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Der Israelit · 1902-01-30 · Heft 9 (30.1.1902) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 9 (30.1.1902)
Date
1902-01-30
Page
– (sequence 19)
Language
German
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Bericht dem zuständigen Vereine innerhalb 24 Stunden zu überweisen hat. Die beiden erstgenannten Vereine bewilligen regelmäßig Io Mark, während bei größeren Anforderungen die beiden anderen Vereine helfend eingreifen; der Frauenverein Berliner Logen hat üch ferner erboten Materialien und auch Hauspflege erforderlichen Falls zn gewähren. Der Ausschuß des Verbandes wird erörtern, ob und inwieweit auch auf dem Gebiete der Hauspflcge eine Zusammenfapung der Thätigkeit aller Vereine möglich ist. Im Laufe des Jahres sind an die Centralstelle 12 048 Anfragen gerichtet und von dieser 12 637 Berichte erstattet worden. Mit scharfen Worten wendete sich der Vcrbandsvorsihende zum Schluß gegen einen soeben begründeten Verband der jüdischen Humanitäts- und Wohlthätigkeitsvcreine von Berlin und Vororten, dessen statutengemäßer Zweck so genau mit dem des bereits bestehenden und stch sehr gut bewährenden Verbandes übereinstimmt, daß ein Grund zur Neubildung geradezu als unerfindlich bezeichnet werden muß. Die Unterzeichner des Aufrufs zum neuen Verband waren zu der heutigen Versammlung eingeladen; sie zogen es vor, nicht zu erscheinen, vermuthlich weil' ihnen der Zweck eines zweiten Verbandes der Wohlihätigkeitsvereine auch nicht ganz klar geworden ist. S. Köln, 27. Jan. Gestern veranstaltete das hiesige Lehrer-Seminar des Nachmittags um 3 Uhr eine Vorfeier des Allerhöchsten Geburtsfestes in der Aula des Seminar-Gebäudes. Es war eine Feier, würdig einer jüdischen Schule, deren Aufgabe es ist, jüdische Lehrer, Lehrer jüdischer Kinder zu erziehen, die sich zum Ziele gesteckt hat. ihre Zöglinge zu Trägern des jüdischen Gottesgedankens heranzuziehen, auf daß es ihnen gelinge, die jüdischen Kinder für den den Eltern verloren gegangenen Glauben wieder zu begeistern und so ein neues Geschlecht heranzubilden, das fest und unentwegt, gefeit gegen die stürmischen Angriffe, die Fahne des Iudcnthums hochhalle, einer Schule, die, um dies hohe Ziel zu erreichen, ihre Schüler mit einer Fülle des jüdischen, mit einer Fülle des heute so nothwendig gewordenen profanen Wissens auszustatten sucht. In sinniger Weise leitete der von Herrn Uersfeld auf's trefflichste dirigirte Chor mit Serings „Dem Kaiser sei mein erstes Lied" die Feier ein. Dann brauste Marschner's „Lied von der Eiche" markig gesungen und warm empfunden durch den Saal. Auf das mit Ausdruck vorgetragene Wagner'sche.Gedicht, „Der große Kurfürst", folgte ein von dem Vortragenden Schüler selbst verfaßter Vortrag über die „Bedeutung des großen Kurfürsten", und verstand es derselbe, in kurzen, kernigen Worten ein lebensvolles Bild des großen Kurfürsten zu entrollen. Wohlverdienten Beifall errang die „Petite Symphonie" Nr. 3 von Dancla, die mit technischer Fertigkeit und warmer Empfindung gespielt wurde. Es folgten nun noch in reicher Abwechselung eine Reihe von musterhaft vvrgetragenen Gesangs- und Deklamation« - Vorträgen. Besonders hervorgehoben sei noch die vom Vortragenden wiederum selbstverfaßte Abhandlung „Das erste nationale Drama Deutschlands/ wohl die nach Form und Inhalt tüchtigste Leistung des Nachmittags, wenigstens soweit positives Wissen in Betracht kommt. Redner verbreitete sich in wohldurchdachtem, glücklich disponirtem Vortrage über die Verdienste Lesting's um das Deutschthum und beleuchtete auf's Geistvollste die Charaktere in „Minna von Barnhelm" in zum Theil durchaus origineller Weise. Im Anschluß an diesen Vortrag wurde eine Szene aus „Minna von Barnhelm" dargestellt, deren köstlicher, gemüthswarmer Humor von den darstellenden Schülern in packendster Weise zum Ausdruck gebracht wurde. Den Schluß der schönen Feier bildete die mit Beifall aufgenommene Rede des Herrn Seminarlehrers Gut. Mit wenigen kräftigen Strichen zeichnete derselbe das Bild unseres „Schul" - Kaisers, verglich die heutige geachtete Stellung des Volkschullehrers, der mit der Absolvirung des Seminars die Berechtigung zum einjährig-freiwilligen Examen erhält,mit her mißachteten Stellung desselben vor 150 Jahren, da er um die Erlanbniß nachsuchte, in den Ferien betteln zu dürfen, hob dann noch die Vorliebe und Fürsorge des Kaisers für die Pädagogik hervor, streifte noch seine sonstigen Tugenden, die ihn dem deutschen Volke so lieb und werth machen, und wußte so die Versammelten zu stürmischen Hochrufen hinzureißen, die in der National-Hymne harmonisch ausklangen. .. A. Stettin, Ende Jan. In dem hiesigen „Generalanzeiger" veröffentlicht der Direktor der Kückenmühler Anstalten, Pastor Bernhard, eine Erklärung, worin es heißt: „Vor einigen Tagen ging mir aus Stettin ein antisemitisches Flugblatt zu, welchem von einem Anonym mus folgendes Begleitschreiben beigefügt war: < ' „Sie. als christlicher Pfarrer, sollten sich, auch ein Beispiel nehmen und das unter dem Mantel der Nächstenliebe erbettelte Geld alsdann nicht nach dem Juden, sondern zu dem Christen tragen, von dem Sie es erbetteln, oder aber, ich werde mal öffentlich darüber sprechen und der Behörde Mittheilung machen." Da mir die Möglichkeit genommen ist, dem Schreiber direkt zu antworten, so möchte ich auf diesem Wege mit einigen Zeilen die irrigen Vorstellungen, von welchen derselbe auszugehen scheint, berichtigen. Die Erträge der Kollekten, welche wir mit obrigkeitlicher Genehmigung einsammeln, und sonstige Liebesgaben, werden vom Publikum vielfach in ihrer Höhe sehr überschätzt und ihre Verwendung scheint.auch deur Schreiber unbekannt zu sein.- Dieselben werden verwandt zu Ermäßigungen der Pflegegelder für solche Pfleglinge, deren Angehörige zwar auf Unterstützung aus öffentlichen Mitteln keinen gesetzlichen Anspruch haben, aber doch nicht ohne schwere Schädigung ihrer Existenz den vollen Pflegegeldsatz auf.zubringen vermögen. Manchem kleinen Beamten, Gewerbetreibenden, Handwerker -— auch aus Stettin, geschieht durch solche Bcihülfe ein großer Dienst. Wir sind also in gewisser /!

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