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Der Israelit · 1902-01-30 · Heft 9 (30.1.1902) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 9 (30.1.1902)
Date
1902-01-30
Page
– (sequence 30)
Language
German
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330 Besserung muß von uns selbst thatkräftigst mit verfolgt werden. Dann werden die alljährlichen Wünsche auf Blühen des Vereins keine bloße Phrase bleiben! Herr Klein- Gießen bestätigt als Kassirer die erwähnten Erfahrungen und ermuntert wiederholt zu eifriger Thätigkeit für Kräftigung der Hilsskasse, insbesondere durch Gewinnung zahlreicher außerordentlicher Mitglieder und hauptsächlich der Gemeindevorstände. Auf Antrag des Herrn Ehrmann-Friedberg soll bei künftiger Säumigkeit der Mitglieder der Agitations-Ausschuß, welcher für jede Provinz ernannt worden ist, seine Thätigkeit in nachhaltiger Weise aufnehmen und durch persönliches Erscheinen in den Gemeinden den Lehrer unterstützen. Zuvor soll das Resultat der Thätigkeit der Mitglieder im nächsten Frühjahr abgewartet werden. Nach erfolgter Rechnungsablage und Revision derselben wird dem Kassier Entlastung ertheilt. Die Versammlung beschließt ferner, daß die Rechnungen für die Hilfskasse und den Verein getrennt geführt werden sollen. Herr Sulzbacher -Groß-Vieberau referiert hierauf über „Garten- und Obstbau als Nebenbeschäftigung des jüdischen Lehrers." Einleitend widerlegt derselbe den Vorwurf, daß die Juden dem Ackerbau und Handwerk abhold seien. Die Bestimmung des Menschen hierfür sei schon biblisch begründet py f» r.n'3» may^ und auch historisch genügend, dargethan. Daß dieser Erwerbszweig im Laufe der Jahrhunderte bei den Juden nicht zur Geltung gelangte, lag an dem Drucke der Machthaber, sowie an dem Mangel an Stabilität, Ruhe und Schutz, welcher die Landwirthschast in erster Linie bedürfe. Wo letztere Faktoren jedoch vorhanden sind, biete eine rationell betriebene Oekonomie mehr Lichtseiten, als der Handel. Deßhalb seien in den letzten Jahren von berufener Seite solche Anregungen ergangen. Auch der Lehrer kann zu diesem Zweig der Volkserziehung beitragen, und zwar durch sein Beispiel. Selbstverständlich könne der Lehrer kein Landwirth im eigentlichen Sinne sein, da hierzu die Vorbedingungen fehlen. Andererseits jedoch könne er Interesse erwecken für den Feldbau, sowie für Freud und Leid des Bauernstandes. Möglich und rentabel seien für den Lehrer jedoch Garten- und Obstbau. Die meisten jüdischen Lehrer seien wegen der Verhältnisse ihrer Stellung auf Nebenbeschäftigung angewiesen. Diese Art jedoch sei eine lohnende und ehrenhafte. Trotz der niederdrückenden Verhältnisse seiner abhängigen Stellung solle deßhalb der Lehrer mit frohem Idealismus und Gottvertrauen diese Thätigkeit ergreifen, welche im Gegensatz zu jeder anderen sein Ansehen festigt und sogar zu seinem Berufe gehörend aufgefaßt wird (wie ja das Beispiel der christlichen Lehrer auf dem Lande beweist). Außerdem liege in dieser Beschäftigung eine Stärkung seiner Gesundheit, bes. der Nerven, eine Erholung für Geist und Gemüth. Die Freude an der Arbeit werde noch erhöht durch die Ernte, die Freude am Erfolg. Aber nicht nur passend und gesund ist der Garten- und Obstbau, sondern er kann auch rationell betrieben werden. Der Referent gibt hierfür instruktive Anhaltspunkte. Auf vielen Landstellen stehe dem Lehrer ein Garten zur Verfügung, wo nicht, könne ein geeigneter Platz gekauft oder gepachtet werden. Sowohl von der Umgebung, als auch durch Fachschriften könne der Lehrer lernen und Erfahrungen sammeln. Denn auch auf diesem Gebiete müsse planmäßig verfahren werden. Zuerst kann der Hausbedarf an Obst. Gemüse und 'L-alat vollständig aus dem Garten gedeckt, ein größerer Ertrag dieser Produkte aber auch zum Verkauf gebracht werden. Referent gibt nun interessante Aufschlüsse über die Kultur einzelner beliebter Gemüse und Früchte, sowie deren vielseitige Verwendung in Folge verschiedenartiger Zubereitung, wie z. V. Spargelzucht, Rhabarber, Schwarzwurzel u. s. w. Durch Keltern des Veerenobstes und den erhaltenen Beerenwein könne nicht nur ein gesunder Haustrank erzeugt, sondern durch Verkauf auch ein lohnender Gewinn erzielt werden. Aus religiösen Gründen dürste dieser Wein von dem Publikum umso mehr bevorzugt werden, als der sonstige Beerenwein durch Zusatz von Wein oft unbrauchbar gemacht werde. Für die Obstkultur empfiehlt Referent Anlage von Spalier- und Zwergobst, da diese Art eine schnellere Ernte bringt. Aber auch die Pflege von Hochstämmen sei zweckmäßig. Bei dieser Kultur müsse ferner auf die Vorschriften von rxhns und (bei' Vaumoeredelungen) Rücksicht genommen werden. Außerdem befürwortet Referent eingehend die Blumenzucht, besonders auch für die Kollegen in der Stadt. Blumen und Pflanzen sind werthvolle Erziehungs- und Bildungsmittel, und das Schulzimmer sollte stets mit denselben geschmückt sein. Des Lehrers Garten soll ein Mustergarten sein, woran sich Alt und Jung erfreuen. Zum Schluffe betont^der Referent, durch seine Arbeit hauptsächlich Jnterepe für diese Nebenbeschäftigung erwecken zu wollen, welche die papendste und gesundeste für den jüdischen Lehrer sei und eine Quelle reicher Schaffensfreude enthalte. Diese Ausführungen würden von der Versammlung beifällig ausgenommen, und der Vorsitzende danktdem Referenten für die lehrreichen Darbietungen. In der Debatte, an welcher sich der Vorsitzende, Rabbiner Dr. Vondi, Ehrmann-Friedberg und der Unterzeichnete betheiligen, werden mit Recht die vielseitigen Anregungen und positiven Gedanken des Referates hervorgehoben, wodurch sich dasselbe wesentlich von ähnlichen, in letzter Zeit bearbeiteten Themata, unterscheide. Ueber die Frage der Heranziehung und Anleitung der jüdischen Landbevölkerung zur Landwirthschaft, sowie über das „Wie" sind die Meinungen getheilt. Jedoch stimmen alle Redner überein, daß durch den Garten- und Obstbau dem Lehrer ein gesunder.

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