Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1902)
- Date
- 1902-01-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Zahlen die dringende Existenzberechtigung unseres Vereins und seine erfolgreiche Thätigkeit. Unsere Versicherung gegen Stellenlosigteit hat I? Abschlüsse mit einem Versicherungskapital von .8820 Mark und Polizenbeträgen von 147 Mk. bewirkt. Zur Auszahlung gelangten nach eingetretener, unverschuldeter Stellenlosigkeit auf 4 Po-izen 142.50 Mk. Gerade diese Einrichtung unseres Vereins ist leider noch immer zu wenig bekannt und zu wenig gewürdigt. In seinem eigenen Interesse sollte kein Angestellter den Abschluß dieser Versicherung, die ihm bei geringer Aufwendung eine sichere Stütze in Zeiten der Roth gewährt. verabsäumen. Aber auch der gegen diese Gefahr Geschützte sollte dieses kleine Opfer gern bringen» um seinen Genossen, die in weniger glücklicher Lage sich befinden, die Bitternisse einer Stellenlosigkeit mit ihren schweren Nöthen und Sorgen nach Kräften zu erleichtern. „Stehe nicht müßig bei dem Herzblut deines Nächsten." . Der Verein zählt 109 Mitglieder. Das drohende Defizit, mit dem unser diesmaliger Kassenbericht abschließt. wird , sicherlich unseren Freunden und Mitgliedern ein Ansporn zu gesteigerter Bethätigung ihres Wohlwollens sein. Unser Bureau befindet sich seit 1. Oktober v. Js. Große Hamburgerstratze 13—14 in den Räumlichkeiten! des „Verein für Arbeitsnachweis", die uns von dem genannten Verein freundlichst und uneigennützig zur Verfügung gestellt wurden. Wir sprechen hierfür dem Vorstande unseren herzlichen Dank auch an dieser Stelle aus. Bei Anfragen u. s. w. wolle man sich stets ausdrücklich an unseren Verein wenden. Zum Schlüsse erfüllen wir die ebenso angenehme wie gebotene Pflicht 'unserem Schatzmeister und Vorsitzenden der Kommission für Stellenvermittelung. Herrn I. B e r für die unermüdliche Hingabe an dem Verein und seine großen wie kleinen Interessen unseren und den wärmsten Dank des ganzen Vereins auszudrücken. Der Vorstand besteht aus den Herren: Moritz Merzbach. Vorsitzender, Dr. Ed. Biberfeld, ll. Vorsitzender: I. Ber, Schatzmeister; Hermann Rosenbaum, kl. Schatzmeister; Raphael Grade n w i tz , Schriftführer; Eli Lazarus, I l.. Schriftführer; . Dr. Leop. Caro. Beisitzer. Die Kommission für die Stellenbesetzung aus den Herren: I. B e r . Vorsitzender; Louis Becker, Zahnarzt Ad. Caro, Mar Schneller, Sallv S t r u ck . Redakteur W o h l b e r g. Berlin, 29. Jan. (Reichstag.) Der sog. Toleranzantrag -es Zentrums, der aus der Kommission herausgekommene Gesetzentwurf, betreffend die Freiheit der Religionsübung, kommt zur zweiten Lesung. Es handelte sich zunächst um den Abschnitt des Gesetzentwurfes, der die Religionsfreiheit der Reichsangehörigen behandelt und als Grundsatz ausspricht, daß Jedem die volle Freiheit des religiösen Bekenntnisses, der Vereinigung zu Religionsgemeinschaften sowie zu gemeinsamen öffentlichen und häuslichen Religionsübungen zusteht. Daran ist die Verwahrung geknüpft, daß den bürgerlichen und staatsbürgerlichen Pflichten dadurch kein Abbruch geschehe;» dürfe. Und von den Nationalliberalen wird noch beantragt, daß bis zum Erlaß eines Reichsvereinsgesetzes die Ausfuhrungsbestimmungen Sache der Einzelstaaien sein sollen. Das sicht bedenklich aus; denn dadurch könnte leicht der Grundsatz der freien Religionsübung durchbrochen werden. Darum wehrt sich auch das Zentruni gegen diesen Antrag und auch von der Linken widersprach man ihm. Die Hauptsache aber ist: Mecklenburg, wo bisher die wenigen dort lebenden Katholiken in ihren Religionsübungen beschränkt worden sind, will sie jetzt mit den Protestanten gleichstellen. Das hat der Herr Reichskanzler bewirkt und das Zentrum wird ihm dankbar sein. In Braunschweig liegt auch ein entsprechender Gesetzentwurf vor. Die Erklärungen, welche die Bevollmächtigten beider Staaten abgaben, wurden beifällig ausgenommen. Rur Sachsen fehlt noch, das schweigt. Zu einer Bestimmung kam es noch nicht. Frankfurt a. M., 29. Jan. (Jüdisches Hospital in Jerusalem.) inric m nT.x 22 Hz» p-nt. Das jüdische Hospital „Schaare Zedek" in Jerusalem wurde, wie eine Depesche meldet, in Gegenwart des Gouverneurs, der Konsuln,Ehacham Baschis, der Oberrabbiner und'der Behörden eröffnet. i2'pbn i wen-ton ,-pnn vcxi nbi ,-pcm wny "W. rwb. Ausl Bayern. Seit einigen Jahren wurden eif.-. rig Vorarbeiten erledigt für die Ausarbeitung eines Schulbedarfsgesetzes, das in der Hauptsache eine Aufbesserung der unzureichenden Besoldungen der- Volksschullehrer bringen soll. Der gegenwärtigen Landtags.- session ist nun dieser Gesetzentwurf zugegangen und wird zur Zeit seit mehreren Wochen, zunächst von einem besonderen Ausschuß, durchberathen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß bei dieser zu erwartenden Ausbesserung die jüdischen Elementarlehrer Bayerns ihren christlichen Kollegen konform behandelt werden. Doch hat ein Abschnitt des Gesetzentwurfes anscheinend über die künftige Stellung, bezw. die Rechte und Pflichten derjenigen jüdischen Gemeinden, welche aus eigenen Mitteln Elementarschulen, also öffentliche, jüdische Volksschulen unterhalten. Beunruhigung oder doch Unsicherheit hervorgerufen. Es hatten die in Rede, stehenden Gemeinden, bezw. Genreinkmitglieder bisher keine Umlagen zum Unterhalte der öffentlichen Gemeindeschulen ihres Ortes beitragen brauchen. Maßgebend hierfür war Art. 5 des Umlagegesetzes von 181.9. welcher lautet: „Kein Staatsbürger ist verdünn den. zur Befriedigung der Bedürfnisse von Kirchen und Schulen einer Religionspartei, zu welcher er nicht ge-, hört, mittels Umlagen beizutragen, wenn nicht ein gemeinschaftlicher Genuß oder ein besonderes Rechtsverhältniß besteht." Nun wurde ja allerdings diese ziemlich klare, gesetzliche Bestimmung nicht überall gehand-