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Der Israelit · 1902-01-30 · Heft 9 (30.1.1902) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 9 (30.1.1902)
Date
1902-01-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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48. Jahrgang Jfä 9. er Asm Ein Gentrat-Hrgan für das orthodo.re Zudenthum. Begründet von Dr. ITeljmmm-in Ifttahtf. Donnerstag, den 3 0. Januar 5662 (1902). Leitender Artikel Mus ist Iudenthum? Betrachtung zu ‘nJV nSTß. Von Rabbiner Dr. Daniel Fink—Wien. Wenn wir die religiöse Führung eines großen Tbeils des heutigen Israels auch mit weitgehendster Nachsicht betrachten, so kann es dennoch keinem Zweifel mehr unterliegen, daß man sich längst nicht mehr auf der Grundlage bewegt, auf welche die Thora uns gestellt hat. Die Frage kann höchstens dahin gehen, wie weit wir uns von jenem Standpunkt bereits entfernt haben. — Das läßt sich, wenn wir in Einzelheiten uns nicht verlieren wollen, in kurzen Worten gar nicht so leicht sagen. Dennoch wird uns in der laufenden Sidrah ein Vorfall geschildert, an welchem wir einen diesbezüglichen Maßstab gewinnen können. An deinselben wird sich leicht feststellen lassen, wie groß der Abstand zwischen unserem Leben und den Anforderungen der Thora schon geworden ist. Gesetzt den Fall, es gehe heutigen Tages Jemand über die Straße. Plötzlich bemerkt er, wie von allen Seiten Männer, Frauen, Jünglinge und Jungfrauen — kurz Menschen jeden Standes und jeden Alters herbciströmen. Sie sammeln sich an einem Orte an — ihre Menge wird immer größer und großer — Jeder drängt sich vor und möchte der Erste sein, indeß die andern in unverwüstlicher Geduld ausharren, bis die Reihe auch an sie kommt. Welcher Gedanke wird uns bei solchem Anblicke wohl zuerst auftauchen? Kein anderer, als: Wird hier Cirkus gespielt, oder Theater.aufgesührt? Wie viel kostet der Eintritt? Daß es auch eine andere Macht geben könne, die auf alle Menschen ohne Ausnahme eine derartige Anziehung ausübe, das wird uns dabei niemals beifaüen. Merkwürdiger Weise erzählt uns unsere laufende Sidrah ebenfalls von einem solchen Menschenauflaufe. Der Anlaß dazu war aber weder Theater noch Cirkus, sondern br oyn Ttaw on-n» wo ipKaw run ny npnn jo mro. „Es geschah 'am folgenden Tage, da setzte sich Mose, um das Volk nach dem Rechte zu untertveisen; und das Volk drängte sich um ihn -— vom Morgen bis zum Abend." . In der That ein für unsere Verhältnisse ganz ungewohnter Anblick! Es taucht da vor unseren Blicken eine Schaar von Menschen auf, um sich nach dem Rechte der Thora unterweisen zu lassen. Sie weiß sich hierbei von demselben Eifer beseelt, den wir nur aufbringen, wenn es sich um Cirkus und Theater handelt. Saget, soll man in uns noch die Enkel jener Vorfahren erkennen? Allein man wird dem entgegenhalten: das ist ja eben bei uns etwas ganz anderes. Unsere Vorfahren waren einfache Leute— wir aber sind gebildet und als solche haben wir auch unsere — noblen Passionen. Demgegenüber muß jedoch gefragt werden: Wo soll denn hier eigentlich die Bildung stecken? Wer ist denn die Hauptperson im Cirkus — ein Narr, und was ist seine Kunst? — Er versteht es, einen zehnfach größeren Narren zu spielen, als er von Natur aus schon ohnehin ist.-- > Wir hätten allen Grund, einer solchen Bildung uns recht zu schämen. Andere wieder werden vielleicht behaupten, unsere Vorfahren haben derartige Vergnügungen. wie überhaupt den rechten Genuß von öS? r.in nicht gekannt. Was wunder, wenn sie glaubten, es wäre auf der ganzen weiten Welt nirgends schöner, als im Beth-Hamidrasch. — Die so sprechen, sind aber wiederum nicht gebildet, denn sie wissen zunächst nicht einmal, daß die menschlichen Thorheiten ebenso alt sind, wie die Menschen selbst. Davon abgesehen, beweisen uns gerade die Worte eines unserer alten Weisen, der noch zur Zeit des. heil. Tempels lebte, genau das Gegentheil. Wenn er aus dem Lehrhause ging, dann betete er: m» pbn ns» vb) -rono •opto ’p^n -t 7»^ '.n *— v'-po *:ki oto9 ene* nnp

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