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Der Israelit · 1902-01-30 · Heft 9 (30.1.1902) · page 26

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 9 (30.1.1902)
Date
1902-01-30
Page
– (sequence 26)
Language
German
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-fC' avilskri 'Trir^ Während ein Manuskript heutzutage seinen Werth fast vollständig verliert, sobald es dem Buchdrucker als Vorlage gedient hat und demnächst in größerer Anzahl weiteren Kreisen durch Vervielfältigung, zugänglich wird, war vor der Einführung der Buchdruckerkunst eine Handschrift ein überaus kostbarer Besitz. Und es haben derartige Handschriften, auch wenn sie nachmals noch gedruckt oder wie man sagt „herausgegeben" worden sind, von ihrem alten Werthe nichts eingebüßt, wenn auch dieser Werth dann ein bloß antiquarischer geworden ist. Große Bibliotheken und die Staaten, welche diese zu unterhalten haben, setzen darum auch eine Ehre darein, ihre Handlckrift-Abtheilungen immer mehr zu bereichern und sich durch Beschaffung von Seltenheiten vor anderen gleichen Instituten hervorzuthuN. Die kgl. Bibliothek in Berlin besitzt über 4060 Manuskripte (evciiees manuscripti) die Vaticana in Rom 26 000, von der großen Nationalbibliothek in Paris sagt man, daß sie sogar über 90 000 Handschriften zähle. Es ist leicht verständlich, daß der antiquarische Werth eines Manuskriptes steigen muß, je älter dieses ist. Aber dieser Werth läßt sich außerdem auch danach bemesien. ob eine Handschrift das Original selbst darstellt oder nur eine Abschrift eines (vielleicht untergangenen) Originals. Die Philologen, die für die Herausgabe (Drucklegung) eines bedeutenden alten Werkes oft auf solche bloße Abschriften angewiesen sind und so bei der Textfestlegung mancherlei Zweifel an der Richtigkeit ihres Wortlautes hegen, haben naturgemäß ein großes Interesse daran, Originalhandschriften zu erlangen, um jene Zweifel auf sicherer Grundlage beheben zu können. In den meisten Fällen ist dies ein vergeblicher Wunsch, denn die Originale sind meist längst vernichtet. Aber schon die Auffindung einer älteren Handschrift, /als die bis dahin bekannten, kann für die Wissenschaft ein großes Ereigniß darstellen, und einen solchen Fund zu erwerben, sind schon oft erstaunliche Summen ausgewendet worden. Es war nicht schwer zu begreifen, daß somit das Äuffinden von Handschriften ein ziemlich einträgliches Geschäft sein müsse, und so hat es nickt gefehlt, daß sich manche Forschungs-Reisende im „Finden" übten, und daß sich zuweilen in diesem Punkte genau so eine regelrechte Schwindelindustrie herausgebildet hat, wie dies in Rom, Neapel und Griechenland bezüglich der Unzahl von „echten" Antiken der Fall ist, die auch alle gerade in dem Maße „gefunden" werden, wie es der Bedarf erheischt. Es war. wie. sich aus einem derartigen Zeitungsbericht ergiebt, im Anfänge der achtziger Jahre des abgelaufenen Jahrhunderts, da bot ein Antiquitätenhändler aus Jerusalem Namens Schapira dem Britischen Museum das Manuskript des fünften Buches Mosis für den bescheidenen Preis von 20 Millionen Mark zum Kauf an, vermochte jedoch das Geschäft nicht sofort, wie er gewünscht, zu realisiren, da die Echtheit des Manuskripts gleich von vornherein bezweifelt wurde. Nachdem ist die Fälschung zweifellos festgestellt worden, und das, was namhafte Gelehrte über die Fabrikation dieses antiquarischen Jndustrieerzeugnisses ermittelt haben, ist mindestens ebenso interessant, als es der Inhalt des Manuskripts überhaupt sein könnte. Der erste, welcher das Schapira'fche Manuskript für unecht erklärte, war der jüdische Gelehrte Neubauer, derselben Meinung waren Leipziger und Berliner Gelehrte, welche Letzteren (Lepsius, Dr. Starck, Dillmann, Sachau u. a.) der kgl. Bibliothek in Berlin, der das Manuskript ebenfalls zum Kauf angeboten worden war, ein Gutachten erstatteten. Der Prozeß der Anfertigung des Manuskripts wird von den Gelehrten Dr. Ginsburg und Clermont-Ganneau, welche dasselbe wissenschaftlich genau prüften, in folgender Weise dargelegt. Das Schreibmaterial, das Leder, wurde hergestellt, indem von Thorarollen irgend einer syrischen Synagoge, die ein Alter von 7—800 Jahren hatten, das untere unbeschriebene Ende avgeschnitten und die Stücke dann zusammengefügt und chemisch behandelt, wurden, um ihnen das Aussehen höheren Alters zu geben. Auf dieses . Leder wurde dann mit Tinte in moabitischen Schriftzügen mit großem Geschick und mit Aufwand großer Gelehrsamkeit der Text geschrieben; allein der Verfasser war nach Ginsburg nicht zugleich der Schreiber und dies führte zu Jrrthümern, welche die Aufdeckung des Betrugs verhältnißmäßig leicht und sicher machten. Er diktirte offenbar zwei Schreibern, die Juden aus Deutschland, Oesterreich oder Rußland waren, wo das hebräische Kaph und das gutturale Chet gleich ausgesprochen werden. Dadurch entstanden arge Jrrthümer: wenn es heißen sollte: „Der Mann gerieth in Zorn", -so schrieben die Schreiber: „Der Mann beging Ehebruch" und andere derartige Schnitzer mehr. Ab und zu finden sich auch Ausdrücke, die im Vergleich zu der gebrauchten archaischen Schrift modern sind. Dr. Ginsburg glaubte, daß nicht weniger als fünf Fälscher zusammenarbeiteten, um dieses „2600. Jahre alte Manuskript" herzustellen. Diese Feststellungen wurden nun noch durch weitere Ermittelungen erhärtet. Der Orientreiscnde Claude Conder, der jahrlang unter den Beduinen gelebt, versicherte, daß ein Scheich Mahmud

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