Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1902)
- Date
- 1902-01-30
- Page
- – (sequence 28)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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338 familie gehören. Warum wir dies mit solchem Nachdruck erwähnen? Weil wir zufällig in den Besch eines Blattes gelangten, welches auf Befehl. des kommandirenden Generals Grafen von Wittgenstein aus seinem Hauptquartier zu Berlin den 14.—26 März 1813, und unter der Censur des. Ministers des Auswärtigen Grafen v. d. G o l tz gestellten, vom Kaiserlich Russischen Kollegienrathe und Etatsrathe von fl o ij c 6 u e während der Zeit der großen Kriegsercignisse Napoleon I. herausgegebenen offiziellen Organs: „Ruffisch-Deutsches Volksblatt." In den hiezu gehörenden „Ergänzungs-Blätter" befindet sich in Nr. 2, B e r l i n, den 3. May 1813, die folgende interessante Notiz: „Es ist bemerkenswerth, daß die Juden, welche in den von den Franzosen überschwemmten ruffischen Provinzen wohnten, überall große Anhänglichkeit an die Negierung bewiesen haben, die ihnen Schutz verliehen. Wo sie nur immer konnten, leisteten sie der ruffischen Armee eifrige Dienste. In West-Rußland beteten und fasteten sie während der ganzen Zeit, da diese Gegend unter feindlichem Joche seufzte. Eines Tages bot ein Jude dem General Miloradowitsch seine Dienste an, der sie auch annahm und ihm Geld geben wollte. Der Jude schlug es aus, sprechend: „für die gute Sache könne auch ein Jude uneigennützig dienen." Er sagte das nicht blos, sondern er hielt auch Wort, und solche, Beispiele waren nicht selten." Dem Ruffisch-Deutschen Volksblatt konnte man doch sicherlich nicht vorwerfen, daß es ein „Judenblatt" sei. Und doch konnte es — durch die Thatsachen hierzu förmlich gedrängt — nicht umhin, in seinen engbemeffenen Spalten das mustergiltige Verhalten der Juden in den überaus kritischen Zeitläuften eines europäischen Krieges ganz besonders hervorzuheben. Wir haben dem nichts hinzuzufügen. Budapest. D. H. S P i tz e r. Jüdische Tapferkeit. Zu allen Zeiten zeichneten sich die Juden — sei es als Volk im Allgemeinen, sei es als Einzelindividuum hu Besonderen — durch hervorragende Tapferkeit aus. Wir brauchen nur das uralte Gottesbuch — die Moseslehre aufzuschlagen, um darin die staunenswerthen Siege, die das jüdische Volk gegen die vielen und ihnen oft mehrfach überlegenen feindlichen Völler errungen. nachzulesen; wir verweisen sodann auf die bislang noch immer unerreicht gebliebenen Heldenthaten der Makkabäer, und man wird zugeben müssen, daß schon in der Vorzeit Tagen der Ruhm der Tapferkeit dem auserwählten Gottesvolke mit Recht gebührt. Aber auch in den nachbiblischen Zeiten fanden sich stets und in jedem Zeitalter bei all' denjenigen Völkern, die ihre jüdischen Ilnterthanen nicht gewaltsam vom Kriegsdienst fernhielten. Juden, die sich ganz besonders durch ihre Tapferkeit auszeichneten, ja 'Einzelne unter ihnen vollführten — sozusagen — Wunder der Tapferkeit! So finden wir in dem „Russisch-Deutschen Volksblatt" Nr. 31, Berlin, den 10. Junius 1813, unter dem Schlagworte: „Vaterlandsliebe" was folgt: „Ein junger Israelit, Meyer Hilsbach, hat in der Schlacht bei Lützen bewiesen,' daß die Meinung, als fehle es seinen Glaubensgenossen an kriegerischem Muthe, wenn es den Ruhm und die Freiheit des Vaterlandes gilt, nur ein Vorurtheil ist. Dreimal verwundet, verließ er dennoch das Schlachtfeld nicht; bis er einen Todesstoß in die Brust erhielt, dann erst ließ er sich durch seine Freunde aus dem Getümmel führen. Daß er auf dem Schlachtfelde zum Offizier ernannt wurde, erlebte er noch. Er studirte zuvor in Breslau, als aber der Aufruf seines Königs erging, war er von seinen Glaubensgenossen der Erste,'der unter die Fahnen trat,-" unter welchen er so rühmlich gefallen ist. Das ist ein Beispiel der Lsihrendsten Vaterlandsliebe." Man soll aber ja nicht meinen, daß diese Kriegszeitung etwa den Juden wohlgeneigt gewesen wäre, denn in der Nr. 12 dieses Blattes, dto. Berlin, 27. April 1813, lesen wir das Folgende: „Es wird vorgeschlagen, das Kreuz auf den Hüten der Landwehrmänner m ein Eichenblatt zu verwandeln, oder sonst ein anderes Zeichen zu wählen, weil es in Deutschland viele Männer gebe (nämlich die Juden), welche die Tragung des Kreuzes, als ein sinnbildliches Zeichen, sich ungern würden gefallen lassen. (Ei nun,, sie sollen dabei nicht an den Glauben denken, der verschieden sein mag, sondern an die Sache, die jetzt allen Deutschen gemein ist.)" Die eingetlammerten Stellen rühren vom Herausgeber, dem Kaiser!. Russischen Etatsrathe von Kotzebue her und sind durchaus nicht judenfeindlich. . . Budapest. D. H. Spitzer. Verantwortliche Redaktion: Oscar Lehmann in Main?. — Expedition des ..Cv-Scaelit“. Schottstcaße Nr. 2. Mainz. Druck und Verlag der I oh. Wirth'schon Hvfbuchdruckerei Acticn-Gesellschaft in Mainz.