Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1902)
- Date
- 1902-01-23
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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171 ,sl I Slullgart, 10. Jan. Gestern hielt die von dem Herrn Kirchenrath Dr. Kroner hier vor fünf Jahren in's Leben gerufene Talmud-Thora-Chewrah einen Sium auf T'.'S'rr'L "Lv bv n:i Um 71!» Uhr Abends versammelten sich die Chewrahmitglieder im großen Lehrsaal der Gemeinde. Herr Kirchenrath Kroner trug den Schluß des Brcschis rabbo und den Anfang des Midrasch rabbo al Sefer Schinos vor. Wer von den geistreichen klaren Ausführungen dieses Meisters der Rede sich einen'Begriff machen will, der müßte nur einmal die Zuhörer betrachten, wie sie dasitzen in gespannter Aufmerksamkeit, mit leuchtenden Augen! Ein Rachas ruach in des Wortes voller Bedeutung. Nachdem die üblichen Gebete gesprochen waren, vereinigten sich die Mitglieder mit ihren Damen an der herrlich geschmückten Tafel, um deren Bestellung sich namentlich Frau Bankier H. Gutmann ein Verdienst erworben hat. Das reichliche Mahl, von Frau Lehrer j Abraham Wwe. bereitet, war vortrefflich. Und vor- - trefflich waren auch die rwi die in beredten; Worten zum Ausdruck kamen. Den Reigen eröffnete f die feste Stütze des Vereins, der Vorsteher desselben. : Herr Bankier H. G u t m a n n. Sein Wort galt dem j Lehrer und Ebrcnpräses Herrn Kirchenrath Kroner. \ Dem aus dem Herzen kommenden ra n»*’ für den-. j selben, — der trotz vieler widerwärtigen Kämpfe unj entwegt aus der .durch die Thora markirten Bahn; voranschreitet und nicht ruht und nicht rastet, sondern : schafft und immer schafft — stimmten alle aus tiefster! .Seele bei. . i Es sprachen sodann die Herren Rabbiner Dr. - K ahn- Eßlingen, Rabb. Dr. Schweizer hier,! die Herren Ein. K a u f m a n n und Lehrer M.! Meyer, beide von hier, und endlich unter lautloser i Stille der Gründer des Vereins. Mit zitternder j Stimme, aus der die heilige Freude herausklang, die i der Redner empfand, hier einer solchen ms» bv rrrjz j anwohnen zu können, ließ er in feierlich ernster Weise : die Geschichte des Vereins Revue passiren und schloß i mit dem warinen Appell an die Anwesenden, die hohe - und heilige Sache emsig weiterzubauen. Tiefe Rührung bemächtigte sich aller, als dann der Rav den Manen des j . so früh heimgekehrtcn Mitgliedes Lehrer Abraham s. A. | einige Worte widmete und die Anwesenden zum Ge-! dächtniß für denselben sich von den Plätzen erheben ließ. | Bei dem Hoch auf die Damen und in zivangloser j Unterhaltung kam auch der Humor zu seinem Rechte. - Um Mitternacht trennten sich die Theilnehmer, sickitli : begeistert und gehoben. - Zum Schluffe noch eine kurze Bemerkung über die j Thätigkeit des Vereins: Drei Mal in der Woche wird i gelernt und zwar: Samstags Midrasch, Sonntags j Posuk (Tehillim), Donnerstags Gemoro (Avodo soroh). Das .Kirchenoorsteheramt stellt in oanlensj weither Weise Zimmerheizung und Beleuchtung unentgeltlich zur Verfügung. Auch hat der Verein schon! manches Stipendium an Thorabeflisiene hinansgcben können. Nunmehr wird von Vercinswegen ein Lehrer für unentgeltlichen Gemoro-Unterricht bestellt. Ungarn. Budapest, im Jan. Im Finanzausschuß des Abgeordnetenhauses wurde, das Budget des Kultuslninistcriums verhandelt. Mehrere Abgeordnete benutzten diese Gelegenheit, um für die Interessen ihrer Religion bei den einzelnen Posten das Wort zu erheben. Auch zwei jüdische Abgeordnete, A. Nemenyi und E. Barta, beide Mitglieder des Finanzausschusses, machten von diesem Rechte Gebrauch. Elfterer urgirte die Äusfolgung der Kongruabezugr für die Geistlichen, und Letzterer rühmte die Vaterlandsliebe der Seelsorger. Beide Hatten sie ein warmfühlendes Herz für die — ..griechisch-katholische Geistlichkeit." Das sind doch tolerante Inden, die im Interesse Andersgläubiger sogar die eigene Religion zu verleugnen im Stande sinv! Zum Glück hat man bei dieser Gelegenheit von Juden garnicht. gesprochen, sonst hatte Bartha, im Gegensatz zu den rnthenischen Geistlichen, gewiß die Staarsfeindlichkcit der orthodoxen Juden wieder hervorgehoben. Einmal hat esdieser jüdische Rnthcnenfreund schon gethan. Arad, im Jan. Der hiesige Rabbiner Dr. Rose n b e r g hat die Einsegung der Mischehen plötzlich ausgegeben. Eine für den 2. Februar bestimmte Trauung wird auch schon unterbleiben. Das junge Paar ist darüber auch ganz entrüstet. Der Rabbiner schützt die „Anfeindungen" vor, denen er wegen der Einsegnung von Mischehen ausgesetzt war. Thatsächlich hat sich der Herr Rabbiner sieben Jahre um diese Anfeindungen nicht gekümmert und hat sieben Mischehen mit seinem synagogalen Segen beglückt. Der wahre Segen war aber doch ausgeblieben. In fünf Fällen war die Ehe eine unglückliche, wenn auch die Eheleute selbst behaupten, daß der Segen des Rabbiners dabei ganz unschuldig sei. Die Verschiedenheit des Glaubens und vielleicht auch der Abstammung verhindert eine glückliche Ehe. Für den Rabbiner dürfte aber doch nur maßgebend gewesen sein das Projekt des einheitlichen Kongresses und der einheitlichen Autonomie. Von leitender Stelle wurde nämlich dein Herrn Doktor bedeutet. daß durch sein Vorgehen die Vorarbeiten und Unterhandlungen mir den Orthodoxen bedeutend erschwert würden. Rabbiner Rosenberg weiß wohl, daß »eine Kollegen, die Mischehen noch nicht eingesegnet haben, bei denOrthodoren doch nicht besser altreditirt sind, hat sich aber dennoch entschlossen, dieses Opfer nunmehr zu bringen, als das Erträgniß bisher ein ganz geringes gewesen und es sich nicht rentirc,'wegen einer Kleinigkeit event. späteren unliebsamen Vorwürfen ausgesetzt zu sein. Sollte der Ausgleich mit den Orthodoxen nicht innerhalb eines bestimmten Zeitraumes perfektirt werden. dürfte unser Herr Rabbiner die kirchliche Trauung von Mischehen wieder besorgen. Der Vorstand unserer Gemeinde hat seinerzeit die Einsegnung gutgeheißen und billigt auch das derzeitige Entgegenkommen