Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1902)
- Date
- 1902-01-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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191 Hetzern eine schmachvolle Niederlage beizubringen, so arbeiten sie nicht nur in ihrem Interesse und im Interesse ihres Vaterlandes, der Sache der ganzen Menschheit erweisen sie dadurch einen unschätzbaren Dienst. Unsere Feinde sind zugleich die Feinde 'des Fortschritts, denn unsere Interessen sind mit denen der Wahrheit und der Gerechtigkeit identisch. Pi. Kerrillrtorr.. Nach vierhundert fahren. 32] Von Friedrich Roll. Er machte einen Versuch,' die Unterredung in's Scherzhafte zu ziehen. ..Sie sind sehr, sehr strenge, mein gnädiges Fräulein —" „Alfred, ich kann nicht scherzen; nur wenige Stunden sind es. seit sich die Gruft über meinem unvergeßlichcn Onkel geschlossen hat." „Und glaubst Du denn, daß mir ein Scherz vom Herzen kommt? Weißt Du denn nicht, daß man gar oft ein Scherzwort auf die Lippen zwängt, um die aufsteigende Thräne zurückzudrängen?" ..Verzeih'," sagte sie leise, indem sie ihm die Hand reichte, „und — lebe wohl!" „Lebe wohl?" erwiedrrte er, indem er ihre Hand au seine Lippen drückte, „nochmals und abermals „lebe wohl, Geliebte! lebe wohl, meine süße, holde Braut! Ach. wenn Du wüßtest, wenn Tu nur eine Ahnung hättest, was alles ich im Stande wäre fiir Dich, um Deinetwillen zu thun. Du würdest der Zukunft ruhiger und freudiger entgegensetzen. Um Deinetwillen, d. h. wenn Du es wünschest, wäre ich sogar im Stande, einen Juden als Verwalter auf meinem Gute anzustellen." „Um meinetwillen brauchst Du das nicht zu thun. aber das haben vor Dir schon viele der größten, und reichsten Judenfeinde gethan. Oeffentlich schimpfen sie die Juden Betrüger und im Geheimen lassen sie ihre Güter von "luden verwalten und müssen wohl ihre Rechnung dabei finden, sonst hätten sie die jüdischen Verwalter wohl längst fortgejagt." Sie machte eine Bewegung, als ob es jetzt genug des Gespräches sei. „Also lebe wohl, Jsabella-und — Du gestattest, was Du nicht berechtigt bist, zu wehren —" Ehe sie sich dessen versah, hatte er den Arm um sie geschlungen und sie geküßt. „Lebe wohl, meine holde Braut!" Dann verließ er eiligst das Zimmer, wie erschreckt über die eigene Kühnheit. Draußen vor der Thüre aber hielt er an und tiefe Falten lagerten auf seiner Stirne. Er liebte seine Braut zwar, liebte sie leidenschaftlich — aber ihr Geld liebte er kaum weniger. Das jedoch sollte er. allem Anscheine nach, niemals fein Eigen nennen. Holle und Teufel! Wo hatte das junge Mädchen nur die Energie hergenommen, ihm das so gerade in's Gesicht zu sagen? In dem Augenblick, und als er sich daran erinnerte, jetzt eben wieder, war es ihm. als müsse er sie hassen, trotz ihrer berückenden Schönheit. — Aber er mußte auf seiner Hut sein, mußte alles aufbieten, ihre Achtung zu erringen, wenn nicht ihre Neigung. Denn er glaubte, ja, er hielt sich sogar überzeugt, wenn es ihm nur gelingen würde, ihr- Achtung vor ihm einzuflößen. so würde es ihm auch gelingen, sie auch in Bezug auf Gütergemeinschaft anderen Sinnes zu machen. Alles kam darauf an, seine Gläubiger über den wahren Sachverhalt in Unkenntniß zu erhalten. — Ob das gelingen würde? Jsabella hatte ihre Rückreise angetreten; selbstverständlich in Begleitung ihres treuen Pedro. Kurz nach Mitternacht hatte sie ihr Heim erreicht. Ihre Leute waren telegraphisch von ihrer bevorstehenden Ankunft verständigt und hatten den Kindern in der zweiten Etage, die sich täglich erkundigten, ob Fräulein von Rauhenstein nicht bald heimlommen werde, davon Mittheilung gemacht. Doktor Müller war spät am Abend von einem Krankenbesuche heimgekommen, aber er dachte nicht daran, sein Lager aufzusuchen, und kam es ihm auch nicht in den Sinn, wie sonst so oft, die stillen Stunden der Nacht dem Studium zu widmen. Er lehnte vielmehr im geöffneten Fenster und blickte hinaus in die frostige Nacht, in das Schneegestöber, das der scharfe Nordwind ihm direkt in's Gesicht trieb. Auf was wartete er? — Horch, ein Wagen rollte näher und näher, jetzt bog er um die Ecke und hielt gleich darauf vor dem Hause des Doktors. . War es die magnetische Kraft seines Blickes — oder war e§ Zufall? — — Die Aus steigende hob die Augen aufwärts und begegnete dem auf sie gerichteten Augenpaar.— ' . Es war nur ein Moment, aber er genügte Beiden. — — \r.* Der Doktor oben schloß das Fenster und Jsabella schlüpfte, für den Moment froh erregt, in das eigene, ihr so theure Heim. Am folgenden Tage in den späteren Vormittagsstunden kam Frau Müller, um dem jungen Mädchen eine Eondolenzvisite abzustatten. Laut aufschluchzend warf sich Jsabella in die Arme ihrer mütterlichen Freundin. . „Mein armes, armes Kind! — Aber was Gott uns auferleat, das müssen wir in Ergebung tragen.".i. „Aber weiß ich denn, daß Gott es mir aüferlejt hat?" — . . . .. :c. . „Kind! Kind!" - ’rT~7 „Ach, Sie wissen nicht — Sie wissen nicht Alles!" „Doch Kind, wenn ich auch nicht Alles weiß, so weiß ich doch, daß ein Schmerz, der sich wie der Ihre