Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1902)
- Date
- 1902-01-27
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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190 aber auch angeführt, daß man solcher Thierquälerei 1 durch eine feststehende und zum Theile umlegbare Wand leicht abhelfen könnte, denn der jüdische Ritus enthüls leine Vorschriften über Knebeln und Abwerfen, sondern nur über das Schachten. Dazu bin ich nicht der Fachmann, um derartige Vorrichtungen zu treffen, bezw. nicht Mechaniker genug, denn das ist Sache der Mechaniker. Also,- ich bleibe auf dem angenommenen Standpunkt, daß das Schächten der Juden die humanste Todesart ist. bestehen und suche das auch jederzeit wissenschaftlich zu begründen und zu beweisen." O e st e r r e i ch. Brünn, im Jan. Es erscheint auffällig, daß Ihr Berichterstatter „Aus Mahren" in der Regel nur die lokalen Vorgänge in Nikolsburg und die dortigen religiösen Verhältnisse zum Gegenstände seines Berichtes macht. Wenn von den religiösen Zuständen Mährens die Rede sein soll, da ließe sich so manches Interessante auch aus anderen mährischen Gemeinden, wie Holleschau, Boskowitz. Ung. Brod, Straßnitz. Kostel. Damboritz u. a. m. berichten. Speziell in S t r a ß n i tz weht ein reiner, unverfälschter, echt konservativer, für alles Jüdische warmer Geist. Diesen zu erhalten, zu heben und zu fördern, ist unablässiges Streben des Rabbiners Dr. A. Friedmann- und tragen dessen allsabbatlich stattfindenden Vorträgenicht zum geringsten dazu bei, daß der Gottesdienst nach altem, streng-orthodoren Ritus abgehalten und alle Minhagim genau beobachtet werden. In den Volks- und Mittelschulen wird ein gründlicher, jüdischer Unterricht ertheilt und der Jugend streng-gesetzestreuer Lebens Wandel sorgfältig überwacht. Ueberdies lernen einige Bachurim.bei Herrn Dr. Friedmann, die einen rationellen Unterricht in apsre tsv und profanen Wissenschaften erhalten. Kurz, es herrscht daselbst ein religiöses Leben, wie. es zur Zeit, als der große ".B'C ‘ cnn bti dort Qberrabbiner war, nur allgemeiner, aber kaum intensiver war. S ch tv e i z. Basel, 20. Jan. In würdiger Weise verlief die ordentliche Generalversammlung unserer Gemeinde am 5. dss. Mts. Der Jahresbericht und Voranschlag des Budgets wurden entgegengenommen. Letzteres hat die resp. Höhe von Frcs. 43,000 erreicht. Ein Antrag der freisinnigen Vorstandsmitglieder, die Gemeinde solle Frcs. 1000 für einen „freisinnigen" Separatgottesdienst an den hohen Feiertagen bewilligen, wurde auf Antrag des Präsidenten, Herrn I. Dreyfuß-Strauß, mit 66 gegen 21 Stimmen abgelehnt. Mit Akklamation wurde der Vorschlag des Herrn Charles Nordmann angenommen, welcher der Gemeinde das Beth- Hamidrasch für den Gottesdienst an den Wochentagen und für die Chewra"-Vorträge des Herrn Rabbiners zur Verfügung stellt. Der erste dieser Vorträge fand nun am letzten Sabbat statt. Seit bald 17 Jahren hält nun Herr Rabbiner Dr. Cohn diese Borträge, in denen er den alten „Drusch" in neue Formen gießt und die Worte der Weisen und ihre Räthsel" verständlich zu machen sucht. Wie sehr diese gehaltvollen Vorträge Anklang finden, zeigte sich sogleich, indem sich auch das neue Lokal des Beth-Hamidrasch. welches doch über hundert Personen faßt, bereits fast als zu klein erwies, um alle Zuhörer aufzunehmen. Mögen diese Borträge in einem stets wachsenden Kreise Thora und Jirah verbreiten. Während die Baseler Gemeinde mit ihren 2000 jüdischen Seelen bisher keinen eigenen Friedhof erlangen konnte, und ihre Todten unter Opfern und Mühen aller Art in Hegenheim im Elsaß, begraben mußte, ist es einem Jnitiativ-Komitee, an dessen Spitze Herr Bloch-Roos stand, gelungen, die Zustimmung der Regierung zur Errichtung eines jüdischen Friedhofes in Basel zu erlangen; ein Erfolg, der die ganze Gemeinde mit Befriedigung erfüllt. S. Teplitz. Frankreich. Pariei, 20. Jan. Endlich haben sich auch die Republikaner und die ganze freigesinnte Bürgerschaft entschlossen, . den Wahlkampf zu beginnen. „Xlieux vaut tard que jamais* lautet ein bekanntes französisches Sprichwort. Vorgestern hat Francis de Pressense vor einer sehr zahlreichen und urtheilsfähigen Zuhörerschaft einen wundervollen Vortrag über .1.a Kebublique et la coiitre-revoliitioir gehalten, und der glänzende Redner hat an der Dreyfusaffaire entnommenen Beispielen nachgewiesen, welch' große Gefahren die Republit seitens der gewissenlosen, nationalistisch-antisemitischen Agitation bedrohen. Es ist der Mühe werth. festzustellen, daß unsere Feinde zugleich die Feinde jedes Fortschrittes sind. Die antisemitische Reaktion, von der jetzt Frankreich am Vorabende der Wahlen bedroht ist, müssen yrir als Juden und als Menschen bekämpfen. Wir müssen einen unerbittlichen Krieg den Männern erklären, die unsere Bürgerrechte antasten und uns zu Bürgern zweiter oder gar dritter Klasse degradiren wollen. Aber auch als Menschen haben wir die Pflicht, die Pläne der nationalistisch-antisemitischen Demagogen zu vereiteln, i Soll denn Frankreich, das Land, das zuerst die Menchenrechte proklamirt hat, zu den finstersten und schmutzigsten Vorurtheilen des dunkelsten Mittelalters zurückkehren? Soll denn das französische Volk, das der Menschheit einen Diderot, einen Rousseau, einen Pasteur und einen Hugo gegeben hat, jetzt einen Rochefort und einen Drumont zu Führern haben? Das kann, darf und soll nicht sein! Dies wäre eine Schmach I nicht nur für Frankreich, sondern für die gesammte Menschheit. Jeder, der die Verfassung Frankreichs kennt, weiß, welche ungeheure Bedeutung die bevorl stehenden Wahlen auf die ganze innere und äußere Politik Frankreichs haben. Wenn daher die französischen Juden die wenigen Monate, die bis zu den Wahlen bleiben, energisch ausnutzen, um den antisemitischen