Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 43 (1902)
- Issue
- Heft 7 (23.1.1902)
- Date
- 1902-01-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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156 pC.. Engländer 13,04 pCt., Juden 5,76 pCt. Alloholismus und Syphilis treten auch verhältnißmäßig selten auf, aber da Gonorrhoe ebenso häufig bei Juden wie bei Christen vorkommt, kann man das seltenere Auftreten der Syphilis der größeren Keuschheit derselben nicht zuschreiben. Besonders neigen die Juden, wie es scheint, zu Diabetes: es besteht bei ihnen eine besondere Disposition für alle Stoffwechsel-Erkrankungen. Augenerkrankungen finden wir ebenfalls äußerst häufig bei den Juden, aber ganz besonders fällt uns die Rassenveranlagnng der Juden zu Neurosen. Psychosen und vor allem.-zu Hysterie auf, trotz der Thatsache, daß organische Erkrankungen des Nervensystems nicht häufiger bei ihnen, als bei anderen Raffen zu konstatiren sind. -1 Kischberg weift besonders darauf hin, daß diese eigentümliche Veranlagung höchst wahrscheinlich nicht als biologische Rasseneigenthümlichkeit anzusehen ist, sondern vielmehr als .Folgezustände ihrer Vergangenheit und ihrer Lebensgewohnheiten. Dort, wo die Juden mehr mit anderen Rassen verkehren und deren Sitten und Gewohnheiten annehmen, verlieren sie früher oder spater diese „Rapeneigenthümlichkeiten,". und die vergleichende Pathologie hört auf, bei ihnen besondere Eigenihümlichkeiten darzubieten. Gilbert. Baden-Baden. Berlin. 22. Jan. Die Juden sind überall vorne an. das ist die Klage der mordernen Antisemiten ebenso, wie es die Klage der Egypter war. Diese hat in den Worten: Wathimole hoorez ausom ihren Ausdruck gefunden, wozu bekanntlich unsere Weisen bemerken, daß man sie auf den vordersten Plätzen des Zirkus und der Theater stets gesehen habe. Aber tüchtige Leute müssen es doch immerhin sein, wenn sie geignet sind, immer vorne her zu marschiren. Auch in unserer Zeit sind sie noch immer an der Spitze einer jeden Bewegung. Daß sie die Führer der liberalen Parteien sind, braucht nicht weiter erwähnt zu werden, daß sie aber sogar unter den Begründern der konservativ-antisemitischen Parteien zu finden sind, darauf hat erst höhnisch der „Vorwärts" hingewicsen, indem er an den Juden Stahl erinnerte. Die „Kreuzzeitung" ist aber dazu nicht still. Sie meint, eine derartige Verjudung, wie die durch Stahl, könnte man sich gern gefallen lassen. „Anders aber," fährt sie fort, „steht es um die wirkliche Verjudung ganzer Parteien. So beispielsweise trägt die Sozialdemokratie in allen Ländern das Merkmal völliger Verjudung an sich. Juden sind deren Führer, Juden spielen in ihren Reihen die Hauptrolle. Unter dem Einfluß Singers. Stadthagens, Gradnauers — und wie die „satten" jüdischen Herren alle heißen, die im Namen des „Proletariats" das Wort führen — ist die sozialdemokratische Partei zu dem geworden-, was sie im Grunde ihres Wesens ist: zu einer Vorkämvferin gegen das Christenthum. Der „Vorwärts" wird darum, wenn er von einer „verjudeten" Partei spricht, in erster Linie an die Sozialdemokratie und dann an die ihr am > nächsten stehende Freisinnige Vereinigung denken niüpen, welche sogar eine Hülfstruppe zu dem Zwecke gebildet hat, die Jntereyen der Juden gegen die Christen zu vertreten. So sehen verjudete Parteien aus!" Wie man sieht, spielen die Juden noch dieselbe Rolle, wie vor 3500 Jahren, als es hieß: Wathimole hoorez ausom. Aber das Vordrängen war immer schädlich, möchte man doch aus der Geschichte die nöthigen Lehren ziehen. Breslan, 22. Jan. Im Anschluß im die in einer der vorigen Nummern des „Israelit" gemachten Mittheilungen, daß das alte, ehrwürdige Bankhaus Rothschild in Frankfurt a. M. in Folge seines Ueberganges an die Diskontogesellschaft, demnächst am Sabbat seine Pforten öffnen dürfte, nachdem bereits vorher andere, alte Frankfurter Firmen einen derartigen, nichtsweniger als - schönen Schritt — oder vielmehr Rückschritt — gethan hatten, muß ich leider bemerken, daß sich auch in Breslau vor einiger Zeit ein nicht unbedeutendes Geschäftshaus zu dieser schmachvollen That hat Hinreißen lassen. Es ist dies die Firma Samuel Cohn u. Comp., eine größere Wäsche- und Schürzenfabrik. Bedauerlich ist es. daß. nachdem im vorigen Jahre der ehemalige Seniorchef der Firma, Herr Wilhelm Cohn, der ein glaubens- und überzeugungstreuer Jude gewesen war. und nie zugelassen hatte, daß in seiner Fabrik am Sabbat gearbeitet würde, starb, die Nachkommen nicht einmal aus Pietät zu dem Verstorbenen den Sabbat weiter beobachten. Hoffentlich 'wird dieses schlechte Beispiel hier keine Nachahmung finden. — Es liegt mir heute ferner die traurige Pflicht ob, die Thatsache melden zu müssen, daß in der letzten Woche hier sog. Massentaufen stattgefunden haben. Es sollen, wie ich erfuhr, gegen fünfzehn Personen, zum Theil aus angesehenen Familien, vom jüdischen zum christlichen Glauben ikbergetreten sein. Wenn auch das Judenthum an diesen Leuten durchaus nichts verliert, so ist es dennoch zu bedauern, daß derartige Fälle eintreten; und dies schreibe ich größtentheils der unreligiösen Erziehung zu. welche die Eltern ihren Kindern angedeihen lassen, und mit welchen jene dann noch prahlen!, denn leider sind es meist jüngere Personen, welche vergangene Woche den Glauben ihrer Väter abgeschworen haben. — (Verein für jüd. Geschichte und L i t t e r a t u r.) Vor kurzem hielt im hiesigen Verein für jüdische Geschichte und Litteratnr Herr Dr. I. K a st a n aus Berlin einen Vortrag über die „Stellung der Frau im Judenthum." Daß" der schöne, große Saal der Lessing-Loge viele Reihen leerer Bänke aufwies, ist wohl vor allem dem schlechten Wetter zuzuschreiben. welches gerade an diesem Abende herrschte, da diese Vorträge sonst sehr besucht sind. Herr Dr. Kastan wollte Nachweisen, daß die Stellung der Frau im Judenthum durchaus keine inferiore sei, schon seit den frühesten Zeiten nicht, obgleich man das Gegentheil