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Der Israelit · 1902-01-30 · Heft 9 (30.1.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 9 (30.1.1902)
Date
1902-01-30
Page
– (sequence 5)
Language
German
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305 Termine wahrzunehmen. Er war jedoch nicht erschienen, sondern hatte sich schriftlich damit entschuldigt, daß er verreist sei. Wie es heißt. soll Böckler sich in der Schweiz befinden. Posen, 23. Jan. lieber den Antisemitsmus der Beamten in der Provinz Posen klagt die „Posener Zeitung": Die Juden seien ein wesentlicher Vruchtheil der deutschen Bevölkerung: „der gebildete wohlhabende Jude in der größeren Sladt hat manches Mittel an der Hand, nm den gesellschaftlichen Antisemitismus von sich fern zu halten und ihm, wenn es Roth thut, auch einmal die Zähne zu zeigen; der kleine Mann in der kleinen Stadt leidet unter der Misere Tag für Tag und Stunde für Stunde. Auf diesem Gebiete hat das Bcamtenthum unendliches gesündigt; wollen die leitenden Männer im Osten mit ihrem jetzt offenbar vorhandenen Wunsche, hier Aenderung zu schaffen, durchdringen, so werden sie manches Mal fest zugreifen müssen. Ist aber einmal von dem Antisemitismus die Rede, so muß u.och eines hinzugefügt werden. Wie die Juden im preußischen -Osten sich immer als Deutsche gefühlt haben, so werden sie es auch in Zukunft thun. Viele unter ihnen hegen dieses Gefühl mit besserem Recht, als mancher Antisemit, der gegen sie hetzt. Soll ihnen das Leben in kleinen Städten leichter gemacht werden, so ist es gewiß ganz richtig gehandelt, wenn vor Allem die Staatsbeamten sich etwas zugeknöpft zeigen und sich von dem Antisemitenpöbel fern halten. Will inan aber die Juden und namentlich diejenigen unter ihnen, denen man eine gewisse Bedeutung unter ihren Glaubensgenossen oder im bürgerlichen Leben der Städte beimißt, wieder für die thätige Theilnahme am nationalen Leben gewinnen, die einst ihre Väter bewiesen haben, um schließlich die schmählichste Enttäuschung zu erleben — will man das erreichen, so ge^ nügt es keineswegs, mit nickt ganz zwangloser Grazie eine zu nichts verpflichtende gesellschaftliche Annäherung anzustreben. Wer es mit den Juden gut meint, der kann ihnen nur rathen, solches Entgegenkommen höflich zu acceptiren, im klebrigen aber die Position, die die Selbstachtung seit Jahren ihnen anweist, nur dann zu verlassen, wenn ihnen in bündiger Weise dargethan wird, daß man sie nicht länger, als Staats; bürger zweiter Klasse ansieht." Eydtknhnen, 25. Jan. Im Anschluß an den Hauptgottesdienst fand heute in unserer Synagoge ein Festgottesdienst ans Anlaß des Geburtstages unseres Kaisers statt und trug unser neuer Kultusbeamter. Herr I a f f e. in wobltönender Stimme die Psalmen 21, 61 und 72 vor. In das Gebet für den Landesväier wurde eine Ertra-Benediltion für das Herrscherhaus eingeschaltet. — Herr Rabbiner Göttlich konnte heute seine Funktion nicht erfüllen, da er leider seit Wocken erkrankt ist. Eduard S e g a l l. Hanau, 28. Jan. Ki sewach mischpocho lonu bo-ir. Eine Familienfeier wird zum Festtag für unsere Gemeinde. So begann unser Herr Rabbiner seine Festrede am vergangenen Erev Schabbos kaudesch Beschalach, woselbst er die Einweihung eines Sefer Thorah vollzog. Herr Samuel S ch w a b ließ dasselbe anläßlich der Barmizwoh seines jüngsten Sohnes schreiben lind schenkte es der Gemeinde, .rrbst einem reichgestickten Mäntelchen. Die Feier fand in der festlich geschmückten Synagoge nach dem herkömmlichen Ritus, Singen von | Wajehi binsaua Mismaurim etc. statt; es wurden Ha- Z kofoth wie am Simckas Thauroh gemacht. Der Text der Festrede war Ps. 29, Vers 8 u. 9. die unser Herr Rabbiner glänzend auslegte. Rödelheim, 26. Jan. Von allen Einrichtungen,, die aus dem Geiste der jüdischen Lehre hervorgegangen 8 und die durch das moderne Vereinslebcn noch nicht I verdrängt worden sind, seit Jahrtausenden in ihrem 8 stillen Wirken den Schmuck jeder jüdischen Gemeinde | bildend, nehmen die heiligen Brudergemeinschaften, die | dem scheidenden Genossen die letzte milde Thal erweisen, unstreitig den hervorragendsten Platz ein. Die in diesem Geiste wirtende. seit vielen Jahrzehnten in unserer Gemeinde bestehende Ehevra Kadischa, beging vor eini-! gen Tagen eine erhebende Feier, worüber zu berichten mir hiermit vergönnt sein möge. - Es hatte sich erwiesen, daß die im Besitze der ß Ehevra sich befindliche Sefer Thora nach fast neunzig- | jährigem Gebrauch durchaus' unbrauchbar geworden 1 und durch eine neue ersetzt werden müsse. Manschritt | daher zur Neuanschaffung einer neuen Sefers und wurde Herr Sofer M. Schreiber zu Frankfurt a. M. | damit beauftragt, der eine solche in gediegener Aus- 1 führung besorgte. Die Einweihung fand im Beisein j der fast vollzähligen Gemeinde in hiesiger Synagoge statt. Nack Ausfüllung der ersten und letzten Buch- 1 staben wurden zwischen dem Mincha- und Maarivj - Gebet zwei Thorarollen in feierlicher Weise ausgehoben j und mit diesen die neue Sefer Thora aus dem gegen- 1 überliegenden Gemeindehause in die festlich erleuchtete | Synagoge gebracht. Herr Lehrer Zinkes hielt. 1 hierauf die Festpredigt, in welcher er in gehaltvollen | Worten der Feier dieses Tages und deren Veranstalter ' l gedachte, sowie, die Bedeutung einer Sefer Thora als | Gotteszeugniß erläuterte. Mit einem ergreifenden Gef bet schloß die Predigt. Der erste Vorsteher der Ehevra 1 Kadischah, Herr Hermann Hammel, spendete.ein feingesticktes Mäntelchen für die neue Thorarolle. Ein f Festmahl bei Restaurateur Neuhof in Frankfurt.a. M. f vereinigte die Ehevra-Mitglieder zu einem Harmonischen 1 Beschluß der Feier. 1 Möge unsere Bruderschaft auch fernerhin in ernster | Pflichterfüllung immer tüchtiger und immer erfolg- J reicher ihrem Ziele znstreben und stets segensreich ihren | Pflichtkreis erweitern. Hch. Hl. | Miinckcn, 26. Jan. Am Dienstag, 21. Januar. f beehrten Se. Kgl. Hoheit der Prinz-Regent Luitpold \ von Banern die Kunst-Zinngußwaarenfabrik der hier-' 1 orts rühmlichst bekannten Firma Gebrüder T h a n njj Hauser mit Ihren» allerhöchsten Besuche.;! Empfangen von Herrn Joseph Thannhauser, be- I sichtigte der greise Fürst mit eingehendem Interesse, mit > staunenswerther Rüstigkeit das ganze Etablissement bis

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