Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1902)
- Date
- 1902-01-30
- Page
- – (sequence 27)
- Language
- German
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Arekat (so sollte nämlich der Mann heißen, von dem Schapira das Manuskript gekauft haben wollte) gar nicht existire; auch untersuchte derselbe die angebliche Fundstätte des Manuskripts, eine Höhle, und fand, daß sich darin Lein Pergament des Regens wegen länger als 1000 Jahre erhalten könne. Nach in Bibliotheken gemachten Erfahrungen erhalten sich jedoch Pergamente, selbst unter günstigen Bedingungen, gar nicht so lange; alte Pergamente vom 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung an fallen schon in Stücke. Und dieses Pergament soll sich 26 Jahrhunderte in einer feuchten Höhle verhältnißmäßig unversehrt erhalten haben! Es ist hierbei nur tröstlich, meint der „Leipziger Nathgeber für die Druckindustrie", daß nicht nur „alte" Manuskripte gefälscht werden, sondern auch die „neuen" nicht alle echt sind, wie jede Redaktion zu erzählen weiß, denen ja genügsam Originalartikel angeboten werden, die sich bei genauer Musterung als Abschriften entpuppen. Das ist ungefähr der gleiche Schwindel — nur, daß man dort neue Manuskripte für alte ausgiebt und hier alte für neue, die Sache bleibt dieselbe. Lüd. Nllrvlei Warum hritzt Deutschland im rabbinischeu Schriftthum: erez aschkenas? Diese Frage ist bislang wenig erörtert und noch weniger zur Befriedigung gelöst worden. Vielleicht gelingt es mir durch diese Zeilen, nach dieser Richtung hin in diesem weitverbreiteten Blatte, einen Ideenaustausch anzuregen, und'die wahre, oder auch nur eine der Wahrheit nahekommende Erklärung zu Tage zu fördern. Wie aus der Völkertafel im 1. B. M., 10. K., ersichtlich ist, hat Gomer, Japhet's ältester Sohn, drei Söhne gehabt: Aschkenas, Risath und Thogarmah. Josephus (Alterth. I., 6, 1) läßt von Aschkenas die Rhegier und von Thorgamas die Phrygier abstammen. Er weiß also von der Herkunft der Germanen, auf die er übrigens in diesem seinem Werke gelegenheitlich zu sprechen kommt, nichts zu sagen. Dem Targum Jonathan und Jeruschalmi entnehmen wir, daß die Nachkommen Magog's (Jafet's zweiter Sohn) in Germanien ansässig waren; dasselbe erhellt auch aus dem Midrasch (Ber. r. 37. Kap.)/ dahingegen heißt es in beiden Talmuden: gomer seli germamia (6. Joma 10, a.; j. Megilah 71, Col. 17.) Aus alldem ist ersichtlich, daß in den alten Quellen Aschkenas mit Germanien nichts zu schaffen hat, ja, das jer. Targum versetzt die Nachkommen Aschkenas nach Asien; nichtsdestoweniger bezeichnet schon Raschi im 11. Jahrhundert an unzähligen Stellen, und Chasdai in seinem Briefe an den Chazarenkönig, Deutschland mit erez aschkenas. Meines Erachtens lehnt sich diese Bezeichnung an eine Namendeutung. Im Allgemeinen wird angenommen, daß „German" keltischen Ursprungs sei und „Nachbar" bedeute. (S. Heyse: Fremdwörterbuch s. v.) Diese Bedeutung mag den jüdischen Gelehrten des Mittelalters nicht unbekannt gewesen sein. In stetem Verkehr mit den Germanen, den Nachbarn der Gallier, mögen sie nach einer kongrüirenden biblischen Benennung gesucht haben, und diese fanden sie in ‘--KV.*, das die Vokabel 'pr — Nachbar in sich birgt. Diese Benennung war um so annehmbarer, als in beiden Talmuden Gomer, der Vater des Aschkenas, als Urahne der Germanen angegeben wird. Hiermit wäre auch ein Beweis für die wahrscheinlichere Bedeutung von „Germanen," das nach Einigen, wie schon erwähnt, „Nachbarn," nach Andern wieder „Spermänner," „gute Schreier," oder „Ostleute" zu übersetzen ist, erbracht. Leva, im Schewat 6662. Ignaz Steiner. (Anmerkung der Redaktion: Manche wollen auch die Bezeichnung Aschkenas für Deutschland mit Askanien, einer ehemaligen Burg bei Aschersleben, in Verbindung bringen. Diese Burg war einst Mittelpunkt der Grafschaft Askanien und Stammsitz des Fürstenhauses der Askanier, die 1134-^1320 über Brandenburg, 1180—1423 über das Herzogthum Sachsen herrschten und noch in Anhalt regieren. In Ascherslcben wird, als einer Stadt, die schon zur. Zeit Josuas bestanden haben soll, ebenso, wie in Xanthen am Rhein, der Heimath Siegfrieds, die Megillah an Schuschan Purim verlesen.) Jüdische Anhänglichkeit. Von der unübertroffenen Anhänglichkeit der Juden an ihr jeweiliges Vaterland, sowie an ihren angestammten Regenten weiß die unparteiische und unbestechliche Geschichte wahrhaft bewunderungswürdige Fälle aufzuzählen, die den überaus zahlreichen Judenfeinden der „lichten" Gegenwart denn doch den unumstößlichen Beweis erbringen könnte, daß die so sehr und so gründlich verhaßten . Juden in der That nicht nur die. Auserwählten des Einig-Einzigen sind, sondern daß sie auch zu den Auserwählten der großen Menschen-