Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1902)
- Date
- 1902-01-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Refor m p arter, zu Ehren ihres geistigen Leiters, geworden und wenn die jetzigen Parteigenoffen des Herrn Rabbiners Dr. Frank auch am Jubiläumstage so spärliche Gäste im Gotteshause gewesen wären, wie sie das ganze Jahr hindurch sind, dann hätte nur ein recht kleines Häuflein seiner Getreuen die große Kölner Gemeinde im Festgottesdienste vertreten. Sehr gespannt ist man in konservativen Kreisen, wie der .Herr Rabbiner Dr. Frank von jetzt ab'seine Predigten gestalten wird. Sein Programm, die Grundläge seiner Ausführungen, ist doch jetzt etwas anders geworden; wie wird es da dem sonst recht geschickten Dialektiker gelingen, das richtige Milieu zu finden, die B r ü ck e zu schlagen zwischen ei n st und jetzt? Wir sind im Hinblick auf die Lage, die sich Herr Rabbiner Dr. Frank s e l b st geschaffen, recht gespannt darauf, wie sich der gewandte Redner mit seinen konservativen Zuhörern in den beiden Synagogen (und konservativ sind diese regelmäßigen Zuhörer bis auf einen verschwindenden Bruchtheil) nunmehr abfinden wird. Seine demnächstigen Predigten und Vorträge gewinnen dadurch ein erhöhtes Interesse, da sie den beredten Herrn Prediger vor eine neue, un- - zweifelhaft recht schwierige Aufgabe stellen. Am Montag Abend, den 20. d. Mts., fand die Konstituirung des neuen konservativen Vereins statt, welcher den Namen „I ü dis ch e r Volks v e rein" erhielt und bestimmt ist, den Kampf gegen die Reformpartei aufzunehmen, insbesondere die Abwehr der unserem Gotteshnuse drohenden Gefahren herbeizuführen. Die Zwecke des Vereins sind genau dargelegt in folgenden statutarischen Bestimmungen: 1) Erhaltung und Förderung des öffentlichen Gottesdienstes und der Gemeinde-Einrichtungen in Köln, im Sinne des jüdischen Religionsgesetzes und der Tradition. 2) Förderung des religiösen Lebens und der gemeinnützigen Anstalten der Gemeinde. 3) Die Wahl von Männern in die Gemeindeverwaltungen, welche die erwähnten Grundsätze vertreten. Dem aus 15 Mitgliedern bestehenden Vorstande gehören alle Kreise der Gemeinde an, darunter befinden sich zwei Vorstandsmitglieder und zwei Repräsentanten. Der neue Verein soll durch öffentliche Vorträge in den Vereinsversammlungen, sowie durch Veröffentlichungen in der jüdischen Presse, für die Verbreitung konservativ-jüdischen Geistes wirken und den zersetzenden Bestrebungen der Reformer, die mit ihrer Agitation bisher das Feld allein beherrschten und beackerten, einen wirksamen Widerstand entgegensetzen. Es ist dies keine besonders schwierige Aufgabe. Die sog. „Liberalen" haben ihr Pulver bereits verschossen, die ewige Anführung ein und derselben Beschönungen für ihre die Zerstörung des jüdischen Gottesdienstes bezweckenden Bestrebungen wirkt auf die Dauer selbst auf deren eifrigsten Freunde langweilig. Und Neues läßt sich mit dem besten Willen nicht bringen, sonst wäre es wohl längst geschehen. Die Reformer lassen sich auf eine ernste Beweisführung überhaupt nicht gerne ein, weil sie zu gut wissen, daß ihr ganzes Gebäude in der Luft schwebt und der leiseste Windhauch es erzittern macht. Daher gehen sie jeder ern st haften, auf den Gesetzen der Logik aufgebauten Auseinandersetzung „ängstlich aus dem Wege und begnügen sich mit alten, längst abgethanen Phrasen," ohne jeden Gehalt. Aber selbst bei ihren guten Freunden verfangen diese Phrasen nicht mehr so recht, es müßten neue gefunden werden, und das ist schwer. In dem Maße aber, wie die „Schlagworte" der Liberalen" ihre Zugkraft einbüßen, verliert die ganze, künstlich genährte Bewegung an Boden und wird schließlich in sich zusammensinken müssen. Denn ewig und unbesiegbar i st und bleibt das Judenthum in seiner schlackenlosen Reinheit und sonnenklaren. unvergänglichen Schönheit! Seinem hohen inneren Gehalt gegenüber versagen die schönsten Phrasen und die alten und modernen Schlagworte unserer Reformer, die zunächst mit der Reform „an sich selbst" beginnen sollten. Sie wäre wohl am nöthigsten. Zeitungsnachrichten und Corresporrdeirzcrr. Deutschland. Berlin, 17. Jan. Gegen den Grafen Pückler- Klein-Tschirne ist ein neues Strafverfahren wegen der bekannten Rede eingeleitet worden, welche er am 17. Nov. v. I. in den Konkordiasälen in Berlin gehalten hat. Graf Pückler sprach damals über seine Verurtheilung in Berlin und Dresden und griff dabei neben den Juden, die er wiederum mit Dreschflegeln auszutreiben befahl, auch die Behörden auf das Schärfste an. da sie nach seiner Meinung, „wie doll und verrückt hinter den Juden herliefen." Wegen letzterer Aeußerung wurde die Versammlung damals von dem überwachenden Polizeileutnant aufgelöst. Die Anklage gegen Graf Pückler richtet sich daher nicht nur auf ein Vergehen gegen die öffentliche Ordnung, sondern auch auf Beleidigung der Gerichtsbehörden und zwar speziell auf Beleidigung der Richter der neunten Strafkammer des Landgerichts l in Berlin, die seinerzeit den Grafen zu einer Geldstrafe von 600 Mk. wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten v.erurtheilt hat. Gleiwitz, 22. Jan. Der „Frauen-Berein" der hiesigen Synagogen-Gemeinde hielt am Sonntag seine General-Versammlung ab. In Vertretung der ersten Vorsitzenden Frau Jenny Schlesinger, die in tiefer Trauer um ihren Heimgegangenen Gatten dem Feste fernblieb, leitete die zweite Vorsitzende, Frau Direktor Paula Zuckerkandel, die Versammlung. Nachdem die Letztere die zahlreich erschienenen Damen, sowie die geladenen Ehrengäste begrüßt hatte, widmete sie in zu Herzen gehender Rede Worte inniger Pietät dem