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Der Israelit · 1902-01-30 · Heft 9 (30.1.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 9 (30.1.1902)
Date
1902-01-30
Page
– (sequence 9)
Language
German
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43» Jahrgang! xftc Aeikage zu M 9 des „Israelit." Leitende Artikel. Kiii neuer religiofer herein im UtiolmK. Euskirchen, 27. Januar. Unter zahlreicher Betheiligung wurde Sonntag, den 19. ds. Mts., hier ein Verein gesetzestreuer Israeliten Rheinlands gegründet. Der hehre Zweck des Vereins ist die Erhaltung und Ausbreitung echter und wahrer Religiosität. Es wird ein Vereinsrabbiner angestellt, der öfters im Jahre in den Gemeinden, welche des Predigers entbehren, religiöse Vorträge hält, und dessen Aufsicht die Religionsschulen, die Schechita re. unterstellt werden sollen. Nachdem Herr Hanauer- Euskirchen die Erschienenen herzlich begrüßt "hatte, übernimmt Herr Munk- Köln den Vorsitz der Versammlung und ertheilt das Wort Herrn Rabbiner Dr. Wolf- Köln zu einer mit großem Beifall aufgenommenen Rede. Der Redner sagte nach kurzer Einleitung etwa folgendes: „Zu großem Beginnen sind Sie hierher geeilt. Zahlreich ist die Schaar derer, die die Mühen des Weges nicht scheuten, das große Werk mit ihrer Person zu gründen, uns zu ermuthigen, uns zuzurusen: „Eure Ziele sind die unsrigen. Und im Vertrauen auf.den göttlichen Beistand fassen wir Muth. Denn, sehet, nicht neu ist die Idee, die hier angeregt wurde. Hat sie doch eine lebensfähige Gestalt in unserer Nachbarprovinz Westphalen schon längst gewonnen. Heute fährt sich zum sechsten Male der Tag, da am 79. Januar — wie heute — wackere Männer sich zusammenthaten, um auf dem Boden des größten Abfalles eine Stätte für Gottes Hciligthum hochragend zu errichten. Wer hätte es vor einem Dezennium noch geahnt, daß in Westphalen ein Gedanke gewissenhaftester Gesetzestreue Anerkennung und Anfang finden würde.— Das Unglaubliche ist glaubhaft geworden. Und schon arbeitet der zweite Rabbiner an der Ueberwachung des mit Nichten unfruchtbaren Bodens. Wer an der Möglichkeit zweifelt, den jüdischen Gedanken zu neuem Leben zu wecken, der zweifelt an der Ewigkeit des Judenthums, zweifelt an der Dauerkraft der Thora, zweifelt an der Beständigkeit ihres göttlichen Spenders. Und wir. die Juden Rheinlands, können fürwahr noch rüstiger an die Arbeit gehen. So sehr ist bei uns der Niedergang religiöser Gesinnung noch nicht eingetreten. Ein zeitiges Anklammern an einen Stützpunkt vermag den Sturz zu hindern. Denn was hier fehlt ist weniger der Begriff des Judenthums, als der einheitliche .Gesichtspunkt, von dem aus das Judenthum erfaßt werden muß, ist weniger der Mangel an Gemeinde-Institutionen, als das Verständniß für dieselben, ist weniger Verachtung, als Unkunde des Gesetzes. Unsere Gemeinden sind zumeist geleitet von Lehrkräften. denen selbst ihr Judenthum am Herzen liegt, ihr altes, echtes, wahres Judenthum der Ueberlieferung. Die Jugendbildner, sie, die Zukunftsträger haben wir zu Freunden unserer Sache; sie ersehnten nur den Augenblick, der sie zusammenführte um einen Mittelpunkt, von dem aus ihnen Unterstützung und Anregung werden könnte. Unsere Gemeinden sind zumeist verwaltet von Vorständen, welche es ernst nehmen mit ihrer Pflicht, mit der als ehrende Würde ihrer Gemeinde sie betraut. Sie fühlten es stets bei sich, daß die Verwaltung der Gemeinde und Institutionen ihnen eine Verantwortung aufbürde, deren Uebernahme eine gründliche Kenntniß der einschlägigen Religionsgesetze erheischt. Sie freuen sich darob, daß der Gewissensdruck von ihnen genommen wird, und daß sie fortan wissen werden, wo sie sich Raths erholen lönnen. Unsere Gemeinden selbst, ihre Mitglieder, sind zumeist erfüllt von dem Streben die Anforderungen des Religionsgesetzes zu erfüllen in Lehre und Leben.. Schule und Haus, daheim und auf der Reise, bei der Jugend und dem Alter, bei Jünglingen und Jungfrauen. So eilen sie denn alle freudig bewegt, mit emsiger Hand die Bausteine hin zu tragen zu dem Platze, auf welchem in die Zeiten ragend ein Gottes Heiligthum sich erheben, soll." Nach der Ausführung des Gedankens von der Ewigkeit des jüdischen Volkes und seines Gesetzes, gegenüber den Anschauungen des jeweiligen Zeitgeistes und gegenüber den Feinden des jüdischen Volkes, schloß der Redner: „Diese Woche begehen wir den 15. Schewath, einen Tag, an . welchem nach alter Ueberlieferung der Lebenssaft von Neuem eindringt in die Bäumei Schneebedeckt, frostdurchbebt, sturmgereinigt, starrt in Eiseskälte im Winter die Natur. Traurig, welk scheint ihr Antlitz, und wir ahnen nicht das leise Weben in. der Werkstatt des organischen Lebens; und die Zellen und die Adern füllen sich mit Saft und bereiten sich vor für das fröhliche Fest des Frühlings, zu . dem sie sich in Blätter- und Blüthenschmuck kleiden. Dem Auge nicht sichtbar sammeln sie die Kraft, durchdringen sie mit Lebenswonne und lispeln leise von Lenzesluft. Auch wir kennen solchen Baum; es ist kein Baum der Natur, es ist ein Baum auf dem Boden des Geisteslebens 2”np> iw am Es ist der Baum der Lebenserkenntniß — der Thora. So laßt auch uns in dieser Wirkung, die der Werberuf weniger geübt, den Frühlingshauch des religiösen Lebens inmitten der Erstarrung begrüßen,

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