Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1902)
- Date
- 1902-01-30
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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laßt uns hoffen, daß, wenn der Frühling kommt. auch wir schon die Knospen ersehnter Blüthen schauen. O, es ist ja doch die Thora, zu deren Ehre wir versammelt find, unser einziges Lebenselement. Die Thora, für die unsere Väter gestorben, für sie laßt uns leben. Unsere Ahnen mußten ihr Blut für sie verspritzen; heil uns. daß wir die Lebenskraft ihr weihen dürfen, auf daß dem heiligen Willen der Ernst der That gelinge, und Segen ruhe auf dem Werke unserer Hand: '21 irt>j> raa i:n' r.pyoi vfo . n dm vr- Möge Gottes Huld über unserem Vollbringen .walten; denn Seiner Ehre allein sei es geweiht." Herr Rektor Gut- Köln suchte die Bedenken, der Lehrer zu zerstreuen, die in dem neu anzustellenden Rabbiner eine unerwünschte Conkurrenz sähen. Der Rabbiner denke n^i ch t daran, die Lehrer materiell zu schädigen. Auch die Metzger hätten nicht zu fürchten, daß die Parnoso ihnen erschwert und mit Gewalt gegen sie vorgegangen würde. „Auch in's Ghetto wollen wir euch nicht zurückführen." schloß der geschätzte Redner, „denn Frömmigkeit und Thorastudinm lassen sich wohl vereinigen mit moderner Bildung." Sämmtliche Redner sprachen für die Gründung des Vereins. Aus Köln die Herren: Munk, Simon Frank, Nathan C a h n. Julius Hirsch. Jos. Wallach, van Cleef, S. Meyer; aus Euskirchen: A. Walde. Dr. Heilb e r g , v. d. W a l d e. M. S ch w e i z e r und Vorsteher S. Wallach; Bär - Ahrweiler. Sommer- Cuchenheim. Es wurde darauf ein Komitee gewählt, welches einen Statuten-Entwurf auszuarbeiten hat. Mit Dankesworten gegen Gott schloß der Vorsitzende. Herr Munk, die Versammlung. Zeitungsnachrichten und Eorresponvenzen. Deutschland. Berlin, 27. Jan. Im „Verband für Hochschulpädagogik" sprach am 18. Januar Prof. Dr. Julius P a g e l über „Nachexilische Geschichte und Litteratur der Juden im Universitätsunterricht." Während Geschichte und Litteratur des Volkes Israel im Universitätsunterricht eingehende Berücksichtigung erfahren, fehlt es — so führte der Vortragende aus — an Vorlesungen über die Geschichte und Litteratur der Juden in der nachexilischen Zeit gänzlich. Der Vortragende suchte nachzuweisen, daß die äußeren Schicksale der Juden in der nachexilischen Zeit zu den interessantesten der Weltgeschichte gehören und daß sie eine überreiche Fülle von solchen Momenten bieten, deren Kenntniß für die sittliche Ausbildung der gesammten akademischen Jugend von Bedeutung sein würde. Der große Einfluß ferner, den jüdische Arbeit an der Erhaltung und Entwickelung aller Wissenschaften, der Astronomie, Mathematik. Medizin. Jurisprudenz, Philosophie, der sprach- und geschichtswiffenschaftlichen Studien namentlich im Mittelalter, aber auch bis in die neueste Zeit hinein, gewonnen hat, wird von allen Seiten anerkannt. Er ist so umfassend, daß es dem, Lehrer der betreffenden Disziplinen nicht möglich ist. im Rahmen seines Kollegs ihm gerecht zu werden. Der Vortragende hält auch aus diesem Grunde besondere Vorlesungen darüber für wünschensrverth. Des weiteren erörtert er die Bedeutung der sogenannten „Wissenschaft des Judenthums" in methodologischer und pädagogischer Beziehung. Beispielsweise schätzt er die dialektische und disputatorische Methode einer statarischen (gründlich verweilenden) TalMudlekture für die Geisteszucht und Gymnastik des Verstandes — verhältnißmäßig genommen — so hoch, wie die Beschäftigung mit mathematischen Problemen. Mit einer Darlegung der wohlthätigen Wirkungen, welche die Initiative der Regierungen und akademischen Behörden in der angedeuteten Richtung für eine „Assimilation" in besserem Wortsinn als durch überzeugungslose Taufe, ferner für die Entlastung der übrigen Fakultätsstudien haben müßte, schloß der Vortragende. Die darauf folgende Diskussion brachte insbesondere verschiedene Thatsachen zur Ergänzung des vom Vortragenden Angeführten vor. Berlin, 25. Jan. Dem zweiten Jahresbericht des „Verein für Stellenvermittelung und Versicherung gegen Stellenlosigkeit (Schomre Schabbos)" entnehmen wir: Mit einem Gefühle der Dankbarkeit und Befriedigung darf der Verein „Schomre Schabbos" am Schlüsse seines zweiten Berichtsjahres auf die Wirksamkeit zurückblicken, die auf den verschiedenen Gebieten seiner Thätigkeit zu entfalten, in diesem Jahre ihm vergönnt gewesen sind. Denn sind die Zahlen der durch ihn zum Abschlüsse gebrachten Stellenvermittelungen und Versicherungen an sich betrachtet auch noch klein, ist sein Jahresbudget auch noch immer eines der geringfügigsten unter den zahlreichen anderen hiesigen Vereinen, so wird doch kein mit den einschlägigen Verhältnissen Vertrauter diese Zahlen anders als im Zusammenhänge mit den übrigen Erscheinungen des Lebens der Gegenwart bewerthen und bei dieser Art der Beurtheilung das Erreichte als einen nicht zu unterschätzenden Erfolg anerkennen müssen. Zur Besetzung durch unsere Vermittelung gelangten: 93 Stellen für männliche (im Vorjahre 38), 18 Stellen für weibliche (im Vorjahre 10) Bewerber, insgesammt 108. Hiervon entfielen auf Berlin 98 und auf Außerhalb 13 Stellen. Dem Berufe nach vertheilten sich dieselben: auf gewerbliche Stellungen 34. auf kaufmännische Stellungen 74. Zieht man in Betracht, daß der weitaus größte Theil dieser Stellen, ohne die Thätigkeit des Vereins mit solchen Bewerbern besetzt worden wäre, denen an der Sabbathciligung nichts gelegen ist. und daß es dem Verein durch besondere Anstrengungen gelungen ist. Sabbat freie Stellen zu schaffen, so beweisen diese