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Der Israelit · 1902-01-27 · Heft 8 (27.1.1902) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 8 (27.1.1902)
Date
1902-01-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Bereut, 20. Jan. Unsere Gemeinde hat einen schweren Verlust erlitten. Am Donnerstag, den 16. dss. Mts., haben wir unsern verehrten Kantor und Lehrer, Herrn Marcus Kohn s. A., zu Grabe getragen. Er war ein Priester, aber auch die Tugenden und edlen Eigenschaften eines solchen waren ihm im hohen Matze eigen. Er liebte den Frieden und war sanft und liebenswürdig im Umgänge mit den Menschen. Jm.Tcauerhause und aus dem Friedhofe sprach unser Rabbiner, Herr Dr. Münz, und schilderte ' mit ergreifenden Worten das Leben und Wirten des? Heimgegangenen. Der Verstorbene, so führte der j Redner aus, war tein gewöhnlicher, alltäglicher Mensch. Er besaß ein tiefes Wissen und einen scharfen l und klaren Geist. Seit seiner frühesten Jugend war f er mit dem Studium unserer heiligen Litieratur be- | schäftigt und diese Liebe zur Thora war der Grundzug! seines Charakters. Er war aber auch von tiefer Frömmigkeit beseelt und lebte ganz im Geiste unse- [ rer heiligen Lehre. 36 Jahre stand der Heimgegangene l im Dienste unserer Gemeinde und mit seltener Gel wiffenhastigteit und Treue hat er allezeit die Pflichten i seines Amtes erfüllt. Er war der Lehrer unserer - Kinder- und das erste Srtr vrr Haben ste aus seinem \ Munde gelernt. Durch seinen schönen, anmuthigen ■ Gesang hat er unsern Gottesdienst verherrlicht und feierlich gestaltet. Ein Band der Freundschaft und . der Liebe verknüpfte ihn mit den Mitgliedern seiner Gemeinde. In.freudigen und in ernsten Stunden nahin er den innigsten Antheil an unsern Schicksalen und Erlebnissen. Bon tiefer Ergriffenheit wurde die Trauerversammlung erlaßt, als unser Rabbiner, Herr Dr. Münz, von dem Entschlafenen, der ihm ein treuer Freund gewesen. Abschied nahm und ihm ini Namen der Gemeinde den letzten'Dank aussprach. Ruhe in Frieden und werde der ewigen Seligkeit theilhastig. Wir aber werden das Andenken des theuren Heimgegangenen stets in . Ehren halten. Cadttuhnen, 20. Jan. Sehr interessant ltmr die heutige Wahl eines stellvertretenden Mitgliedes des Vorstandes unserer Synagogengemeinde, in der wieder I Herr Landrath v. Rcdern -Stallupönen als Wahl-! Kommissar von der Regierung fungirte. Von.38 1 stimmberechtigten Mitgliedern der Gemeinde waren 19 j. l also die Hälfte) erschienen. Von diesen erhielten bei t dem Rundgange der Wahlzelle!: Herr Jakob V e r l o - 1 w i tz 7, Herr Abel K a in i e s k y 8 und drei andere; Gcmeindemitglieder 4 Stimmen. Es wurde nun zur! Stichwahl geschritten. Dieselbe ergab das Resultat: i Jakob Verlowih und Abel Kamiesty gleich je 9 Stimf men. Ter Wahlkommissar zog darauf das Loos, » welches auf Abel Kamiesky siel.! Mit der Wahl dieses durchaus gesetzestreuen, alten - rrnd braven Mannes kann unsere Gemeinde, deren Vor- - steher jetzt sämmtlich der konservativen Partei angej hören, sehr zufrieden sein. f Eduard Segall'. i _ Eich, 23. Jan. Selten dürfte die Toleranz zwischen Juden und Andersgläubigen in einer Dorfgemeinde derart zur Geltung kommen, wie dies am Sonntag hier geschah. Mehrere Hunderte von Personen — fast sännntliche hiesige Nichtjuden und viele von dem Umkreise — hatten sich hier eingefunden, dem im 83. Lebensjahre verstorbenen Kaufmann Jsak Haas das letzte Geleite zur ewigen Ruhe zu geben. Am Sterbehaus hielt Herr Rabb. Dr. Grün seid - Bingen, der Herrn Dr. Stein vertrat, eine wohldurchdachte, mit den schönsten rr\“ ’-c“ gewürzte Trauerrede. Er rühmte die vielen Tugenden, die der Verklärte besatz, insbesondere die Anhänglichkeit zum väterlichen Glauben, seine Redlichkeit und Treue, den steten Fleiß und seine Anspruchslosigkeit. Nur für das Wohl seiner Familie habe er geschafft und gewirkt, jedem Menschen mit Rath und in der That nahegestanden. Der Redner spendete reichen Trost der klagenden Wittwe und den jammernden Kindern. Als der imposante Leichenzug, worunter auch die freiwillige Feuerwehr, der Soldaten- und Kriegerverein mit schwarzumsloricn Fahnen zu sehen waren, sich in Bewegung setzte, läuteten zu Ehren des Heimgegangenen sämmtliche Glocken. Die Vereine waren in solcher Liebe und Achtung mit dem Verklärten verbunden, datz es ihnen nicht zu viek war, sich nach dein 2'F Stunden entfernt gelegenen Friedhof in Osthofen zu begeben. Am Grabe nahm der Präsident des Kriegervereins vom Heimgegangenen Kameraden, der voll und ganz von 1870—1873 seine Aufgabe löste, tiefgerührt Abschied. Der Kommandant der freiwilligen Feuerwehr dankte dem Entschlafenen für seine stete Pflichttreue und betonte, ein Mitglied verloren zu haben, dem das' Bcreinswescn zu kräftigen, beständig am Herzen lag. Der Sarg wurde sodann in das Grab versenkt, und bald bildete sich dessen Hügel. Lange Zeit noch wird man dieses großen Leichenbegängnisses gedenken, aber noch länger den Entschlafenen, der in der jüdischen Gemeinde jahrelang unentgeltlich das Amt eines Rechners versah, im Gedächtnitz behalten. ."raun. : E. 9r.qenob.ttg, 24. Jan. Der Kgl. Bezirksthierarzt M u n k e n b e ck hier äutzert sich über das Schächten im Jahresbericht des Thierschuhvereins Regensburg pro 1900, S. 14. wie folgt: „Ein weiterer ' Punkt meines vorjährigen Vortrages, der viekiach von sachverständiger Seite kritisirt wurde, betras das Schächten der Rinder nach jüdischem Ritus. Ich habe trotz der schärfsten Angriffe meine Ansichten nicht gewechselt; ich vertrete'immer noch den eingenommenen Standpunkt, namentlich, datz das Schächten der Thiere die humanste Todcsart ist; denn der mit dem scharfen Messer des Schächters durch den Hals des Thieregeführte Schnitt trennt sofort die armsdicken, im Halse selbst befindlichen Blutgefäße. Wie ein Blitz schießt das Blut aus denselben und im Nu, möchte ich sagen, ist das Gehirn blutleer. In Folge der Blutleere ist das Thier bewußtlos, sodaß das Schmerzgefühl dem Thiere gar nicht mehr zum Bewußtsein kommen kann. Allerdings habe Ich damals vor Augen geführt, datz in dem Knebeln und Abwerfen der Thiere absichtslose Quälerei liegen kann. Ich habe

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