Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1902)
- Date
- 1902-01-27
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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195! | I | Angedenken der beiden verstorbenen Mitbürger, Herrn Adolf Schlesinger und Herrn Herrmann Fröhlich, die in iverkthätiger Menschenliebe und in edler, humaner Gesinnung dem Vereine das wärmste Interesse allezeit entgegenbrachten. Aus dem Jahresbericht entnehmen wir, daß der Verein, der 854 Mitglieder zählt,' auf eine überaus ersprießliche segensreiche Wirksamkeit zurückblickt. Auf mannigfachen Gebieten humanitärer und gemeinnütziger Thätigkeit, in der Krankenpflege, in der Entsendung siecher Kinder nach Heilstätten, in der Verabfolgung von Geld und Materialien an bedürftige Familien, in der Ausbildung von jungen Mädchen im Handarbeitsunterricht, sind ausgezeichnete Leistungen zu verzeichnen. Besonders ist die neue Einrichtung der Kindersvarkassen hervorzuheben. Das Kind soll dem Kinde helfen. Das Ergebniß der Kindersvarkassen ist dazu verwendet worden, armen, schwächlichen Kindern im Sommer Kurgebrauch oder Landaufenthalt angedeihen zu lassen. Aus dem Kassenbericht, den die Rendantin Frau Emma Bujakowski erstattete, ist zu entnehmen, daß die Dereinskasse im Berichtsjahre eine Einnahme von 8088 Mk. 68 Pfg., worin der Ertrag einer Wohlthätigkeitslottcrie miteinbegriffen ist, und eine Ausgabe von 6166 Mk. 50 Pfg. zu verzeichnen hat. Nach Erledigung des geschäftlichen Theiles hielt ein solennes Festessen dir Versammelten noch lange Zeit beisammen. Der Gemeinde-Rabbiner, Herr Dr. Münz und der Gemeinde-Vorsteher, Herr Rechtsanwalt Schüller, widmeten Morte der Anerkennung der unermüdlichen Thätigkeit des Vereins und. der Vorstandsdamcn und wiesen mit markigen Worten auf die idealen Ziele hin, die von Allen in treuer, menschlich edler Gemeinschaft erstrebt werden. Eine Fest-Vorstellung beschloß die schonen, gemüthvollen Stunden. Mcmcl, 22. Jan. (Seltene hebräische Bücher.) Die Freunde der hebräischen Litteratur werden es vielleicht mit Freuden begrüßen, wenn' ich von dem Vorhandensein folgender Bücher hierdurch Mittheilnng mache. Diese Bücher sind: 1) Eine alte Ausgabe der „Propheten und Hagiographen crsrr! 2) Eine alte Hagadah tze» rrn n2v . aus dem Nachlasse des längst verstorbenen Königsberger Rabbiners Rabbi Jakob Zewi Mecklenburg, mit zahlreichen handschriftlichen Anmerkungen und Randbemerkungen des berühmten Mannes. Bei der hohen Dedeuiung Mecklenburgs dürste auch dieser litterarische Nachlaß desselben einer Ausbeute Werth sein. Emil Benjamin. (Wir werden die Werke prüfen und event. eine Drucklegung derselben veranlassen. Red. d. ..Jsr.") Tchlvcinfurt, 24. Jan. Der Bäcker Johann Schmidt aus Nvrdheim (Rhön), welcher den Metzger Aron Baum in Nordheim der Fleischbesudelnng beschuldigt hatte, ist wegen verleumderischer Bezichtigung vom hiesigen Landgericht zu sechs Monaten Geiängniß, Zahlung einer Entschädigung und Urtheils- Publikation verurtheitt worden. Okriftel. 21. Jan. Einen tiefschmerzlichen Der* lust bat unsere Kultusgemeinde erlitten. Am vergangenen Donnerstag, 16. b Mts., verschied im Rothschildschcn Hospitale zu Frankfurt a. M., unser langjähriger Religionslehrer und Vorbeter, Herr Eman. Mannheimer nach kurzem Leiden. Geboren in dem kleinen Nassauer Orte Kemel, widmete er sich schon in frühester Jugend dem schlveren aber idealen Berufe eines jüdischen Lehrers, übernahm nach einer reiflichen Vorblidung die hiesige Stelle, auf der er ununterbrochen über 61 Jahre segensreich wirkte. Seit nahezu einem Menschenalter lehrte und verbreitete er die heil. Lehren unserer Religion und schaffte nach Kräften an der Stärkung und Kräftigung des Judenthums. Aus Anlaß seines 60jährigen Amtsjubiläums erhielt er von Sr. Maj. dem Kaiser den wohlverdienten .Kronenorden mit der Zahl 60. c. Die Beerdigung fand am Sonntag, 19. d. Mts., in Frankfurt a. M., auf dem Friedhofe der isr. Religionsgesellschaft statt und zeugte die zahlreiche Betheiligung von der Liebe, Hochachtung und Sympathie, die sich der Verstorbene im Leben zu erringen verstand. Wir bemerkten außer den Mitgliedern seiner Gemeinde, frühere Schüler und mehrere Kollegen, auch viele Vertreter der hiesigen christlichen Konfessionen, und eine unabsehbare Menge von Freunden des Verklärten. die herbeigeeilt waren, ihm die letzte Ehre zu erzeigen. Auf dem Friedhofe hielt zunächst Herr Lehrer Ledermann aus Höchst a. M. die Trauerrede, in welcher er dem Dahingeschiedenen herzliche Worte widmete und seinen hervorragenden Charaktereigenschaften, namentlich der Lauterkeit seiner Gesinnung und seinem segensreichen Wirken in jeder Hinsicht gerecht wurde. Sodann nahm der würdige Sohn dieses Lehrerveteranen. Herr Abraham Mannheimer in Dettelbach, das Wort und rief seinem unvergeßlichen Vater einen letzten Abschied: -jS zu. Er gedachte tiefergriffen des theuren Todten, der ihm und seinen Geschwistern nicht nur Bildner und Erzieher, sondern auch der Lehrer in des Wortes Bedeutung gewesen. Das Andenken dieses Biederen wird unvergessen fortleben; möge ihm die Erde leicht sein. Jbri. Dänemar k. Kopenhagen, 19. Jan. Zum. Repräsentanten anstatt des wegen Augenleiden abgegangenen Herrn Redakteurs N ä t h a n s o n, von dem ich Ihnen unlängst schrieb, wurde nun Herr Fred. E. S a l o m o n gewählt. Derselbe — Vorstandsmitglied der Israelis. Schule hier — entstammt einer sehr frommen Familie und hat sehr viel Interesse für das Gedeihen des Judenthums, dem er sowohl Zeit als Gelb opfert, und wurde seine Wahl mit allgemeiner Freude begrüßt, da er, noch in bestem Alter stehend, viel Gutes leisten kann. — Ein älteres Mitglied des Repräsentanten- Kollegiums. Herr Obergerichts-Anwalt Ludwig S i - monson. ist zum Wirkl. Etatsrath ernannt worden. Ph. E.