Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1902)
- Date
- 1902-01-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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187 Im großen Haushali der Natur ist dafür gesorgt. f das; die unerläßlichsten Lebensmittel am reichlichsten und billigsten vorhanden sind, und daß stk je nach ihrer Entbehrlichkeit seltener und damit theurer werden. Luft und Licht, ohne welche lein Wesen leben kann, durchfluthen die Welt und Jeder kann sie sich kostenlos aneignen. In zweiter Reihe kommt dos Wasser. das schon detzhalb nicht mehr so häufig und billig ist. als Luft und Licht. So ist Eisen häufiger und billiger, als die Luxusartikel wie Gold. Silber und Diamanten. Dasselbe ist auch bei den Rabbinern der Fall. In der alten Zeit konnte keine Gemeinde auch nur kurze Zeit ohne den Rabbiner leben, dem sie ihre rfcxr, ihre Anliegen geschäftlicher und familiärer Natur vorlegtc mit der Bitte um Rath für alle Verhältnisse des Lebens. Weil die Rabbiner somit unentbehrlich in jener Zeit waren. Mußten'sie billig sein. Heute sind die Rabbiner entbehrlicher geworden. rr*c werden ihnen nicht vorgelegt, ja, selbst die Gemeinde beschließt über religiöse Angelegenheiten, ohne den Rabbiner zu hören. Sie sind deßhalb, wie jeder Luxusartikel, theurer geworden, ihre pekuniäre Besserstellung ist daher eine unabweisbare Forderung der Zeit etc. etc. Dieses Argument ist geradezu unwiderleglich. Sollte man aber dennoch von Seiten der Gemeinden nicht die Hand zur Besserstellung der Rabbiner bieten, so haben die Rabbiner das Ihrige gethan und sollten nun doch einmal ihren Zwingherrn zeigen, daß ste auch ohne ihre Hilfe fertig werden können. Der Rabbiner- Borstand sollte dann einmal einen allgemeinen Rabbiner-Streit proklamiren, und seine Mitglieder verpflichten, ihr Amt niederzulegen und es nicht eher wieder anfzunehmen, bis die für die Ehre des Rabbinerstandes erforderlichen Bedingungen bewilligt sind! Das wird von durchschlagendem Erfolg sein. Selbstverständlich können hier nicht alle Schachiind Winkelzüge des zu inszenirenden Boycottes ausgeplatldert werden; sonst könnten die Gegner schon jetzt ihre Maßnahmen dagegen treffen. Die besten Trümpfe habe ich noch in der Hand und behalte sie einstweilen für mich, damit die andern uns nicht in die Karten sehen. — Vielleicht findet die Findigkeit der Herren Verbands-Rabbiner ein Mittel, wie ich ihnen meine Anschläge mittheilen kann, ohne daß die Andern etwas davon erfahren. Aber auf diesem Wege geht's nicht. Beharren sie auf ihrem Antrag und seiner Begründung, so werden ste große Enttäuschungen erleben, vor welchen ich ste durch diese Zeilen bewahren wollte. Zeitungsnachrichten und Eorresponvcnzcrr. Deutschland. Berlin, 24. Jan. Der „Liberale Verein für die' Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" setzt einen Preis von „Eintausend Mark" aus für die hefte unter Beobachtung nachstehender Bedingungen bei ihm eingelieferte Schrift über „Das Wesen des I u d e n t h u m s", doch soll der Preis nicht zur Vertheilung kommen, wenn keine gute, den Bedingungen, entsprechende Arbeit eingeht. Die Arbeit soll vom Standpunkte der liberalen Anschauung im Judenthum geschrieben und für gebildete Laien, nicht nur Juden, sondern namentlich auch Christen, bestimmt sein; sie soll nicht oder möglichst wenig sich bei der Vertheidigung des Judenthums gegen ungerechtfertigte Angriffe aufhalten, vielmehr das Hauptgewicht legen auf klare und entschiedene Hervorhebung derjenigen Punkte, in denen das Judenthum den christlichen Religionen ebenbürtig, und derjenigen, in denen elfteres den letzteren überlegen ist. Zwecks Aufklärung christlicher Leser wäre eine Ausführung darüber erwünscht, ob die im heutigen Judenthum herrschenden oder die in den Bekenntnißformeln der heutigen christlichen Religionen zum Ausdruck gebrachten Ansichten denjenigen Grundanschauuugen näher stehen, die in Palästina im Anschluß an die Lehren der jüdischen Propheten von nicht wenigen Männern der folgenden Zeit, unter ihnen, soweit der mangelhafte Zustand der Quellen ein Urtheil gestattet — auch vom Stifter der christl. Religion, auf den die christlichen Religionen sich berufen, vertreten worden sind. Die Arbeit ist in deutscher, durchaus leserlicher Schrift, druckfertig, den Umfang von etwa 200 Druckseiten nicht übersteigend, bis zum 1. April 1903 bei dem Unterzeichneten Verein zu Händen seines Vorsitzenden einznreichen. Etwaige Anmerkungen sind in einen Anhang zu verweisen, dessen Umfang möglichst zu beschränken ist. Anführungen in hebräischer Sprache sind stets mit deutscher Üebersetzung zu begleiten. Die Arbeit ist mit einem Motto zu versehen, ein gleiches Motto ■ ist auf einen Briefumschlag zu setzen, der verschlossen Namen und Wohnung des Verfassers enthält. Die Namen der Preisrichter und die näheren Bestimmungen über ihre Thätigkeit werden in der Allgemeinen Zeitung des Judenthums veröffentlicht werden. Nach Eingang der schriftlichen Entscheidung der - Preisrichter werden in einer Sitzung des Vereinsvorstandes die verschlossenen Briefumschläge geöffnet. Den Erwerbern wird das Ergebniß mitgetheilt, den preisgekrönten unter Uebersendung des Preises, den übrigen unter eingeschriebener Rücksendung ihrer Arbeiten, für die sie bei etwaiger Veröffentlichung nicht den obigen Titel wählen dürfen. Mit Zahlung des Preises geht das Urheberrecht an der preisgekrönten; Arbeit auf den Verein über, oder falls dies rechtlich, nicht zulässig sein sollte, auf den Vorsitzenden des Vereins, der jedoch verpflichtet ist, darüber nach Anweisung des Vereins zu verfügen, (Wie die Erfahrung gelehrt hat, kommt bei der- ‘ artigen Preisausschreibungen selten viel heraus. Aber ein interessantes Zeichen der Zeit ist es. daß die „Liberalen" jetzt beweisen wollen, daß das Judenthum höher wie das Christenthum steht, während sie doch seither der Lessing'schen Drci-Ringe-Moral huldigten.) ' - - PP