro v'bvn brr zu sein, so daß er nie an die Oeffentlichkeit trat, obgleich er vermöge seiner Gelehrsamkeit das Recht dazu gehabt hätte, wie nur irgend Einer. Mir ist nicht bekannt, daß er irgend eine selbstständige Arbeit veröffentlicht hätte. Vor Jahren sind in. einem Merkchen 12: NVv einige Briefe von ihm an den Verfasser des Werkes p“ttn yy erschienen. Auch dort zeigte er sein reiches Wissen auf dem Gebiete der jüdischen Gelehrtengeschichte. Nur seine persönlichen Freunde und. die ihn näher kannten, werden wissen, welch' reicher Schatz an Wissen mit ihm zu Grabe'getragen wurde. ' Seine anderen großen und seltenen Tugenden sollen hier, seinem Willen gemäß, unerwähnt bleiben. «itoj lb:n 122VL bv mn wbv -n- - Ungarn. Budapest, im Jan. Die antisemitische Nationalpartei der hiesigen Universität hat gegen d«n jüdischen Abgeordneten Dr. Wilhelm V aszonyi Plakate veröffentlicht, in welchen er des Vaterlandsverraths beschuldigt und das ungarische Parlament aufgefordert wird, ihn nicht in seiner Mitte zu dulden. Der Hintergrund dieser Thätigkeit ist selbstverständlich der Judenhaß. Dr. Baszonyi ist hauptstädtischer Deputirter und obwohl noch ein ganz junger Mann, hat er sich schon als Politiker und ausgezeichneter Redner eine hervorragende Position im Abgeordnetenhause erworben. Der Kultusminister erklärte wohl, daß ihm dieses Treiben, der studirenden Jugend nicht sympathisch sei, aber ein thatkräftiges Einschreiten hat er nicht zuaesagt. F r a n k r e ich. Paris, 27. Jon. Das hiesige „Konnte israelite de bien-faisance" hat schon seit längerer Zeit zwei jüdische Volksküchen eingerichtet. Wiederholt habe ich von armen Glaubensgenossen, die auf den Besuch dieser Anstalten angewiesen sind, Klagen über ihren sanitären Zussand und über die darin verabreichten Speisen gebärt. Um mich selbst davon zu überzeugen, bin ich gestern in eine dieser Volksküchen, die sich in der rue de Juifs befindet, hingegangen, und zu meinem großen Bedauern habe ich feststellen können, daß die Klagen, die ich vernommen habe, durchaus berechtigt sind, und daß diese Anstalt sehr viel zu wünschen übrig läßt. Auf den recht unsauberen Wänden des Saales befinden sich verschiedene Verordnungen des Komitees; unter anderen! wird Jeder angehalten, sein Brod selbst mitzubringen. Ich sage einem der Beamten, , daß . ich diese Verordnung, geschmacklos und in jeder.Beziehung unzweckmäßig finde. Er zuckt die Achseln und erwiedert mir: „So ist's beschlossen worden." Und nun beginne ich meine Mahlzeit. Die mir verabreichte Suppe ist nicht mehr und nicht weniger als etwas schmutziges