Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 10 (3.2.1902)
- Date
- 1902-02-03
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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halten bleiben," erinnerte. Gerade wir k o n s e r v a - t i v e n Juden Kölns halten fest an diesem Kaiserworte. das sich nicht drehen, noch deuteln läßt, in unserem uns aufgedrungenen Kampfe gegen die Reformpartei. Wir kämpfen eben dafür, daß dem Volke seine Religion erhalten bleibe, daß es einer Liebhaberei, einer Laune der Reformer wegen, die sich fälschlich „Liberale" nennen, nicht aus seinem Gotteshause verdrängt werde. Der Herr Rabbiner Dr. Frank wird uns zugeben, daß zur Ausübung unserer heiligen Religion das Gotteshaus in erster Linie berufen ist, daß wir vor Allem an heiliger Stätte gemeinsam unsere Gebete verrichten müssen, die Thora-Vorlesung anhören sollen. Wird nun den ständigen Besuchern des jüdischen Gotteshauses, dessen Besuch durch Einführung fremder unjüdischer Kultus- Einrichtungen unmöglich gemacht, so geschieht eben das G ege nt heil von der „Erhaltung der Religion," wie die in allen Orgelgemeinden gemachten Erfahrungen deutlich und kl'ar beweisen! Zur Erhaltung der jüdischen Religion gehört vor allen Dingen auch die „Erhaltung des jüdischen Gottesdienstes" in seiner Reinheit, nicht durchsetzt mit fremden, in denselben nicht hineinpassenden Einrichtungen. Der Herr Rabbiner Dr. Frank hat also gerade zur rechten Zeit und bei der feierlichsten Gelegenheit an ein schönes Kaiserwort gemahnt, das allen konservativen Juden aus dem Herzen gesprochen war! Wir sind dem Herrn Rabbiner aufrichtig dankbar für diese kaum erwartete Unterstützung in unserem Kampfe gegen die Reformer, deren Bestrebungen, wo sie zum Siege gelangten, mit der Zerst ö r u n g des jüdischen Gottesdienstes auch eineZerst ö r u n g des Gemeinde- und religiösen Lebens herbeiführten. Wir werden in unserem uns aufgedrungenem Kampfe gegen die Reformer noch oft auf das von Herrn Rabbiner Dr. Frank angeführte und so überaus zeitgemäße Kaiserwort zurückkommen, dessen. Grundgedanke die Richtschnur unseres Handelns bildet. Wir wollen dem jüdischen Volke in Köln seine Religion erhalten, indem wir Sorge tragen, daß unser Gottesdienst nichts von seiner Weihe, nichts von seinem „altjüdischen, traditionellen Charakter" verliert, und indem wir das thun, handeln wir ganz im Sinne des hochsel. ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. und seines Enkels, unseres erhabenen Kaisers Wilhelm II. Hieran aber an heiliger Stätte, in feierlichster Stunde erinnert zu haben, ist das Verdienst des Herrn Rabbiners Dr. Frank, wofür er größeren Dank verdient, als für sein vielerwähntcs „Gutachten" in der leidigen Orgel- Sache. das sich mit dem Sinne jener Worte, wie wir ausgeführt haben, keineswegs deckt. Jrwlvrazlalv, 23. Jan. (Unlieb verspätet.') Nachdem ich im „Israelit" Nr. 99, vom 16. Dezemb. v. I., Seite 2190, den der verstorbenen Frau Ernestine Auerbach gewidmeten Nachruf gelesen, mußte es nicht nur mich, sondern einen jeden Unbefangenen und Wahrheitsliebenden Wunder nehmen, daß nicht auch von der für diese fromme Frau nach christlicher Art veranstalteten Leichenfeier berichtet worden ist, indem unter anderem der von Kandelabern umgebene aufgebahrte Sarg vor unzähligen Blumen. Kränzen und Palmwedeln thatsächlich nicht sichtbar war. Ob seitens der Orthodoxen und des Rabbinats bei dem Leichenbegängnisse dagegen Einspruch erhoben wurde, ist nicht bekannt geworden: jedenfalls wäre es ihre Pflicht gewesen. Aus der Provinz Hannover, 27. Jan. Von befreundeter Seite wird mir soeben das sog. Verbandsorgan der jüdischen Lehrer Deutschlands zugefandt, das einen Artikel aus der Feder des Kollegen Steinhardt enthält. Da genannter Herr es'mit seinem journalistischen Anstand vereinigen kann, durch Nichtaufnahmen von Entgegnungen, soweit sie seine geschätzte Person betreffen. Gesinnungsgegner mundtodt zu machen, so darf ich wohl hoffen, daß Sie. verehrter Herr Redakteur. diesen Zeilen das Leben gönnen werden. Meines Erachtens hätte Herr Steinhardt besser gethan. „die unselige Oldenburger Affaire" aus sich beruhen zu lassen und es zu vermeiden, in solch gehässiger Weise den Stab, über acht angesehene Kollegen zu brechen. Wer auf der einen Seite die Interessen eines Lehrers verfechtet und in demselben Augenblick andere Kollegen, die den Mannesmuth besitzen, frei und offen für eine gerechte Sache einzutreten, mit Schmutz bewirft, der leidet an einer Verwandelungskunst; an der selbst ein Vertrauensvotum des jüngsten Delegirtentages in Hamburg nichts ändert. Würde Herr Kollege Steinhardt, frei von jeder Animosität gegen alles Rab binatliche, Licht und Schatten gleichmäßig vertheilen, würde er als Redakteur eines angeblich „parteilosen" Blattes auch dem andern Theite das Wort gewähren, dann ließe sich über die „unselige Oldenburger Assaire" streiten. Bei der hier zu Tage getretenen Einseitigkeit seitens des Herrn Steinhardt ist meines Erachtens eine anständige Polemik ausgeschlossen. Deßhalb ist die Anmaßung dieses Herrn Kollegen, über das Auftreten jener acht Kollegen zu richten, eine geradezu unerhörte, die den energischsten Protest herausfordert. Der passende Ausdruck für solches Handeln muß aus Gründen des Taktgefühls unterdrückt werden. Mit Artikeln vom Schlage der „Erklärung" in Nr. 3 (1902) des Vereinsorgans lockt Herr Steinhardt, um mit dem Minister von Podbielski zu reden, keinen Hund vom Ofen fort, und wenn er vielleicht der Ansicht ist,. durch solches Gebahren sein Standesinteresse beweisen zu wollen, so kann man fiir eine solche, der Lehrerwelt gestellte Zumuthung. nur ein mitleidiges Achselzucken haben. .;7 . .. Jedenfalls hätte Herr Steinhardt besser gethan. sein jüngst gegebenes Wort, „die Affaire Herzberg" ruhen zu lassen, zu erfüllen. Bei der nächsten Konfe-