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Der Israelit · 1902-01-23 · Heft 7 (23.1.1902) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 7 (23.1.1902)
Date
1902-01-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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gehen und hielt dabei den „E—g" in seiner Hand. — Der Großwardeiner Obcrrabbiner Fuchs wollte keinen Eid ohne Kopfbedeckung leisten. Die gerichtlichen Instanzen werden angerufen, diesen Fanatiker, der das große Prinzip der Gleichberechtigung gefährdet, exemplarisch zu bestrafen. — Seminar-Professor Blau wurde in seiner Vaterstadt Putnok nicht mit der „Morenu" aufgerufen. Das ist eine orthodoxe Frech-. heit. — Zu Zeiten des Talmuds hat man Geflügel^ fleisch und Milch anstandslos zusammen gekocht und gegessen. Die Orthodoxen haben sich deßwegen nicht separirt. — In der Synagoge des Oberrabbiners Kopel Reich wird nur deutsch gepredigt. — Der Feherioer Wunderrabbi versteht kein Wort ungarisch.—- Schuldirektor Jakob Gabel will als orthodoxer Abgeordneter den religiösen Frieden im ungarischen Parlament untergraben. — Am Fasttag und in der Sefira dürfen selbst im Sinne des Schulchan-Aruch Trauungen vollzogen werden. — In Debrezin haben die frommen Rabbiner bei einem Festmahl nur orthodoxe Fische gegessen. -— Weib und Kind ernähren ist laut dem Talmud mehr Religion, als Tefilinlegen, . Zizis und Beten. — Rur so fortfahren, liebe „Gleichheitszeitung," wir leben ja in der Aera des religiösen Friedens. Wie zitirt doch Ihr Meturgeman einen Talmudspruch? „Der Hohn, er versöhnt nicht, und überzeugt nicht; er stachelt nur die Feindschaft und reizt den Widerstand." . . b . . Zeitungsnachrichten und Corrcspondenzen. Deutschland. Berlin, 21. Jan. In der gestern Abend im dichtgefüllten großen Saale des Künstlerheims, Vellevuestraße 3, stattgefundenen Versammlung des „Centralvcreins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" hielt Herr Rabbiner Dr. C. Werner - München einen höchst interessanten, spannenden und mit überaus großem' Beifall aufgenommenen Vortrag über: „Spinoza in-Wahrheit und Dichtung." Hagen. (Antrag der Synagogengemeinde auf Ueber-nahme der israelitischen Schule auf den Stadthaushalt.) Als Referent weist Herr l. Bürgermeister Cuno darauf hin, daß es bei der letzten Etatsberathung gewünscht worden sei, die Israeliten zur vollen Kommunalsteuer heranziehen zu können. Die israelitische Schule, die jetzt von der Cultusgemeinde unterhalten wird, müßte in diesem Falle auf den Kommunal-Etat übernommen werden. Die Schule wird jetzt von 32 Kindern besucht. Da der Lehrer der Schule gleichzeitig Kultusbeamter ist, der von der Kirchengemeinde gewählt wird, so würde die Stadt bei Ilebernahme der Schule sich ihres wichtigsten Rechtes, der Lehrer-Anstellung, begeben. Die Finanzkommission bittet deßhalb von der Kommunalisirung der Schule abzusehen, die israelitischen Bürger zum vollen Betrags zur Steuer heranzuziehen, dafür aber der israelitischen Kultusgemeinde für jedes Schulkind den Betrag zu zahlen, den die Stadt auch für die Schulkinder der anderen Konfessionen in den städtischen Volksschulen zahle. Das Kollegium stimmt dem Anträge der Finanzkommission zu. Iersonalien. Berlin, 20. Jan. Das Fest der Silberhochzeit feiert am Donnerstag. 23. d. Mts., der insbesondere durch seinen Wohlthätigkeitsinn allgemein bekannte und sich größter Hochachtung erfreuende Kaufmann Moritz Kriste! ler. Mitinhaber und Begründer der weltbekannten Engros-Firma Gebrüder Kristeller, und dessen Ehefrau Anna geb. Rosenbaum, Al'exanderstraße 43. An demselben Tage findet die Hochzeit der einzigen Tochter Alice mit dem Kammergerichts-Referendar Dr. Paul Rosenfeld statt. Quedlinburg, im Jan. Am Donnerstag vre» n verschied hier nach langer Krankheit Frau Bertha Philippsborn, eine Frau,, die es verdient, in Ihrem Blatte erwähnt zu werden. Dieselbe war eine edle, gottesfürchtige Frau, wie sie leider immer seltener werden. Sie war ein Muster milden Herzens; denn manche Thräne hat sie getrocknet, manches Leid gemildert. bei ihr hieß es: uw fcsn „Jeder Hungrige komme und esse," sie war eine wx t\n Biederweib im wahren Sinne des Wortes. Sie war Allen ein leuchtendes Vorbild in der wahren Gottesfurcht und Tugend- G. AnS den» NnbbinatSbezirk Brette«, 19. Jan. Schon wieder ist unser hochverehrter Herr Bez.-Rabbiner Dr. Schlesinger in tiefe Trauer versetzt worden. Roch sind nicht sechs Monate verflossen, da der Tod ihm den einzigen hoffnungsvollen Sohn entrissen; noch ist diese große Wunde nicht vernarbt, noch fließt manche stille Thräne um diesen Verlust, und heute ist schon wiederum von ihm, wie von seinen Kindern, ein theures Leben zu beweinen. Am Sonntag, 5. Schewat, ist seine hochedle Gattin nach langer, schmerzvoller .Krankheit, in dem kräftigsten und besten Lebensalter von 44 Jahren, aus diesem Dasein geschieden. Am Dienstag. 7. Schewat, fand unter großer Betheiligung die Beerdigung der Verblichenen statt. Aus Rah und Fern waren Verwandte und Bekannte herbeigceilt, um der so früh Dahingeschiedenen die letzte Ehre zu erweisen. Die zahlreiche Trauerversammlung war der sichtlichste Beweis, welche Liebe sie sich erworben und welch' große Theilnahme unserem verehrten Herrn Rabbiner für diesen herben Verlust sich kund gab. Am Grabe gab Herr Bez.-Rabbiner Dr. D o k t o r aus Bruchsal in erhebenden und tröstenden Worten ein getreues Lebensbild von der Entschlafenen. Rührend war es und kein Auge blieb thranenlecr, als der

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