Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1902-02-03 · Heft 10 (3.2.1902) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 10 (3.2.1902)
Date
1902-02-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2449795-2449806--55281-2517899
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

235 Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 28. Jan. Gestern starb hier der Landge- . richtsrath Julius Triest. Der Verstorbene genoß, wie die antisemitische „Schles. Zeitung" schreibt, „wegen seiner außergewöhnlichen Tüchtigkeit besonderes Ansehen bei den Kollegen und beim Recht suchenden Publikum." Triest, der 1874 sein Assessorenexamen gemacht hatte, war zuerst kurze Zeit außerhalb Breslaus und dann als Hilfsrichter beim hiesigen Stadtgericht beschäftigt. Bei Einführung der Justizorganisation am 1. Oktober 1879 blieb er Hilfsrichter beim Amtsgericht und wurde 1882 (acht Jahre nach seinem Assefforeneramen) zum Amtsrichter ernannt. Als solcher war er lange Zeit Dezernant sür das Handelsregister, sowie Konkurs- und Subhastationsrichter. In den achtziger Jahren wurde er an das Landgericht versetzt. Seine Ernennung zum Landgerichtsrath erfolgte 1889. Als vor einigen Jahren von der Justizverwaltung bei den größeren Landgerichten praktische Uebungskurse für die Referendarien eingerichtet wurden, übernahm auch Triest die Leitung eines solchen Kursus und führte ihn mit bestem Erfolge durch. Der Verblichene hat ein Alter von kaum 54 Jahren erreicht. Die „Breslauer Zeitung" schreibt: „In Triest ist ein Mann von hervorragenden Gaben des Geistes und des Herzens, und ein Jurist von seltenem Berufs- und Pflichteifer dahingeschieden. Ist man doch in denKreisen seiner Bekannten der Ansicht, daß er wesentlich durch Ueberarbeitung den Keim zu seinem todtbringenden Leiden gelegt hat." Der Präsident, die Direktoren und die Mitglieder des kgl. Land- und Amtsgerichts, der Erste Staatsanwalt und die Mitglieder der kgl. Staatsanwaltschaft schreiben in ihrem öffentlichen Nachrufe: „Seine hohe Begabung, sein umfassendes Wissen, seine unermüdliche Pflichttreue und seine liebenswürdige Kollegialität lassen uns seinen Verlust tief schmerzlich empfinden. Ein dauerndes, ehrenvolles Andenken wird ihm bei uns gewahrt bleiben." Und Angesichts eines Wirkens jüdischer Richter, das solche Anerkennung findet, wagt es die antisemitische Meute, gegen das Judenthum im Richterstande zu geifern! Die „Stimmung des Volkes gegen die jüdischen Richter" ist nur in der Phantasie der Judenhetzer vorhanden. - Berlin, 3L Jan. .Die „Bibliothek der jüdischen. Gemeinde z^zA^rsjNj^^O/gyiejiburgeGraße- 60—63, die: gegenwärtig gegen 5000. Bände (3000 Judaica und 2000 Hebraica) enthält, wird am 3. Febr. b. I. eröffnet, werden. Die Bücher können im Lesesaal benutzt oder entliehen werden. Die Bibliothek ist geöffnet Sonntag, Mittwoch, Freitag und an den staatlich gebotenen Feiertagen von 10—2 Uhr; Montag, Dienstag, Donnerstag und vom 1. Oktober bis 31. März auch Samstags von 6—9 Uhr Abends. Zur Benutzung des Lesesaals sind - in der Regel Gemeindemitglieder ohne weiteres berech- . tigt, anderne Personen ist die Benutzung gestattet, wenn, sie von einem dem Bibliothekar tauglich erscheinenden Gemeindemitglicde einen Bürgschein beibringen. Die Ausgabe und Rückgabe der Bücher erfolgt Montag von 6—7, Mittwoch und Freitag von 1—2 Uhr. Köln, 30. Jan. (K a i s e r s Geburtstagsfeier. — Festrede des Herrn Rabbiner Dr. Frank.) Die Kaisers-Geburtstagsfeier ist in. unserer Gemeinde würdig und erhebend begangen worden, unter sehr starker Beteiligung von Jung und Alt. Ganz besonders gilt dies von dem-Fest-Gottes-, dienste in unserer neuen Synagoge, am Sabbat den 25. dss. Mts. Im Glanze Hunderter elektrischer Flammen, die Männer-Synagoge und die Frauen-Gallerien dicht - besetzt von Andächtigen, gewährte das prachtvolle Gotteshaus einen überaus schönen, herzerhebenden Anblick. Jüdische Angehörige der in Köln garnisonirenden Regimenter waren zahlreich erschienen und hatten in den ersten Reihen Plätze angewiesen erhalten. Des glänzenden äußeren Rahmens würdig war auch die. Feier selbst, deren Mittelpunkt die gedankenreiche Festprcdigt des Herrn Rabbiner Dr. F r a n k bildete. Was der als Kanzelredner hervorragende Herr Rabbiner in : dieser bedeutsamen Rede anführte, mußte jeden k o n - s e r v a t i v gesinnten Bekenner des Judenthums auf. das Angenehmste und Freudigste berühren. Die Rede verherrlichte unseren erhabenen Monarchen als Schützer: und Förderer des religiösen Sinnes des Volkes. — als den mächtigsten Herrscher, der aber jedem seiner Unterthanen als Vorbild innigsten Gottvertrauens dienen kann und der Gott stets die Ehre gibt. Im Hinblick auf die Sidra von Schabbos Beschallach er- . innerte der Rabbiner an die denkwürdige Seepredigt Kaiser Wilhelms!!., die dieser im Sommer 1900 an. Bord der Kaiser!. Macht „Hohenzollern" hielt; der Text zu dieser Predigt war bekanntlich der Sidra von. Schabbos Beschallach entnommen. Was nun aber besonders gefiel, waren die Worte des Rabbiners im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen.: unser, geliebter.; Kaiser handle stets im Sinne seines Hochs. Großvaters» ' des Kaisers. Wilhelm..l.. . derin einer ..sehr ernsten^ Stunde seines Lebens sagte:.«Dem. Volke, muß.die R e,^-r l i g i o n erhal t e nbleiben!" . Mit einen: innigerd! Gebet für den Kaiser. - die Kaiserin, den Krc-nprinzeni und alle Mitglieder des Kaiser!. Hauses^s.chloßizjMll weihevolle Festrede. .<* »i n I 3 n 52 Wir freuen uns. daß'Herr Rabbiner.^Dr^ Frank in jener feierlichen Stunde einmal wieder an jenes große Kaiserwort: „Dem Volke muß die Religion er-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.