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Der Israelit · 1902-01-27 · Heft 8 (27.1.1902) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 8 (27.1.1902)
Date
1902-01-27
Page
– (sequence 9)
Language
German
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42* Jahrgang. Meikage zu Jfs 8 de sraelit Leitender Artikel. Mlner Chronik. IV. Herr Rabbiner Dr. Frank in SSt« in Vergangenheit und Gegenwart. -- Der neue konservative Verein, „Indischer BolkSvcrein" in §löln. tNnüidrmI »erboreil. K ö l n. 22. Januar. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde hat den Anschlag der kleinen liberalen Mehrheit des Repräsentanten-Kollegiums aus Beschränkung des Wahlrechts für die Repräsentanten-Wahlen abgelehnt. Gegen diesen Anschlag hatten die konservativen Repräsentanten einen mit dem Hinweise auf die landesgesetzlichen Bestimmungen wohlbegründeten Protest eingereicht. Durch die Ablehnung des Antrages seitens des Vorstandes ist nun dieser Anschlag auf das Wahlrecht glücklich zu Grabe getragen und bleibt abzuwarten, zu welchen neuen Anschlägen der Thatcndrang einiger ihrer Führer die sog. „Liberalen" noch verleiten .wird. In der Gemeinde selbst verschwinden die Erörterungen der Gründe, welche den bisher konservativen Rabbiner Herrn Dr. Frank zu seinem merkwürdi gen Gutachten in der Orgelangeleaenheit veranlaßt haben mögen, nicht von der Tagesordnung. Es fehlt für dessen überraschendes Verhalten thatsächlich jede auch nur irgendwie ausreichende Erklärung. Man denke sich einen Rabbiner, der 26 Jahre hindurch in einer großen Gemeinde amtirte und in seinen Predigten und Vorträgen, in seinen Anordnungen und seinen Amtshandlungen durchweg „konsequent" sein Programm. das er in seiner Probepredigt als das eines Vertreters der Mittelvartei. also der konservativen Partei des Judenthums, „unzweideutig" bezeichnet hatte, vertrat. Den Streit um die Orgel bezw. um die Reform unseres altehrwürdigen Gottesdienstes, hätte er nach der Meinung kompetenter Kenner der hiesigen . Verhältniffe vermöge seiner guten Beziehungen zu den Führern und Leitern der Reformpartei, wahrscheinlich unterdrücken, ganz sicher aber außerordentlich mildern, ihn in ruhige Bahnen lenken können. Aber das Gegentheil geschah. Er, der Rabbiner, der berufenste Prediger und berufsmäßige Stifter des Friedens, wurde zum Rufer im Streite; er vergaß seine ganze Kölner Vergangenheit, sein an heiliger Stätte in glänzenden. formvollendeten Predigten so oft und so exj folgreich bekundetes Eintreten für die ewigen - Wahrheiten unserer heiligen Religion und ihrer Satzungen und Vorschriften und wurde zum geistigen Mittelpunkte der ausgesprochenen Zerstörer unseres Heiligthums, unseres Gottesdien st e s. Auf seine Befürwortung und Billigung der zerstörenden Reformen, auf sein energisches Eintreten für die Einführung einer unzweifelhaft christlich-kirchlichen Einrichtung in den jüdischen Gottesdienst, der Orgel, die nur als ein V o r - l 8 u f e r und Pfadfinder für die weiteren u njüdischen Reformen zu betrachten ist. bezieht sich besonders der gemäßigte Theil der Reformpartei. Und diese gemäßigten Elemente bilden in derselben wohl die Mehrheit. Was nun. so fragt man sich immer wieder von Neuem, war die Triebfeder dieser auffallenden Sinnesänderung eines Rabbiners, der sich bisher als konservativer Rabbiner bekannte und als solcher gelten wollte? Glaubte' er, seine Zeit, sich den Liberalen zu verschreiben, sei gekommen, da zwei bisher als konservativ gesinnt geltende Vorstandsmitglieder der Gemeinde „umfielen" und gegen deren frühere, stets ablehnende Haltung in der Orgelsache nun, nach der Neuwahl des Vorstandes, mit einem Male ihrer bisherigen Stellungnahme in dieser wichtigen Angelegenheit untreu wurden? Sollte es eine Demonstration sein gegen seinen Amtsbruder, Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal in Köln, der in seinem Gutachten überzeugungstreu und mannhaft seinen Standpunkt, den Standpunkt des konservativen. traditionellen I u d e n t h u m s , vertrat? Noch vor Jahresfrist, gelegentlich seines 25jährigcn Amtsjubiläums. entwarf der Jubilar, Herr Rabbiner Dr. Frank, von der Kanzel der neuen Synagoge herab ein Bild seiner ganzen bisherigen, hiesigen Wirkkamkeit. wie er stets bemüht gewesen sei. die Gegensätze auszugleichen, die ewigen Wahrheiten des.Judenthums unentwegt zu vertreten! Und thatsächlich wurde auf seine Anregung auch nur die sog. „Todtenfeier" in den gottesdienstlichen Ritus ausgenommen, die im Jahre dreimal stattfindet, indessen an einer zu großen Ausdehnung leidet; alles klebrige blieb unverändert. Wer hätte damals, vor genau einem Jahre, von all' den Hunderten Zuhörern und Zuhörerinnen, welche dos festlich erleuchtete und geschmückte, prachtvolle Gotteshaus füllten, wohl ahnen mögen, daß schon, nach einem Jahre um den Besitz dieses Gotteshauses ein erbitterter Kampf die Gemeinde in zwei große Heerlager spalten würde und daß in dem Lager der Angreifer der. damalige Jubilar. Herr Rabbiner Dr. Frank, als „geistiger Führer", gleichsam als H c r o l.d des K a m p fe s , zu finden sei?! Hätten. das die Hunderte konservativer jüdischer Männer, die sich an der glänzenden Jubiläumsfeier so stark und erfolgreich bctheiligten, voranssehen können, so wäre jene Feier wohl etwas anders ausgefallen. Die damalige G e - m e i n d e f e i e r wäre lediglich zu einer Feier der SIWJ-Wyi.»|Ll!»»U

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