Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1902)
- Date
- 1902-01-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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auch als interessantes Stimmungsbild diesem Aufsatze die Aufnahme nicht versagen zu sollen.) Aus Ungarn. Die hauptstädtischen Blätter publiziren folgende Nachricht: „Eine intereffante Trauung wird am S. Februar im isr. Tempel zu Arad vor sich gehen, woselbst die Enkelin des einstigen Großgrundbesitzers Josef Deutsch de Hatvan, die Tochter der Frau Geza Moskowitz de Zemplen, dem Grundbesitzer Karl Garay die Hand zum ehelichen Bunde reichen wird. Die Braut ist I ü d i n, der Bräutigam ist K a t h o l i l. Da Beide ihrem Glauben treu (?!) bleiben, ihre Ehe aber auch kirchlich sanktionirt wissen wollen, begeben sich die Brautleute nach Arad, woselbst Rabbiner Dr. Alexander R o s e n b e r g auch die Mischehen zwischen Juden und Christen segnet. Derselbe hat in dieser Weise bereits si e b e n Mischehen den kirchlichen Segen ertheilt; in allen diesen Fällen waren die Parteien direkt nach Arad gekommen, um ihre Ehe durch den Rabbiner einsegnen zu lassen." Dr. Rosenberg galt stets als einer der hervorragendsten, gelehrtesten und frömmsten Rabbiner der Kongreßpartei. Seit dem Bestände des Rabbinerseminars ist er auch Mitglied des Kuratoriums resp. der Prüfungskommission. Seit sieben Jahren segnet er Mischehen in seiner Synagoge, nichtsdestoweniger betheiligt er sich weiter mit religiösem Eifer an allen öffentlichen jüdischen Angelegenheiten und die leitenden Männer der Kongreßpartei finden es absolut nicht als imkompatibel, wenn' diese Zierde ihres Rabbinerstandes die offiziellen jüdischen Ehrenstellen bekleidet. Die jüdische Zeitung „Egyenlöseg" hat zwar zu Beginn der Einsegnungsaktion dem famosen Herrn Rabbiner mit Glacehandschuhen einige Opposition gemacht, hat aber seitdem mit den rabbinischen Kundgebungen dieses Patrons schon mehrfach paradiert. Und noch immer wollen alle diese Herren einen einheitlichen Kongreß, einheitliche Autonomie und religiöse Gemeinschaft mit den Orthodoxen. Ja, noch mehr, sie begreifen es gar nicht, wie diese fanatischen Orthodoxen mit solchen Paradejuden und jüd. Pfaffen nicht einmal zusammen begraben sein wollen. Die sonst gut redigierte Zeitung „Egyenlöseg" operirt seit Kurzem auch mit einem ganz neuen Motiv für die Aussöhnung mit den Orthodoxen. In den jüngsten Versammlungen der Kongreßpartei hörte man auch schon den neuesten Jammer vielfach wiederholen. Die „Massentauf e n!" Arme Neologen!. Um die Massentaufen zu reduzieren, wollen sie eine einheitliche Autonomie. Und dazu soll die Regierung mithelfen, und sie haben nichts dagegen, wenn man proptvr forma auch mit dem Csaper und Bustahäser Rabbiner Friedensunterhandlungen pflegen will. Wer sind aber die Täuflinge? Und wer sind die Friedensstürmer? Bitte, aufpassen! Die Kinder des einstigen Vorstehers Moritz W a h r - mann sind alle getauft. Und Wahrmann, der Vizepräses des unglückseligen jüdischen Kongresses gewesen, wollte die Neologen und Orthodoxen mit aller Gewalt vereinigen. Die Kinder der sel. Frau Johanna Vischitz hören schön langsam auf. Juden zu sein. Und alle Welt weiß, welche leitende Stelle Frau Bischitz und ihr Mann in der einflußreichsten jüdischen Gemeinde Ungarns inne hatten. Herr Franz Chor in ist noch heute Repräsentant der Budapester jüdischen Gemeinde und hervorragendes Mitglied des angesehensten Kongreßdistriktes. obwohl er selbst seine Söhne zur Taufe führte. Und so könnte man noch eine Reihe der angesehensten und reichsten jüdischen Familien anführen. bei denen man schon heute mit mathematischer Genauigkeit ausrechnen kann, wann der letzte Sprößling aufgehört haben wird, Jude zu sein. Und alle diese Persönlichkeiten wünschen nichts sehnlicher, als die Eintracht mit den Orthodoxen! Dieses Streben ist das Alfa und Omega ihres Judenthums. In dieser einzigen Friedensduselei äußert sich ihre , ganze Religion. In der Finanzkommission des Abgeordnetenhauses hat heute der j ü d i s ch e Abgeordnete Edmund B a r t a den Patriotismus der ruthenischen Geistlichen außerordentlich lobend hervorgehoben. Es ist der nämliche jüdische Deputirte, der bei einer anderen Gelegenheit in großer Parlamentssitzung die vaterländischen Orthodoxen als Kulturfeinde und Gegner des ungarischen Staates stigmatisirte. Auch er hat alle seine Kinder taufen lassen und seine älteste Tochter nur unter der Bedingung an einen jüdischen Juristen verlobt, wenn sich derselbe auch vor der Hochzeit wird taufen lassen. Auch dieser gute Mann ist ein Föderer der einheitlichen jüdischen Autonomie. Vor der ersten Abgeordnetenwahl versprach er sogar den Chassidimrabbi's, auch gut und fromm zu sein. Bezeichnend ist es aber, daß die mehrerwähnte, über jüdische Vorgänge so gut unterrichtete ungarische Zeitschrift, alle diese Taufgeschichten mit keinem Sterbenswörtchen erwähnte. Erst als die Zahl der ungarischen Judentaufen die respektable Summe: „fünfhundert" erreichte, begann das Organ der Neologie ein herzzerreißendes Klagelied anzustimmen. Dies verhinderte indesten nicht die fromme Zeitung, in Jubel auszubrechen ob der Ehre, die dem ungarischen.Judenthum bevorstehe, wenn Franz Chorin zum Magnatenhausmitglied ernannt werden sollte. Und doch lehrt die jüdische Wahrheit: Was einer in Wahrheit ist, zeigt er nur in der Art und Weise, wie er seine Kinder erzieht. Wer seine Kinder unjüdisch erzieht, der braucht kein jüdischer Würdenträger zu sein. Mit solch' einfältigen Wahrheiten will sich aber unser offizielles Neologenblatt nicht beschäftigen. Die ungarischen Leser werden von Zeit zu Zeit mit ganz anderen Pikanterien gekitzelt. Wir wollen eine kleine Blumenlese halten: In Bersevitze wollte der Tempelvorsteher einem > Zögling des Budapester Rabbinerseminars keine wbv ' gestatten. Der Bezirksrichter verurtheilte dieses Bor-