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Der Israelit · 1902-01-23 · Heft 7 (23.1.1902) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
43 (1902)
Issue
Heft 7 (23.1.1902)
Date
1902-01-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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155 um die heiligen Ohren. Aber kein Mund der sonst so redseligen Abgekanzelten öffnete sich, um diese Anmaßung zurückzuweisen. Jetzt waren sie geaicht. Man wußte, wie viel man ihrer Männerwürde und Standesehre vom Aorstandstische aus bieten durfte, ohne daß sie dagegen mucksten. Man wußte nun. wie viel Devotion, und Unterwürfigkeit ihr weites Herz saßt und wird sich dessen jetzt gewiß erinnern, wenn die geistlichen Herren Petenten in ihrer Eingabe selber sagen, daß sie ohne die Gemeinden ohnmächtig sind, daß „diese Regelung aber nur in Verbindung m i t den Gemeinden durchgeführt w e r d e n s o l l .u n d kann." Vielleicht findet sich unter den Gemeinde-Vorstehern Einer, der den geistlichen Bittstellern bei dieser Gelegenheit einmal sagt, daß nicht nur die Regelung dieses, sondern ausnahmslos aller Anliegen des Rabbiner-Verbandes nicht ohne Verbindung mit den Gemeinden erledigt werden kann. Was die modernen Rabbiner-Versammlungen und -Verbände impotent und vollständig einflußlos auf die jüdische öffentliche Meinung machte und macht, das ist der Mangel jeglicher Verbindung mit den Gemeinden. In den alten Rabbinerversammlungen waren die Rabbinen sämmtlich delegiert von der Gemeinde und getragen von ihrem Vertrauen; die Gemeinden standen hinter ihren geistlichen Führern, deßhalb waren die Beschlüffe der letzteren maßgebend für die ersteren. Heute nimmt die. jüdische öffentliche Meinung so gut wie gar keine Notiz von den Rabbinen, mögen sie einzeln in ihren Gemeinden auftreten oder nrögen sie in Verbänden tagen. Man hat sie kalt gestellt. Das fühlen die Petenten auch und sie leiten daher sofort ihre Bitte um Besserstellung mit trübselig resignirter Klage ein: „Es ist von der Versammlung (gemeint ist die des Rabbiner-Verbandes) unter Bedauern anerkannt worden und dürfte auch allgemein unwidersprochen bleiben, daß die Stellung des Rabbiners durchaus nicht der Bedeutung und der Verantwortung des Amtes entspricht." Dieses Bedauern der Herren Verbands-Rabbinen dürfte nicht weit über ihren beschränkten Kreis hinausreichen. Dagegen dürfte in der That die Behauptung auf keinen allgemeinen Widerspruch stoßen, daß nicht nur die Stellung, sondern auch manche Inhaber derselben nicht der Bedeutung und Verantwortung des Rabbiner-Amtes entsprechen. Seit mehr als sechs Dezennien hat es keine Schrulle, keine Allüre und Laune irgend eines Genreindcvorstandes gegeben, welche die hier in Rede stehenden Rabbiner nicht hinterher durch ein frommes Sprüchlein legalisirt und durch ihr Amen und Placet besiegelt und gefirmelt hätten. Wenn es einem radikalen Vorstand einfiel, einem jüdischen Gotteshaus durch Einführung eines christlichen Kircheninstruments seinen Charakter zu. nehmen und ihm so das Kainszeichen des Abfalls anzuheften, flugs war der Rabbiner bereit, dieses Sakrilegium nicht nur für gestattet, sondern als Hebung des Gottesdienstes geradezu für eine Mizwoh zu erklären, obwohl er diese Mizwoh von der Hebung des Gottesdienstes erst erfinden mußte, da sie unter den bekannten 613 und den sieben rabbinischen Pflichten gar nicht existirt. Wollte der Vorstand sein Christeln durch Einführung der Konfirmation, durch gemischte Chöre, durch Gebete in der Landessprache, durch Verbote von Tallis und Tefillin und durch welche Armseligkeit sonst dokumentiren, so waren die Rabbinen sofort zur Stelle, die um des lieben Friedens willen vor der Heiligsprechung keines Sakrilegiums zurückschreckten. Sie boten die Hand zur Stiftung biblisch verbotener Ehen, sie segneten unbeschniitene Knaben ein, sie setzten sich persönlich über die Beobachtung des Gottesgesetzes hinweg,, um bei ihren fortgeschrittenen Vorstehern und Repräsentanten keinen Anstoß zu erregen. Wenn man ihre Herzensmeinung erfahren wollte, mußte man nach derjenigen ihrer Vorgesetzten und der des großen Trosses fragen, um dessen Gunst sie buhlten: Dafür waren sie jetzt aber auch Männer des Friedens. Männer der Toleranz und des Fortschritts und wie die Modetugenden alle heißen, deren Diplome sich Vorsteher und Rabbiner gegenseitig ausstellten. (Schluß folgt.) Zerturrgsttachrichten rmv Eorrefponvenzen. Deutschland. Berlin, im Jan. (Die jüdische Rasse vom pathologischen Standpunkte aus betrachte t.) Die pathologischen Eigenthümlichkeiten und die Immunität der jüdischen Rasse ist immer ein Gegenstand des größten Interesses gewesen, aber die Untersuchungen nach dieser Richtung hin bieten ganz besondere Schwierigkeiten. In einem Artikel von Dr. Moritz Fischberg in dem „New Jork Medical Journal" finden wir einige sorgfältig zusammengestellte Mittheikungen, die entschieden mehr Beachtung verdienen, als die eiligen Verallgemeinerungen. die uns nur allzusehr bekannt sind. Man schätzt die Zahl der Juden in den Vereinigten Staaten auf 1,056,135, so daß sich dem Verfasser ein großes Arbeitsmaterial darbot. Wie in Europa, ist bei den Juden die Lebensdauer länger, als bei den Christen, da die Kindersterblichkeitszifser eine viel geringere ist. Diese Thatsache ist um so merkwürdiger, da es statistisch nachgewiesen ist, daß jede Ehe weniger fruchtbar ist, als bei anderen Rassen. Die relative Immunität gegenzymotische Erkrankungen. die einst den Juden zugesprochen wurde, existirt nicht mehr, aber dennoch herrscht noch immer eine gewisse Immunität gegen Tuberkulose. In den am dichtesten bevölkerten Distrikten Newporks verhält sich bei der Tuberkulose die Sterblichkeitszifser wie folgt: Irländer 19,44 pCt., Deutsche 14,02

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