Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1902)
- Date
- 1902-01-30
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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230 Weise nur Verwalter des Kollektenfonds. Diese Liebesgaben nun betrugen im Vorjahre 16,233.89 Ml.; die von uns gewährten Ermäßigungen dagegen 18,449 Mark. Wir haben somit 3214.11 Mk. mehr fortgegeben. wie wir eingenommen haben. Das ist nur dadurch möglich, daß wir einerseits durch Landwirthschaft und Gartenbau, eigene Bäckerei und Schlächterei und unsere Handwerksstätten, unfern Haushalt billiger gestalten, andererseits aber auch' .durch preiswerten Einkauf und sorgfältige Prüfung der Lieferungen bei allen Bedarfsartikeln den Vortheil' der Anstalten wahrzunehmen wissen. Jeder Einsichtsvolle wird mir zugestehen, daß wir damit nur pflichtgemäß handeln. Dürfen wir schon aus diesem Grunde keinerlei Nebenrücksichten walten lassen, sondern haben da zu kaufen, wo es am preis Werthesten zu bekommen ist, so würde es sich auch für Anstalten, welche allen Konfessionen offen stehen, wenig schicken, antisemitische Parteiinteressen zu vertreten. Wenn von den 260 Lieferanten, mit welchen wir in Verbindung stehen, auch 10 bis 12 in jüdischen Händen befindliche Geschäfte sind, so verdanken diese es wie alle andern allein ihrer Reellität, Sorgfalt und prompten Bedienung. Kein Billigdenkender wird doch die Geschäftspraris alter, in Achtung stehender Handlungshäuser der marktschreierischen Weise gleichstellen, mit welcher in neuerer Zeit vielfach moderne Geschäfte ibre Kunden an sich zu locken suchen." Rumänien. Bukarest, 27. Jan. Die Lage der Juden in Rumänien charakterisirt am schärfsten der folgende Vorfall: Im Juli v. Js. waren zu Draceni, einer kleinen Ortschaft am Pruth, antisemitische Unruhen ausgebrochen. Unter nichtigem Vorwände hatte die christliche Bevölkerung die jüdische mißhandelt, und mehrere Personen von beiden Seiten sind verwundet worden. Ein Israelit Namens Josua Aronovici, starb in Folge seiner Verletzungen. Einige der Hauptthäter, unter welchen der Gutsbesitzer Craiescu war. wurden verhaftet und das Prozeßverfahren gegen sie eingel'eitet. Die Angeklagten standen nun vor wenigen Tagen vor dem Assisenhof zu Tutova. die Geschworenen sprachen sie frei! — Es wird genügen, einige Auszüge aus dem Anklageakte zu lesen, um sich zu überzeugen, daß der Spruch der Geschworenen aus antisemitischen Leidenschaften ergangen ist. Am 1. Juli 1901, sagt die Anklageschrift, gab Castache Craiesca, Farmer der Ländereien von Dranceni und Shoperleni, seinem Sohne Petrache Craiesca den Befehl, das Vieh von Dranceni einzuschließen, um . die Eigentümer dieser Thiere zu zwingen, das Weidegeld, das sie ihm schuldeten, zu zahlen. Er schickte nach Shoperleni seine Knechte Nicolai Nega und N. Jota. Unterwegs begegneten sie dem Israeliten Haim Ciurarul von Dranceni. Es entstand ein Streit, man kennt nicht genau die Ursache zwischen ihm und den Knechten; der Uebermacht unterlegen, fiel Ciurarul mit schweren Kopfwunden zur Erde. Die Nachricht, daß Haim Ciurarul durch die Knechte des Farmers ermordet worden sei, verbreitete sich schnell in der kleinen Stadt Dranceni. Die meisten der jüdischen Einwohner begaben sich unverzüglich auf den Kampfplatz. Die ersten Ankommenden waren Joseph Aronovici, Apram und Laiba Faibisch. Inzwischen kam der Gutsbesitzer nach Hause; sein Verwalter Constaninesca meldete ihm, daß die Juden der Ortschaft sich mit seinen Knechten auf dem Lande schlügen. Der alte Castache Craiesca gab seinem Kutscher Mihailaki Lupu den Befehl, einzuspannen und begab sich in der Begleitung von P. Craiesca und des Tsigans G. Catrin an den Ort, wo diese Ereignisse stattfanden. Dort angelangt, verfolgte der Farmer den jungen Aronovici. Dieser, ermüdet vom Laufe, blieb plötzlich stehen und wurde mit der Wagendeichsel des Craiesca am ganzen Körper schrecklich verwundet, denn der Wagen fuhr auch über ihn. Aronovici versuchte sich zu erheben, aber P: Craiesca und Jona Constantinescu sprangen vom Wagen und schlugen ihr Opfer, bis es niederfiel. Zum zweiten Male fuhr der Wagen über den Körper des Aronovici, der nicht mehr aufstand. Der Gutsbesitzer und die Begleiter, die bei ihm im Wagen sich befanden, begaben sich hierauf an die Verfolgung des Apram Faibisch, welcher von P. Craiesca. I. Constantinescu und Nicolas Niago mißhandelt wurde. Sein Bruder Lebn Faibisch erlitt dasselbe Schicksal. Der alte Haim Faibisch, der seinem - Sohne zu Hülfe eilte, wurde gleichfalls geschlagen. I. Aronovici, der zum Dr. Vlav transportirt wurde, starb am andern Tage an einer Lungendurchbohrung und einem Schädelbruche. Die anderen Opfer hüteten während mehreren Wochen das Bett. Die Herren Craiescu aber — wurden freigesprochen. Hersonakien. Fribourg (Schweiz), 14. Jan. Heute Nacht ist hier die hochbetagte Frau Pauline G e i s m a n n nach kurzem Leiden im Älter von 84 Jahren entschlafen. Die Verblichene, die aus einer sehr frommen Familie in Vollweiler (Elsaß) stammt, war eine 'in n&s im wahren Sinne des Wortes. Wie sehr Frau Pauline Geismann hier allgemein beliebt und geachtet war. bewies das große Leichengefolge, an welchem sich auch viele Nichtjuden aus den besten Familien Fribourgs betheiligten. Die Armen, die sich hier von Zeit zu Zeit aufgehalien, haben in der Heimgegangenen eine große Stütze verloren. Möge der Allmächtige den Hinterbliebenen Gatten und die Kinder trösten. .7?'2XU1