Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 9 (30.1.1902)
- Date
- 1902-01-30
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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302 E'btts B-nnb CCTCS 277! TiUl T2“6 C28V. „Ich danke Dir. mein Gort, daß Du mir meinen Theil unter denen angewiesen hast, die im Lehrhause, und nicht unter denen, die im Cirkus sitzen. Sowohl sie, als auch ich. wir machen uns früh auf; jedoch mit dem Unterschiede, daß ich mich um die Worte der Thora beeifere, sie dagegen um nichtiger Dinge wegen." c^cy dt. bcv 'ix 128» C^ZpC C:\S7 D'tej? ET 128» °?2pc *>83? '.X. „Sowohl ich, als auch sie — wir bemühen uns; jedoch mit dem Unterschiede, ich bemühe mich und werde dementsprechend belohnt, sie aber haben die Mühe, — aber keinen Lohn zu erwarten." "r6 p *;x cm tT *p 'jx nne» 1x2^ cr.i . cm rnyn- „Ich sowohl, wie auch sie — wir laufen; jedoch mit dem Unterschiede, ich eile dem ewigen Leben entgegen, sie dagegen eilen, um so schnell wie möglich in die Schlucht des Verderbens zu stürzen." (Berach. 28.) Nach dem, was wir hier vernommen, wird es sich am Ende Herausstellen, daß dasjenige. was wir als die Errungenschaft unserer Bildung ausgcben, im Grunde nichts anderes als die Schmach unserer größeren Thorheit ausmacht. Nun allerdings erhebt sich erst recht die Frage: Woher denn diese seltsame Erscheinung? Einestheils halten wir uns unseren Vorfahren gegenüber für weit überlegen, während wir, bei Licht betrachtet, eigentlich ihnen weit, weit nachstehen. Die Antwort ist demnach leicht gegeben. Zunächst tauchen' bei uns Gewissensfragen, bei denen wir das Vedürfniß hätten, nach dem Rathe der Thora zu fragen, sehr selten auf. Das ist schon an sich eine tieftraurige Thatsache. Wenn eine solche sich nun ausnahmsweise einmal gar geltend macht, so hält sich Jeder für weise genug, die Sache nach seinem Verstände auszutragen. . Es ist zwar eine alte, hausbackene Regel: rxci >ix 'ex rrcb xcxc nH „Wer an irgend einem Gliede einen Schmerz verspürt, der gehe zum Arzte." (Baba Kam. 46.) Aber, frage ich, ist denn der Finger ein Ding, das so gar unbekannt ist, so sehr ferne liegt, — warum will man denn nicht hier ebenfalls den eigenen Witz zu Rathe ziehen und nach eigenem Gutdünken handeln? In diesem Falle kommt einem jedoch die weise Vorsicht stets noch rechtzeitig zu Hilfe. Man denkt: aus dem Schmerz des Fingers kann leicht ein Schaden der ganzen Hand entstehen, schließlich der gesammte übrige Leib davon ergriffen werden und der ganze Mensch daran zu Grunde gehen. Wo es sich aber um die Angelegenheiten des religiösen Gewissens handelt, da denkt man beim Auftauchen des ersten Schmerzes, der inneren Zuversicht voll: opfern wir ruhig einen Finger, wir behalten ja noch die ganze übrige Hand. Greift dann der Schmerz über die Hand hinaus, so sagt man weiser: laß ruhig die Hand fahren!, wir behalten ja doch noch den'ganzen übrigen Leib. Hat doch eine gütige und fürsorgliche Natur dem Menschen zwei Hände geschaffen, damit er, wenn die eine verloren geht, die andere in Reserve halte. So greUt der Schaden immer weiter und weiter, bis schließlich der ganze Leib verdirbt und der Mensch seinem Gotte verloren ist. Bekannt ist, was man sich von einem neumodischen Rabbiner erzählt, der seine junge, schöne Frau am Arme führend, auf einem Balle erschien. Ein der vornehmen Lebewelt angehörender \ junger Mann machte sich an ihn heran, begrüßte ihn j höflichst und fragte: „Herr Rabbiner, darf ich mir er-? lauben, die erste Tour mit Ihrer werthen Gemahlin zu tanzen?" „Mit dem größten Vergnügen." erwiederie jener, „doch muß ich Ihnen bemerken, daß dies die erste Schaaloh ist, die mir gestellt wird, trotzdem ich schon mehr denn zehn Jahre hier am Platze Rabbiner bin." Andere werden wohl nicht in dem gleichen glücklichen Falle sein. Aber merkwürdig bleibt nur eines, daß einem so leicht keine Schaaloh unter die Hände kommt, die sich nicht irgendwie auf einen Trauerfall bezöge. Hat denn die Thora hier im ganzen Leben gar nichts mehr zu sagen, so daß ihr nur noch der Friedhof der Todten allein als einziger Bereich übrig geblieben ist? Wir nennen unsere Lehre eine Unterweisung für ca rrr.rh wir feiern unsere Gebote als cn \Trt als Gesetze für das Leben; wir erheben uns zur höchsten Einsicht, wenn wir Gott bekennen, nciL ys: nb'y. daß er durch seine Thora ewiges, unverwüstliches Leben in unserer Mitte gepflanzt — und siehe da, wir haben aus einmal für dieselbe gar keinen Platz mehr in dieser Welt und versetzen sie auf den Todtenacker! O, um diese Verkehrtheit! Was jedoch jenen neologen Rabbiner mit seiner ersten Schaaloh betrifft, so hat er damit ja eigentlich — fast möchte man sagen — gegen seinen Willen sich und feinen Stand lächerlich gemacht. Woher kommt es denn, daß unser Volk keine religiösen Gewissensangelegenheiten mehr hat, für welche es den Rath der Thora einzuholen sich verpflichtet sieht? Das ist eben ausschließlich die Schuld der neologen Rabbiner. Sie waren es ja, welche die Gewissen schlaftrunken gemacht haben. Sie waren es. die an Stelle der Lehre, die uns Mose geboten, ein buntes Schellengeklingel von hohlen Phrasen gesetzt, wo einem fortwährend die gleißnerischen Redensarten von: Humanität, Menschenthum, Nächstenliebe, Edelmuth, innerer und äußerer Mensch, Ewigkeit. Seligkeit. Welimission, — um die Ohren schwirren. Unsere Vorfahren.haben niemas von diesen Dingen gesprochen und dennoch diese Tugenden alle im vollsten Maße besessen. Sich ihrer rühmen, bedeutet in unserem Falle ebensoviel, als wenn ein gesunder Mensch von seinem regen Hunger und heißen Durst viel Aufhebens machen wollte. Was aber die vielgeseierte . Nächstenliebe betrifft, so glaube ich kaum, daß sie eine vorwiegende Tendenz unseres Zeitalters bildet. Nun geht uns ein neues Licht über eine seltsame Bemerkung in der xrö'ca auf. Es heißt dort im Anschluß an unfern Text: 122 2»'x tsp bxv an 121a cyn ’bx X2v ’2 icxb an« nxi no bx^c pn j* M 8rrrh icx XN8»2 — 1CX' .12 ixv ex & icx — T rix vrrf> iex nc cpbx „Juda, aus dem Dorfe Acco, fragte den Rabbon Gamliel: „Wie kam denn Mose dazu, Jithro zu antworten: ’pbx whnb oya Hx X2' '2. „das Bolk