Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1902)
- Date
- 1902-01-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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158 Rückblick warf auf seine Thätigkeii während seiner Amtszeit. Am Jubilöumstage selbst erschienen in großer Anzahl Gratulanten, wie der Gemeindevorstand, der Vorstand des Frauenvereins. die jetzige Schuljugend und ehemalige Schüler, die namhafte und werthvolle Geschenke überreichten. Glückwunschschreiben gingen von den städtischen und Regierungsbehörden. von der Geistlichkeit und dem Lehrerverein ein. Ein Delegierter des „Jsr. Lehrervereins Mitteldeutschlands" überbrachte die Glückwünsche dieses Vereins. Möge es Herrn Röthler vergönnt sein, in ungeschwächter Gesundheit zum Segen .seiner Gemeinde weiter segensreich zu wirken! .Halle a. L. In unserer Stadt, in der viele Geschäftsreisende verkehren und viele jüdische Studenten dauernden Aufenthalt haben, wurde der Mangel einer streng koscheren Restauration allenthalben gefühlt und beklagt. Diesem Uebelstande ist nunmehr durch die Errichtung der Restauration Eisfeld, Leipzigerstr. 27 I, nach jeder Richtung abgeholfen. Die Restauration steht unter Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Auerbach in Leipzig und entspricht außerdem allen Ansprüchen der ' Neuzeit. Oesterreich. Prag. 16. Jan. (Eine jüdische Toyn - b e e - H a l l e.) Gestern wurde ineiner zahlreich besuchten Versammlung, die sich im Hotel Robitschek zusammenfand, die Gründung einer nach englischem Muster errichteten Toynbee-Halle beschlossen, die den Zweck hat, den Juden in einem hierzu eingerichteten Saale durch gemeinverständliche, wissenschaftliche oder belehrende Vorträge und daran sich anschließende Diskussionen. durch musikalische und deklamatorische Vorträge und andere künstlerische Darbietungen gesellige Unterhaltungen. Erhaltung einer Bibliothek und einer Lesehalle, Veranstaltung von Unterrichtskursen, unentgeltliche bildende und unterhaltende Belehrung zu bieten. Parteipolitische Diskussionen sind ausgeschlossen. wie denn überhaupt die Entwickelung einer politischen Thätigkeii im Vereine nicht zulässig ist. Die Versammlung wurde von Dr. K o h n eröffnet, welche dem Herrn Dr. Kohn das Wort zu seinem Referate über die angedeuteteu Ziele einer Toynbee-Halle er theilte. Die Ausführungen wurden beifälligst ausgenommen. Nachdem noch die Herren Dr. Ludwig Bendiener und Rabbiner Dr. Kisch einige Worte an die Versammlung gerichtet hatten, wobei namentlich die Mittheilung interessirte, daß schon im alten Babylon etwas Aehnliches wie Toynbee-Hallen existirt haben, wurde die Gründung des Vereins beschlossen und die bereits ausgearbeiteten Statuten angenommen. In den Ausschuß wurden folgende Mitglieder gewählt: ..Charlotte Angel. Dr. Ludw. Bendiener, Hugo Bergmann. Dr. Aladar Deutsch. Dr. Moritz Kohn. Isidor Redisch, Sofie Robitschek. Simon Teweles, Dr. Josef Zalud. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren: Jakob Wertheimer. Max Hirsch und Dr. Grünfeld. _ _—— --- «affin, 12. Schebat. Die hiesige Cultusgemeinde veranstaltet am 26. Januar eine Jubiläumsfeierlichkeit verbunden mit einem Festgottesdienst zu Ehren der fünfzigjährigen Amtstätigkeit ihres vielgeliebten Herrn Rabbiners M. S. E n g e l. Bei dieser Feier werden mehrere Rabbinen aus der Umgebung Sassin's Festreden halten: nach dem Gottesdienste werden dem Jubilar durch den Vorsteher Ehrengeschenke, theils von der Gemeinde, theils von Privatleuten, überreicht werden. England. London. Sir Ernst Cassel, welcher dem König Eduard VII. 4 Millionen Mark zu einem wohlthätigen Zwecke übergeben hat. ist der Sohn eines deutschen Juden, dessen Vater, ein frommer, aber armer Mann, sich durch Ertheilung von hebräischem Privatunterricht mühsam durchs Leben schlug. Von den zahlreichen Verwandten des Sir Cassel wollen wir nur das gelehrte Brüderpaar, Professor Paulus, und Dr. David Cassel erwähnen, von denen Ersterer bekanntlich zum Christenthum übergegangen und als Pfarrer der Apostelkirche in Berlin gestorben ist, während Letzterer ein treuer Jude geblieben ist und als jüdischer Geschichtsschreiber seinem Volke werthvolle Dienste geleistet hat. London. sP rote st gegen Mr. Zangwil l.) In der am 13. d. Mts. abgehaltenen Monatssitzung der Anglo-Jewish Association ergriff Chacham G a st e r die Gelegenheit, um gegen die von seinem zionistischen Gesinnungsgenossen, Mr. Zangwill, aus dem fünften Zionistenkongresse in Basel gegen die „Jewish Kolonisation Association" erhobenen Beschuldigungen in scharfen Worten zu vrotestiren. Dr. Gaster warf Zangwill Unwissenheit und Ungenauigkeit vor. Die Angelegenheit der palästinensischen Kolonien werden nicht von der „Jewish Kolonisation Association." sondern von einem unter dem überwiegenden Einflüsse des Baron Edmound Rothschild stehenden speziellen Komitee geleitet, und Mr. Zangwill hat daher seine Borwürfe an eine falsche Adresse gerichtet. Die Jewish Koloisation Association, sagte Dr. Gaster. will ebenso wie der Zionismus nur das Beste für das Judenthum und ich wünsche ausdrücklich, mich von der durch Unwissenheit hervorgerufenen Anklage des Mr. Zangwill loszusagen. Der Vorsitzende. Mr. Claude Montefiore. schloß sich seinerseits dem Proteste gegen Mr. Zangwills Anklage, die er als „wild und ungenau" bezeichnete, an. Die Jewish Kolonisation Association, deren Thätigkeii durch ein Statut begränzt wird, habe für Palästina mehr gethan, als sie eigentlich durfte. Leider hat Dr. Gaster es vergessen, auch gegen Zangwills unqualifinrten Angriff auf Rabbi Jochanan ben Sakkai, den einstigen Träger der mündlichen Überlieferung, zu protestiren. Derselbe verdient einen ebenso scharfen Protest, wie Zangwills Angriff gegen die Jewish Kolonisation Association, und Dr. Gaster wäre als Lon- „doner Rabbiner der berufene Mann dazu, einen An-